Unser Sohn wünschte sich ein Kinderspielhaus und wir hatten großspurig versprochen, dass er eines bekommt. Das war noch während der Sanierungsphase unseres kleinen Dreifensterhauses. Die Aussage war ziemlich leichtsinnig und wir hatten diese recht unbedacht geäußert, aber kleine Kinder erinnern sich ganz genau an solche Dinge. So kamen wir aus der Nummer nicht mehr raus.

Marktbetrachtung

Das Thema Kinderspielhaus entpuppte sich allerdings als eine nicht sonderlich leicht realisierbare Sache. Zumindest nicht, wenn sich das Spielhaus in irgendeiner Weise harmonisch in unseren recht kleinen Garten eingliedern sollte. Hierzu muss man wissen, unser kleiner Garten ist nur 14 Meter lang und schmale 6 Meter breit! Nimmt man nun das Angebot im Baumarkt in Augenschein, so findet man nur Spielhäuser, die mittig und frei auf dem Grundstück stehen sollen und somit viel Platz drum herum benötigen. Eben etwas, was bei unserem beschränkten Platzangebot nicht realisierbar gewesen wäre. Entweder hätte das  Spielhaus den kompletten Garten verschandelt und bspw. immer in der Sichtachse oder immer irgendwie wie im Wege gestanden.

Zudem störte uns ungemein, dass irgendwie das gesamte Angebot auf Kleinkinder ausgelegt ist. Die Spielhäuser haben im Inneren nur eine geringe Stehhöhe und werden somit innerhalb kürzester Zeit für die heranwachsenden Kinder uninteressant. Spielhäuser für größere Kinder hatten dann immer direkt solche Abmessungen, dass wir das Nachbargrundstück direkt mit benötigt hätten.

Dazu kam, dass unsere Qualitätsansprüche mit dem Angebot nicht in Einklang zu bringen waren. Sämtliche in Augenschein genommenen Spielhäuser waren irgendwie eine Wackelkonstruktion. Ich hätte mich nicht getraut auch mal hoch zu steigen, bspw. um ein trotziges Kind wieder runter zu holen. Wobei die Stabilität wahrscheinlich durchaus gegeben wäre. Zudem waren die Bausätze alle recht teuer. Nach noch genauerer Betrachtung fiel dann auch noch auf, das die meisten Bausätze ausschließlich aus einer Ladung vornummerierter Holzteile und einer Montageanleitung bestanden. Bei nahezu allen Bausätzen hätte man ebenfalls sägen müssen und in der Regel war auch kein einziges Loch vorgebohrt. Hier war dann der Punkt, an dem wir das Projekt Spielhaus trotz Proteste unseres Kleinkindes fast begraben hätten.

Dann kam die Insolvenz von Praktiker und Max Bahr und ich stand an einem der letzten Ausverkaufstage inmitten stark reduzierter Metallwaren und Farben. Fast verwunderlich, was da noch alles herum stand! Bei Praktiker wurde mir dann in der Gartenabteilung eine Kunststoffrutsche für gerade einmal 5 Euro angeboten, welche ich spontan mitgenommen habe. Als dort dann auch noch die Restbestände an bunten wasserlöslichen Holzschutzfarben (also ohne Lösungsmittel) für 1 Euro die Dose feilgeboten wurden, habe ich spontan den Entschluss gefasst, einfach selber ein Kinderspielhaus zu bauen. Sämtliches notwendiges Werkzeug war aus der Bauphase bereits in unserem Besitz und somit für das anstehende „Bauprojekt“ vorhanden. Auch wenn nun schon eine gewisse Menge an Material in unserem Besitz war, musste die Realisierung noch einige Zeit warten.

Planung des Spielhauses

Zunächst musste in DIY-Manier unser Garten gestaltet werden, in den das Kinderspielhaus bereits fest eingeplant wurde. Die Realisierung unseres Gartens überspringe ich an dieser Stelle. Für uns war allerdings bereits bei der Planung klar, dass das Kinderspielhaus als Grenzbebauung zum Nachbarhaus realisiert werden müsste. Nur so war es möglich, das Kinderspielhaus harmonisch in das Gesamtprojekt Garten einzubinden. Um genügen Platz zum kreativen Spielen zu schaffen, musste das Spielhaus zudem in die Höhe wachsen, statt in die Breite und Tiefe. Zudem wünschte sich unser Sohn einen Sandkasten, der Rückblickend und bis jetzt auch richtig viel genutzt wurde.

Da auch kein Sandkasten von der Stange wirklich sinnvoll in unseren zukünftigen Garten passte, wurde auch dieser im Rahmen der Gesamtplanung ganz individuell angedacht und realisiert. Der aktuelle Sandkasten hat zudem eine Doppelfunktion. Zum jetzigen Zeitpunkt fungiert die Umrandung als Sandkasten, wenn die Kinder größer und älter werden, wird dieser zu einem Hochbeet umfunktioniert. Das darüber liegende Spielhaus kann dann auch ohne Sandkasten noch einige Jahre als Rückzugsort und Spielparadies dienen.

Die Frage die sich dann noch stellte, wie sollte das Spielhaus eigentlich ausschauen? Unser Garten sollte einen mediterranen Touch erhalten und ein wenig an Barcelona (eine unserer Lieblingsstädte), Park Güell und Gaudi erinnern. Also harmonische und geschwungene Formen und „schlichte Eleganz“. In längeren Gesprächen mit unserem Sohn schwankten die Wünsche zwischen Schiff, Ritterburg und Piratenstrandhaus. Letzteres kristallisierte sich dann immer mehr heraus und die Planungen entwickelten sich in diese Richtung. Das Piratenstrandhaus ließ sich zudem sehr gut mit unseren DIY-Gartenplänen in Einklang bringen und kann für unsere Tochter auch schnell zum verwunschenen Schlösschen werden.

Nach endlosen Planungen, Recherchen, Skizzen und Gehirnschmalz stand das Projekt irgendwann. Hierzu waren unsere eigenen Vorstellungen und auch Beispiele aus dem Internet sehr hilfreich. Schöne Beispiele könnt ihr euch hier anschauen:

Wir haben zudem versucht, uns auch an die entsprechenden DINs zu halten, was bei unserem Projekt aber nicht in allen Punkten möglich war. Da es sich um ein privates Projekt handelt, müssen wir dies aber auch nicht. Wer einmal in die DINs schauen möchte, kann dies hier tun:

Material und Werkzeug

Bunte Farben, diverse Beschläge, Bodenanker und eine blaue Wellenrutsche waren schon in unserem Besitz. Ebenso diverse notwendige Arbeitsmittel wie Farbrollen, Pinsel, Schleifpapier und Planen. Alles zusammen waren das Ausgaben von gerade einmal 50 Euro. Sparen dank Insolvenz. Tragisch für die Mitarbeiter, ein voller Schnäppcheneinkaufswagen für uns.

So fehlte noch eine große Ladung an Holz. Wie schon während unserer Sanierungsphase haben wir da die besten Erfahrungen mit Holz Wicharz gemacht. Nach einigen Skizzen haben wir die benötigten Mengen an Holz bestellt und direkt vor die Haustüre liefern lassen. Wichtig war uns bei unserem Projekt absolute Standfestigkeit und eine gewisse Haltbarkeit des Holzes. So haben wir glatt gehobelte, druckimprägnierte Kiefer (KDI) in 90 x 90 mm für die Grundkonstruktion geordert.  Für den Boden verwendeten wir 28mm starke Bretter mit Kumulusprofil und für die Fassade 21mm starke Bretter mit feiner Profilierung. Zusätzliche hatten wir von der Sanierung noch diverse Holzreste (OSB, Schalbretter…), selbstklebende Bitumenbahnen (Bauder TEC KSA), und jede Menge Schrauben und Winkelverbinder übrigen.

Materialliste

  • 40 Meter Balken in 90 x 90mm (Grundkonstruktion)
  • 30 Meter Latten in 45 x 70mm (Leitern, Fenster, …)
  • 40 Meter Bretter mit Kumulusprofil in 28 x 145 mm (Böden)
  • 45 Meter Bretter mit feinem Profil (Fassade)
  • 6 Bodenanker in 90 x 90
  • 1 Wellenrutsche
  • 6 rote Kunststoffgriffe im Ausverkauf (bestellt bei WINNETOO)
  • Winkelverbinder mit Steg
  • 2 Pack Schindeln geschiefert in Rot
  • 1 Kartuschen Bitumen-Dichtmasse
  • 3 Kartuschen Bitumenkleber
  • Dielenschrauben, Spanplattenschreiben, Schlossschrauben
  • Montagemörtel
  • diverse Dosen bunter Holzschutzlack
  • diverse Arbeitsmittel (Schleifpapier, Pinsel, …)
  • diverse Reste (Bitumenbahn, OSB, sonstiges Holz, …)

Die reinen Materialkosten für das Kinderspielhaus beliefen sich so auf etwa 600 Euro. Das ist allerdings in etwa auch der Betrag, den wir mindestens beim Baumarkt oder online hätten investieren müssen. Auch bei den Bausätzen wären zudem Bodenanker, Farben und Arbeitsmittel meistens nicht im Kaufpreis inklusive gewesen. Das wäre alles entsprechend Geschmack und Budget noch hinzugekommen. Den Sandkasten haben wir in dieser Rechnung allerdings nicht berücksichtigt, da dieser wesentliches Element der Gartengestaltung ist und somit kostenseitig sowieso angefallen wäre.

Benötigtes Werkzeug

Werkzeug hatten wir dank unserer Gebäudesanierung komplett in unserem Besitz. Hier mussten wir nichts anschaffen oder leihen, sondern konnten auf unseren Maschinenpark zurückgreifen. Nachstehend von uns verwendetes Werkzeug, dahinter unsere Empfehlung, welche wir i.d.R. selber verwenden.

Wir sind sehr zufrieden mit dem Werkzeug von DeWalt. Wir haben ursprünglich mit einem 18V Akkuschrauber-Set begonnen und nach und nach für das System passende Geräte nachgekauft. Wenn die Werkzeuge ohne Akku erworben werden können, sind diese wirklich günstig. Unser System mit NiCAD Akkus ist nicht mehr lieferbar, das neue System basiert auf Li-Ion, weswegen wir euch nachstehend die Nachfolgemodelle verlinkt haben. Für die Realisierung des Piratenstrandhauses benötigten wir:

Realisierung des Spielhauses

Bereits in den Anfängen der DIY-Gartengestaltung wurde der Grundstein für das Piratenstrandhaus gelegt. Zunächst wurden die Bodenhülsen mit Beton in den Boden gesetzt, im Anschluss der Sandkasten drum herum gebaut. Ebenso wurden im selben Atemzug die organisch anmutenden Rasenkanten geformt. Die weitere Realisierung des Spielhauses lag dann aber bis zur Fertigstellung des Gartens auf Eis.

Schleifen:

Mit Ankunft der Ladung Holz ging es dann weiter. Zunächst wurde alles in den Garten getragen und auf dem Gartenweg gelagert. Da wir druckimprägniertes Gartenholz bestellt hatten und dieses zudem nur glatt gehobelt oder profiliert war, haben wir zunächst sämtliche Balken, Latten und Bretter einmal mit dem Exzenterschleifer abgeschliffen. Erfreulicher Nebeneffekt, so verschwinden auch eventuell vorhandenen grünliche Ausblühungen, die durch die Druckimprägnierung entstehen. Das ist eine Arbeit, die mit 125er Papier sehr gut und sehr schnell erledigt werden kann. Nur einigen Astlöchern oder Rissen im Holz sollte man etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, um Verletzungen bei den Kindern vorzubeugen.

Lackieren:

Nachdem das Holz komplett einmal abgeschliffen und glatt wie ein Babypopo anmutete, haben wir den kompletten Holzhaufen mit dem vorhandenen Holzschutzlack gestrichen. Die Farbgebung hatten wir anhand der vorhandenen Farben bereits im Vorfeld festgelegt. So erhielt das Holz eine zusätzliche Schutzschicht, wodurch es nochmal witterungsbeständiger wurde. Die bunten Farben machten das Spielhaus zudem noch kinderfreundlicher. Später während des Aufbaus entstandene Schnittkanten wurden zudem umgehend nachgestrichen. Unser Sohn hat im Übrigen beim Streichen sehr enthusiastisch geholfen und hatte seinen Spaß dabei.

Grundgerüst:

Nachdem aus dem Holzhaufen ein bunter Holzhaufen geworden war, machen wir uns an den Aufbau des Piratenstrandhauses. Hierzu wurden zunächst die wandseitigen Posten auf Länge gekürzt und in die vorhandenen Bodenanker gesteckt. Im Anschluss konnten wir die Bohrpunkte für die Wandhalter anzeichnen und mit dem Bohrhammer entsprechend in die Grenzwand bohren. Da es sich um eine alte Klinkerwand handelt, mussten wir die zugehörigen Dübel mit Montagemörtel einsetzen, bevor Wandhalter, Wand, Pfosten und Bodenanker miteinander verschraubt werden konnten.

Die vorderen Pfosten wurden im Anschluss ebenfalls in den Bodenankern verschraubt. Nachfolgend konnten wir die Maße für die Querbalken per Laser abnehmen und Millimetergenau zusägen. Zur kraftschlüssigen Verbindung kamen Winkelverbinder mit Steg (stabiler als normale Winkel) und Tellerkopfschrauben zum Einsatz. Zusätzlich wurden jeweils quer zueinander zwei lange Holzschrauben in die Balken geschraubt und das Ganze somit zusätzliche verspannt. Um leichter weiterarbeiten zu können, wurde in der ersten Ebene dann bereits der Boden in 28 x 145 mm eingebracht.

Bereits nach dem ersten Podest wurde die Stabilität des Grundgerüsts deutlich. Es wackelte nichts, hier kann auch eine Kompanie Kinder gleichzeitig spielen und sich die Eltern zudem noch außen dran hängen. 

Nach dem ersten Podest wurde direkt die zweite Ebene eingezogen, aus den Balkenresten eine Absturzsicherung realisiert und die Sparren für das Satteldach hinzugefügt. Damit war das Grundgerüst fertig und es konnte mit der Verkleidung begonnen werden.

Leitern, Fenster und Türen:

Im Anschluss haben wir allerdings zunächst die zwei Leitern des Piratenstrandhauses aus den gelb lackierten Latten zugeschnitten und miteinander verschraubt. Dann die die Türenöffnungen zugeschnitten und miteinander verschraubt. Aus den noch vorhandenen Reststücken der Latten entstanden im Anschluss die Fensteröffnungen.

Genaue Planungen für die Türausschnitte und Fenster haben wir im Vorfeld nicht gemacht, sondern hier einfach die vorhandenen Längen und Reste verarbeitet und uns vom Moment inspirieren lassen. Die Bauteile haben wir dann provisorisch in den gewollten Positionen am Grundgerüst des Spielhauses befestigt. Das sah ein wenig witzig aus, denn hierfür hielten sämtliche vorhandenen Reste her. Dummerweise haben wir leider kein Foto davon gemacht.

Fassade:

Nachdem Form und Position der Tür- und Fensterelemente festgelegt waren, haben wir uns an die Fassade gemacht. Diese Arbeit führt man am besten zu zweit aus, dann kommt man recht schnell voran. Einer auf dem Spielhaus und einer an der Säge. Die fein profilierten Bretter wurden angehalten, die Schrägen angezeichnet und dann auf der Kapp und Gehrungssäge zugeschnitten. Ein wenig tricky wurde es bei den Fensterelementen. Hier ist es hilfreich, diese parallel zu den anderen Fassadenbretter auszurichten, mit einer Schraube provisorisch zu befestigen und erst dann alle Fluchten entsprechend anzuzeichnen. Dann kann man auch diese recht schnell zusägen, ansetzen und verschrauben. Zum Verschrauben wurden im Übrigen Dielenschrauben von Spax verwendet. Mit dem Schraubentyp hatten wir schon sehr gute Erfahrungen beim Verlegen unseren Eichendielen gesammelt. Die Schrauben sind etwas teurer, aber der Mehrwert ist unbezahlbar, da man sich das Vorbohren in den Hölzern komplett sparen kann.

Dach:

Nachdem Fassaden sowie Tür- und Fensterelemente fertig montiert waren, konnte das Dach in Angriff genommen werden. Hierzu verwendeten wir für die Dachfläche noch vorhandene OSB Platten. Auch diese haben wir noch mit den Resten von vorhandener Holzschutzfarbe gestrichen. Die Platten wurden auf den Sparren verschraubt und bilden so das Satteldach. Auf die OSB Platten verklebten wir noch vorhandene selbstklebende Bitumenbahnen, welche zusätzliche mit Bitumen-Dichtmasse an der Wand verklebt wurde. So kann wandseitig kein Wasser in das Spielhaus eindringen. Ebenso ist das Dach mit seinen Giebeln so konzipiert, dass Wasser komplett zur Rasenfläche abfließen kann. Ursprünglich hatten wir geplant, das Dach mit Holzschindeln zu decken. Das haben wir dann allerdings aus Kostengründen und Bezugsproblemen verworfen. Stattdessen haben wir uns für rote Rechteckschindeln aus Bitumen entschieden. Diese sind mit Bitumen-Dichtmasse auf der selbstklebenden Bitumenbahn befestigt worden. Zusätzlich haben wir die Schindeln an schwierigen Stellen und zur Fixierung (es war heiß und die Schindeln wären trotz Kleber wieder vom Dach gerutscht) getackert.

Letzte Kleinigkeiten und Innenausbau:

Nach Montage des Daches war das Spielhaus nahezu fertig. Als letzte Arbeiten wurden noch die beiden Leitern fest montiert, die Rutsche endgültig angeschraubt und die roten Griffe montiert. Als Abschluss bekam das Piratenspielhaus dann noch drei rote Blumenkästen, die aus alten und gebrauchten sägerauen Schalbretten gebaut wurden. So mussten diese nicht entsorgt werden. Kurz mit dem Hobel drüber und die Bretter sahen wieder richtig gut aus. Komplettiert wurde das Spielhaus durch einen Innenausbau. Eine knallrote Küche wurde in die untere Ebene eingebaut sowie ein knallgelbes und voll funktionstüchtiges Waschbecken (ebenfalls alles aus Holz, alte Schalbretter). An der Fassade wurde zudem noch eine Außendusche angebaut, die bei heißem Wetter Abkühlung verspricht.

Fazit:

Wir finden, das Kinderspielhaus ist recht gut gelungen. Und vor allem, es ist extrem stabil. Das rührt nicht nur von den Wandankern, sondern das ganze Spielhaus ist insgesamt sehr massiv konstruiert. So haben wir 9er Pfosten und Balken verwendet, die Spielhäuser im Baumarkt basieren in der Regel nur auf 7er. Die schrägen Anbauten bedeuten zwar einen erhöhten Planung- und Realisierungsaufwand, erhöhen aber die Sicherheit der Kinder bei der Nutzung immens. So wird die Gefahr minimiert, dass die Kinder bei der Nutzung zwischen Wand und Spielgerät fallen und sich verletzen. Die Rutsche ist von der Wand weggeführt und falls die Kinder fallen, so auf die Rasenfläche. Ein weiterer Vorteil der schrägen Elemente: das „Piratenstrandhaus“ fügt sich tatsächlich harmonisch in das Gesamtbild des Gartens ein. Wirkt durch die Schrägen und Giebel deutlich weniger wuchtig und groß, als es tatsächlich ist.

Unsere Kinder lieben das Haus und nutzen es intensiv. Sowohl den Sandkasten (oder liebevoll Gartenstrand genannt) als auch den Innenausbau. Die Wände im Inneren sind inzwischen mit Malkreiden verschönert worden, was das Ganze nochmal gemütlicher macht. Die Rutsche ist im Sommer auch schon zur Wasserrutsche geworden und hat viel Spaß in unseren kleinen Garten gebracht. Von unserer leicht erhöhten Terrasse können wir das Treiben der Kinder sehr gut verfolgen und selber recht gut ausspannen.

Abschließend bleibt die Kosten-/Nutzenfrage: Das Spielhaus hat in etwa 600 Euro an Material (Holz, Farben, …) gekostet. Es fielen bei uns allerdings keinerlei Kosten für Werkzeug an. Der Nutzungseffekt ist bombastisch. Am Wochenende müssen wir bei gutem Wetter nicht immer zum Spielplatz aufbrechen, sondern können die Kinder einfach im Garten spielen lassen. Spielplatz gibt es natürlich noch regelmäßig zusätzlich, denn für Schaukel und Klettergerüst reicht der Platz bei uns dann doch nicht. Preislich sind 600 Euro dennoch eine ziemliche Größe. Allerdings kommt man im Baumarkt und im Internet nicht günstiger weg, wenn es auch nur in Ansätzen vernünftig sein soll. Eher muss man mehr investieren.

Unser Garten ist 14 Meter lang und 6 Meter breit, hier steht nun das Spielhaus mit einer Länge von 2,4 Meter über alles und einer Tiefe von 1,1 Metern. Das Spielhaus ist bis in den Giebel 5,35 Meter hoch. Im Sandkasten mit den Maßen 1,2 x 1,2 Metern herrscht eine Kopffreiheit von 1,55 Metern. Auf der ersten Spielebene von 1,60 Metern und in der zweiten Ebene eine Höhe von knapp 2 Metern bis in die Giebelspitze. Für einen solch  kleinen Garten haben wir es geschafft, das maximal mögliche heraus zu holen.

Zudem hat die Planung viel Spaß gemacht und der Aufbau auch. Es ist allerdings kein Projekt für eine Person. Der Aufbau erfordert bei nahezu allen Arbeiten eine helfende und handwerklich begabte Hand. Es bleibt zudem das gute Gefühl, etwas mit eigenen Händen und für die eigenen Kinder geschaffen zu haben. Zudem haben wir ein Stückchen Individualität in den Garten gestellt, was sich weit jenseits gekaufter Spielhäuser bewegt. 

Nachhaltigkeit:

Nach unserem Empfinden ist das selbstgebaute Kinderspielhaus nachhaltiger als so manch gekauftes Spielhaus. Wir haben es so gebaut, dass es den Kindern lange Spaß macht und auch in einigen Jahren noch als Rückzugsort dienen kann. Die Raumhöhen der einzelnen Ebenen sind so großzügig, dass selbst Erwachsene keinerlei Probleme haben, sich in dem Spielhaus zu bewegen.  Die meisten Kinderspielhäuser sind nach wenigen Jahren für den Nachwuchs nahezu nicht mehr nutzbar oder interessant. Man erhält beim Selbstbau eine deutlich längere Nutzungszeit! Unser Spielhaus ist zudem so flexibel aufgebaut, dass man je nach Alter der Kinder den Grundriss oder die Nutzungsart ändern kann. So wäre an der Seite der Rutsche auch ein Balkon denkbar. Man könnte Türen ergänzen und so einen Rückzugsort für heranwachsende Kinder schaffen.

Für das gute Gewissen empfehlen wir Eltern beim Kauf des Holzes auf die FSC KlassifizierungPEFC-Siegel  oder Naturland zu achten. So weiß man, dass das Holz aus verantwortungsvoll und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Bevorzugt wählt man noch Holz aus deutschen Wäldern, dann muss es nicht durch die halbe Welt transportiert werden.

Bei den Lacken sollte man darauf achten, dass man bevorzugt lösungsmittelfreie Lacke auf Wasserbasis verwendet. Am besten auch welche, die zudem auch für Kinder bzw. Kinderspielzeug (DIN EN 71-3 – Speichel- und Schweißecht) geeignet sind. Wir haben nur Lacke verwendet, die der DIN EN entsprachen. Ein guter Ansatzpunkt ist hier zudem auch der blaue Engel oder Natureplus Siegel.

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