Kommen wir zum zweiten Teil. Im ersten Teil habe ich euch die Unternehmensphilosophie von FOND OF BAGS und ergobag im Besonderen näher gebracht und versucht, eine sehr informative Unterhaltung mit Micha über Nachhaltigkeit, Recycling, Produktion und unternehmerische Verantwortung von Unternehmen und insbesondere FOND OF BAGS und ergobag in Worte zu fassen. Ihr könnt das hier nachlesen.

Da wir nun schon in den wirklich beeindruckenden Geschäftsräumen von ergobag waren (einem ehemaligen Werksgebäude von 4711 Kölnisch Wasser, unter dem Dach mit tollen Lichtkuppeln, ein Foto davon findet ihr hier bei Facebook) hat uns Linda auch die aktuelle Kollektion gezeigt und uns die Unterschiede des ergobag pack zum ergobag cubo erklärt. Die Unterschiede will ich euch nachstehend gleich aufzeigen. Ich gehe davon aus, dass das für den einen oder anderen sicherlich genauso interessant sein dürfte, wie es für uns war. Zuvor aber noch die Gründe, warum für uns bereits fest stand, dass es bei unserem Sohn ein ergobag Schulranzen werden würde.

Marktcheck und Unterschiede zu anderen Herstellern:

Wir waren im Januar schon mal Schulranzen schauen und unser Sohn hatte sich innerhalb von 20 Sekunden in ein Modell verliebt: einen ergobag Bär2-D2! Bauchentscheidungen sind in der Regel die besten Entscheidungen und wir können mit der Wahl unseres Sohnes sehr gut leben. Bei diesem spontanen Marktcheck haben wir uns dennoch auch diverse andere Ranzen und Hersteller angeschaut, doch mit keinem Design und Aufmachung konnten wir als Eltern warm werden.

Unser Sohn im Übrigen auch nicht, dem keines der gezeigten Motive auf den anderen Ranzen zusagte. Sicherlich sind auch die anderen Hersteller nicht schlecht, was Handhabung, Ergonomie und Langlebigkeit anbelangt, uns als Eltern waren allerdings nahezu alle Modelle zu bunt oder schlichtweg zu kitschig. Anzumerken bleibt, dass mit zu bunt nicht die fluoreszierenden Flächen gemeint sind, sondern die Motive und Farbabstimmung. Blinkende und leuchtende Motive empfanden wir zudem als absolutes No-Go.

Viele Motive auf Schulranzen anderer Hersteller waren uns einfach viel zu kindisch dargestellt. Was heute der Fußball ist, ist morgen das Raumschiff. Von komischen Monstern, Lilifees, Cars Rennautos, Polizeiautos, Prinzessinnen, Piratenschiffen und ähnlichem mal gar nicht zu reden. Selbst unserem Vorschulkind waren diese Motive bereits zu kleinkindisch (O-Ton: das ist doch für kleine Kinder) ausgeführt. Der Schulranzen soll allerdings ein paar Jahre genutzt werden und die Vorlieben der Kinder ändern sich entsprechend.

Die Bilder bzw. Motive waren uns somit in vielerlei Hinsicht einfach zu kurzlebig, auch wenn das eventuell nur eine rein subjektive Wahrnehmung von uns Eltern ist. Allerdings haben wir sehr genau im Hinterkopf, wie schnell unser Sohn in der Vergangenheit sein Herz an ein neues Stofftier verschenkt hat, oder wie schnell sich die Lieblings-App aktuell auf dem Tablet ändert. Geschmäcker wechseln bei Kindern schnell und regelmäßig.

Hier kann ergobag ganz klar mit all seinen Schulranzen punkten. Das Grunddesign der Ranzen ist meist recht schlicht aber gut aufeinander abgestimmt und lässt sich durch die Kletties individuell anpassen, somit schnell ändern und immer wieder den gerade aktuellen individuellen Vorlieben der Kids anpassen. So kann man Gejammer über den „blöden Schulranzen“ direkt aus dem Weg gehen und im Zweifel einfach eben die Motive wechseln. Finden wir prima und weitsichtig!

Unabhängig davon befand unser Sohn, dass sich der ergobag auch am besten tragen lässt und auch wir sowie der Fachberater hatten den Eindruck, dass der ergobag schlichtweg am besten zu unserem recht zierlichen, aber großen Vorschulkind passte. Aber das ist ebenfalls subjektiv und kann je nach Kind durchaus anders sein.

Der Besuch bei FOND OF BAGS bzw. ergobag:

Bei ergobag nahm uns Linda sehr freundlich in Empfang und zeigte uns die aktuelle Kollektion die sich wirklich sehen lassen kann. Unser Sohn schaute sich noch ein wenig um, seine Meinung blieb aber bestehen, dass es der ergobag Bär2-D2 werden sollte, den er schon einige Wochen zuvor in sein Herz geschlossen hatte. Es war also nur noch zu klären, ob der pack oder der cubo. Hier kam Linda erneut ins Spiel, die uns beide Varianten genauer vorstellte.

Unser Sohn nimmt alles ganz genau in Augenschein

Unterschiede pack vs. cubo

Die technischen Daten sind ähnlich, bei dem ergobag pack handelt es sich allerdings um einen Schulrucksack und beim cubo um einen Schulranzen. Beide Modelle wiegen leer um die 1100g und die verwendeten Textilien sind zu 100% aus recycelten PET-Flaschen gefertigt. Der Pack verfügt über ein Füllvermögen von ca. 20 Litern, der cubo ist geringfügig kleiner und kommt auf ca. 19 Liter.

Bei ergobag gibt es beide Ausführungen (pack und cubo) immer nur als Set, d.h. mit Sporttasche,  Schlamperrolle und Federmäppchen. Bei der Stripes Edition erhält man als Kunde zudem noch einen passenden Brustbeutel dazu, der aber eben nicht bei allen Modellen beiliegt.

Unterschiede beim Lieferumfang:

Beim pack erhält das Schulkind als Sporttasche einen Sportrucksack, der sich mittig hinten auf dem Pack befestigen lässt. Dadurch, dass sich der Sportrucksack auf dem Rücken festschnallen lässt, wird eine einseitige Belastung vermieden und das Kind hat auf dem Schulweg beide Hände frei. Praktisch, wenn das Kind bspw. mit dem Roller zur Schule düst. Wie das beim pack aussieht, könnt ihr ganz oben im Eingangsbild sehen. Zudem lässt sich der kleine Sportrucksack auch außerhalb von Schule und Sport gut nutzen.

Beim ergobag pack ist im Lieferumfang noch eine Heftebox enthalten. Diese entfällt beim ergobag cubo, weil die Seiten stabiler sind.

ergobag pack – Set, Brustbeutel fehlt auf dem Bild

Beim cubo erhält der Kunde stattdessen einen Sportbeutel. Auch dieser lässt sich ebenfalls mittig hinten am Ranzen befestigen und muss somit ebenso auf dem Weg in die Schule nicht in der Hand  getragen werden. Die Nutzbarkeit in der Freizeit ist allerdings etwas eingeschränkter.

ergobag cubo – Set, Brustbeutel fehlt auf dem Bild

Die äußerlichen Unterschiede:

Der pack ist ein Schulrucksack, der dem Trekkingrucksack nachempfunden wurde. Entsprechend flexibel und weich ist er in seiner Form. Beim cubo dagegen handelt es sich um einen klassischen, stabilen und robusten Ranzen im Hochformat.

Von Vorne: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack

Wie auf dem vorstehenden Bild erkennbar, unterscheiden sich beim aktuellen Modelljahr die Verschlüsse. Beim pack erhält man einen magnetischen Verschluss, der quer zueinander verschoben wird. Unser Sohn war von diesem Verschlusssystem fasziniert. Beim cubo handelt es sich dagegen um eine Lasche zum Ziehen, wodurch der Ranzen dann entriegelt wird.

Von Hinten: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack

Wie beim pack liegt auch beim cubo das Gewicht mittig auf dem Rücken des Kindes und der Rücken wird nicht einseitig belastet. Bei beiden Modellen gilt das Prinzip der optimalen Lastverteilung und beide Modelle wachsen mit dem Kind. ergobag hat hier das Ergonomiekonzept innovativer Trekking-Rucksäcke übernommen, welches sich im Wandersport bewährt hat. Zwischenzeitlich wurde ergobag dies zudem vom IGR e.V (Interessengemeinschaft der Rückenschullehrer/Innen) mit dem Gütesiegel “Ergonomisches Produkt“ bestätigt.

Wer beim vorstehenden Bild genau hinschaut, kann das anpassbare Rückensystem erkennen. Der Kunde erhält das Rückensystem mit einer deutlichen Einteilung (Kindergröße in cm), so dass man das jeweilige Modell schnell und einfach auf die Größe des jeweiligen Kindes einstellen kann und das ist tatsächlich kinderleicht. Einstellbar sind pack und cubo jeweils von 1 m bis 1,50 m Körpergröße.

Wie oben auf dem Bild zu erkennen, haben beide Modelle zudem einen Haken, mit dem das Kind den Rucksack bzw. den Ranzen auch aufhängen kann.

Von der Seite: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack

Wie oben schon erwähnt, ist der cubo um etwa einen Liter Volumen kleiner als der pack. Im Alltag dürfte sich das aufgrund der Form aber nicht sonderlich bemerkbar machen. Der pack hat eine Größe von 25 x 22 x 35 (B/T/H) und der cubo von 25 x 20 x 40 (B/T/H). Durch die 5cm mehr an Höhe wirkt der cubo auf dem Rücken des Kindes allerdings etwas wuchtiger als der pack.

Auf dem Rücken: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack

Der pack hat gegenüber dem cubo zudem noch zwei weitere Goodies. So verfügt der pack vorne über eine große Lasche, durch die das Kind seine Jacke ziehen kann. Ist es im Frühjahr morgens kühl, kann das Kind seine Jacke anziehen, für den Nachhauseweg dagegen durch die Lasche ziehen und so auf dem Rücken transportieren. Auch hier gilt wieder wie bei den Sporttaschen (Sportrucksack bzw. Sportbeutel), das Kind hat beide Hände frei, was die Sicherheit im Straßenverkehr enorm erhöht.

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ergobag pack: Die Lasche für die Jacke

Der Schulrucksack pack hat gegenüber dem cubo und anderen Ranzen auch einen Nachteil. Zieht das Kind den Kordelzug nicht zusammen, bevor es den Deckel des pack schließt, besteht die Gefahr, dass es bei schlechtem Wetter in den Rucksack hinein regnet. Hier ist der cubo ganz klar im Vorteil. Wirft das Kind beim cubo den Deckel zu, so ist der Ranzen ohne weiteren Handgriff verschlossen.

Die Deckel: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack – wenn die Kordel nicht benutzt wird, kann es reinregnen

Die inneren Werte:

Wie unterscheiden sich die beiden Modelle im Inneren? Zunächst einmal, der ergobag pack hat im Inneren noch einen weiteren Haken, so dass der pack auch im geöffneten Zustand bspw. an der Schulbank aufgehängt werden kann. Der Zugriff auf die Schulmaterialien ist in diesem Fall etwas leichter als beim cubo. Der cubo hat aufgrund seiner festen Ranzenform und dem unflexiblen Deckel diesen Haken nicht.

Blick ins Innere: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack

Beim pack wird von ergobag dagegen eine Heftbox mitgeliefert, damit Hefte aufgrund der flexiblen Außenhülle sicher verstaut werden können und keine Eselsohren bekommen. Diese Box benötigt der cubo aufgrund seiner steifen Ranzenform nicht.

Beide verfügen über eine Fronttasche, in dessen Fach zudem ein Feuchtefach für Trinkflaschen vorhanden ist. Es passt von der Größe her ganz genau für die von ergobag ebenfalls als Zubehör vertriebenen Trinkflaschen, es kann aber auch mit jeder anderen nicht zu großen Flasche genutzt werden.

Blick ins Innere: Links ergobag cubo- Rechts ergobag pack

Beide (pack und cubo) haben zudem noch einige Geheimfächer. Beide jeweils am Deckel und der pack zusätzlich noch an den Seiten. Geheimfächer sind spannend und unser Sohn war von diesen schwer begeistert. Also Pssst, nicht verraten. ;-)

Die Sicherheit:

ergobag erfüllt mit beiden Modellen nicht die 1986 in Zusammenarbeit mit der Firma Scout entstandene DIN 58124 für Gebrauchs- und Verkehrssicherheit sowie der Gestaltung hinsichtlich der körperlichen Anforderungen eines Kindes. Wir als Eltern finden dies auch nicht tragisch, denn ergobag geht in vielen Punkten einen anderen Weg. Dies beginnt beim ergonomischen Konzept und macht auch bei der Sicherheit nicht halt. Wenn Lars (der sich im Studium unter anderen mit Sachverständigenwesen und Unfallrekonstruktion auseinander gesetzt hat) hier keine Probleme sieht, dann auch ich nicht.

ergobag pack – Mit orangem Sicherheitsset (Seite & Vorne)

Bei der DIN handelt es sich zudem um eine vor 30 Jahren definierten Norm, die seitdem nicht großartig überarbeitet wurde. Die letzten Anpassungen fanden im Jahr 2010 statt und bezogen sich auf das Maximalgewicht bei Ranzen. Alleine die Leistungsfähigkeit von fluoreszierenden Materialien hat sich seit 1986 stark erhöht, es gibt auch deutlich mehr Farben als gelb und orange. Eine Anpassung ist aber bisher weder bei den Farben noch bei den Flächen erfolgt. DINs und Normen sind wichtig, aber hier wäre sicherlich auch mal wieder eine größere Anpassung notwendig.

Es bedeutet also nicht, dass ergobag an der Sicherheit spart. Sowohl pack wie auch cubo sind mit hochwertigen Reflektormaterialien ausgestattet, die bereits bei einem Anstrahlwinkel von 5 Grad reflektieren. Mit dem von uns dazu gekauften Sicherheitsset verbessert man die Sichtbarkeit und die Sicherheit zudem nochmal ungemein und damit erfüllt auch der ergobag die Anforderung an die DIN.

Für alle die wissen wollen, wie gut ein ergobag in der Dunkelheit zu sehen ist, habe ich daher einmal ein paar Bilder gemacht. Das nachstehende Bild ist mit dem neuen ergobag pack unseres Sohne entstanden. Abgedunkelter Raum, kein Blitz. Der ergobag wurde mit einer kleinen Schlüsselbund-Taschenlampe angestrahlt. 

ergobag pack – Sichtbarkeit bei Dunkelheit (mit Sicherheitsset Orange)

Der Unterschied zu anderen Herstellern ist bei ergobag aber, dass Eltern selber entscheiden können, wieviel Signalfarben sie am Ranzen ihres Kindes wollen. Zwischenzeitlich weichen diverse Hersteller bei ihren Ranzen von der DIN ab (selbst Scout!!!). Bei ergobag hat man im Gegensatz zu anderen Herstellern aber immer die Option, die fluoreszierenden Flächen jederzeit anzipppen zu können.  Dies geht eben auch nachträglich, wenn man dies will und ohne im Zweifel einen neuen Ranzen kaufen zu müssen. Ein anderer Weg, den ergobag hier geht, aber wie wir finden, kein schlechterer. Hinzu kommt, nicht jede Familie benötigt unbedingt sämtliche reflektierenden und fluorisierenden Flächen. Viele Kinder steigen vor der Haustüre in den Bus oder den familieneigenen PKW und werden bis zur Schule gebracht und später wieder abgeholt.

Und der Sieger ist:

Beide Modelle sind toll und stehen sich in nichts nach. Wir haben uns für den pack entschieden. Er wirkte auf dem Rücken unseres Kindes ein wenig weniger wuchtig und uns gefiel zudem der zusätzliche Sportrucksack, der sich auch im Alltag und für außerschulische Aktivitäten nutzen lässt. Darüber hinaus hat der Schulrucksack eben die zusätzlichen Gimmicks, wie die Lasche für die Jacke. Dass unser Sohn die Kordel nutzen muss, hat er bereits beim Ausprobieren verinnerlicht, von daher sehen wir dies nicht als Nachteil. Darüber hinaus war der pack auch die erste Wahl unseres Sohnes, dem der Schulrucksack schlichtweg besser gefiel. So war die Entscheidung für uns dann leicht.

Der Sieger bei uns: ergobag pack

Fazit:

Schulkind müsste man heute sein, wenn ich an meinen viereckigen, steifen, quadratisch, praktischen Ranzen denke, der da so auf meinem Rücken hin und her pendelte und nicht sonderlich bequem war, so haben es unsere Kinder heute deutlich besser.

Wer sich für ergobag entscheidet, hat die Wahl zwischen Schulrucksack und Schulranzen. Die Entscheidung ist abhängig von den persönlichen Vorlieben des Einzelnen. Beides sind tolle Produkte, die Unterschiede habe ich für euch versucht aufzuzeigen.

Zudem ist ergobag der einzige Hersteller, der sein Interesse an Nachhaltigkeit, Schadstofffreiheit, fairen Arbeitsbedingungen und entsprechender unternehmerischer Verantwortung klar kommuniziert. Wie im anderen Beitrag über Nachhaltigkeit aufgezeigt, kann der Kunde sehr viel über das gekaufte Produkt, die Produktionsorte und Wege erfahren – sofern er ein Interesse daran hat. Kein anderer Hersteller bietet das seinen Kunden. Hierfür wurde FOND OF BAGS / ergobag im letzten November auch mit dem Nachhaltigkeitspreis 2016 ausgezeichnet. Für uns war das eine zusätzliche starke Kaufmotivation.

Ausblick:

Dieser Artikel war ein Einstieg in das Thema „Nachhaltigkeit und Schulanfang“, weitere werden folgen. Was braucht ein Kind zum Schulanfang und wie nachhaltig und ökologisch sind diese Produkte?

*gesponsert: Der Schulrucksack wurde von uns selber gekauft und bezahlt. ergobag hat uns allerdings einen kleinen Rabatt eingeräumt. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Meinung oder Berichterstattung.


Nachtrag: Meine Anmerkung zum Ranzentest von Öko-Test:

Mein Beitrag hat sich mit der Veröffentlichung des Schulranzentests in der Zeitschrift Öko-Test, Ausgabe April überschnitten. Der vorstehende Beitrag war bereits fertig geschrieben und spiegelt nach wie vor meine Meinung wieder. Ich ärgere mich auch nicht darüber, dass der ergobag cubo nur mit „mangelhaft“ bzw. mit Sicherheitsset mit „ausreichend“ bewertet wurde, sondern über die Kriterien, die Öko-Test bei diesem Test zugrunde gelegt hat. Es drängt sich mir persönlich ein wenig der Verdacht auf, dass ein bestimmtes Ergebnis erzielt werden sollte. Ich bin mit einigen Punkten nicht einverstanden und bewerte den Test für mich selber daher auch völlig anders. Ich habe darüber bereits hier im Beitrag zu der aktuellen Öko-Test berichtet. Hier nun noch etwas ausführlicher:

  1. Bezüglich der Preisangaben wurden Äpfel mit Birnen verglichen, da der Produktumfang der getesteten Ranzen völlig unterschiedlich war. Darauf ausschließlich in der Fußnote hinzuweisen, ist meiner Meinung nach nicht ausreichend. So wird der Preis von ergobag als Set mit 219 Euro angegeben und der Preis vom Testsieger Scout bspw. mit 165 Euro. Es wird aber nur in der Fußnote erwähnt, dass es sich bei Scout (und einigen anderen Herstellern) ausschließlich um den Ranzen handelt und nicht um ein Set. Ich finde das nicht ausreichend, da viele Leser nur schnell Preis und Testergebnisse vergleichen, sich so beeinflussen lassen und so eventuell sachlich inkorrekte (Kauf)Entscheidungen treffen. Kaum einer liest das Kleingedruckte.
  2. Der Fokus von Öko-Test liegt für mich zu sehr auf der Signalwirkung und zu wenig auf den Inhaltsstoffen. Es ist unglaublich, dass Schulranzen mit dem Testergebnis Inhaltsstoffe „ungenügend“ bzw. „mangelhaft“ die Platzierung „zwei“ und „drei“ mit einer Gesamtnote „befriedigend“ erhalten. In diesem Punkt fehlen mir tatsächlich die Worte. Für mich ist das ein bedenkliches Ergebnis.
  3. Ergonomische Gesichtspunkte wurden völlig außer Acht gelassen. Wir hatten bei unserem Marktcheck den Eindruck, das sich der ergobag am besten und leichtesten einstellen ließ. Die Handhabung hat sich uns als Eltern schnell erschlossen und war einfach durchführbar. Beim Scout und anderen Herstellern brauchten wir dagegen die Erklärung und Unterstützung des Fachberaters. Zwischenzeitlich ist unser ergobag per Post eingetroffen und unser Sohn hat den Schulrucksack nochmals anprobiert. Die Einstellung war im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht.
  4. Mich stört zudem, dass das Wort ÖKO in Öko-Test nicht mehr wirklich eine Bedeutung hat. So wünsche ich mir schon länger, dass Öko-Test auch die Produktionsbedingungen und die Nachhaltigkeit von Firmen näher betrachtet. Noch in der Januar-Ausgabe war  es Öko-Test beim Test von Kinderjeans wichtig, wie die sozialen Bedingungen in den Produktionsbetrieben aussehen. Bei Schulranzen ist das scheinbar nicht mehr wichtig. So wird z.B. mit keiner Silbe erwähnt, dass nur einer der Schulranzen-Hersteller, eben ergobag, Mitglied der Fair Wear Foundation und Bluesign Systempartner ist und sich somit für faire Produktion einsetzt und schadstoffarme sowie recycelte Materialien verwendet. Und das, obwohl einige Seiten später Öko-Test noch groß über genau die beiden Organisationen im Zusammenhang mit Outdoorkleidung schreibt. 
  5. Falsch finde ich ebenso, dass Öko-Test ergobag abstraft und nachträglich nur mit einem „ausreichend“ benotet, weil der Hersteller bezüglich der fluoreszierenden Flächen einen anderen Weg geht, als andere Hersteller. Dazu habe ich mich zufällig oben schon näher geäußert. Natürlich ist mir Sicherheit ähnlich wichtig wie Öko-Test und diese empfinde ich beim pack und cubo als gegeben. Als grenzwertig empfinde ich aber, wenn der Testsieger in der gleichen Modellreihe mit mehreren Designs ebenfalls gegen die zugrunde gelegte DIN verstößt und dies nicht einmal erwähnt wird. Ebenso verkauft ergobag innerhalb der Produktlinie bspw. die Edition NEO, die schon ohne das Sicherheitsset sehr viele fluoreszierende Flächen aufweist. Auch der von uns gewählte Bär2-D2 hat bereits eine sehr gute Signalwirkung. Es wurde also nicht eine Produktlinie bewertet, sondern ausschließlich ein einziges Modell aus dieser. Ich persönlich empfinde dies als irreführend. 
  6. Wenn von Öko-Test zudem Sicherheit so übermäßig in den Vordergrund gestellt wird, so bleibt ein wichtiger Punkt völlig unberücksichtigt: dass sich beim ergobag die Sportsachen hinten auf den Ranzen schnallen lassen und das Kind somit die Hände frei hat. Nicht zu unterschätzen, wenn das Kind mit Roller oder Rad zur Schule fährt. Beim Testsieger Scout (und auch anderen Herstellern) erhält der Kunde im Set eine Sporttasche. Diese ist an der Hand zu tragen bzw. kann maximal umgehängt und an der Seite getragen werden. Selbst wenn man die schlechtere Ergonomie durch seitliche Gewichtsverlagerung unberücksichtigt lässt: Wenn man von Sicherheit im Straßenverkehr spricht, darf das eigentlich nicht außer acht gelassen werden und gehört erwähnt. Das wäre aber wohl nur möglich, wenn man vergleichbare Sets einkaufen und eine ganzheitliche Betrachtung durchführen würde. Da wären wir dann wieder bei Punkt 1.

Ich sah mich daher gezwungen, den Schulranzentest für mich völlig neu zu interpretieren bzw. zu bewerten und komme für mich persönlich zu einem völlig anderen Ergebnis. Ich kann jedem nur empfehlen, ganz genau zu schauen, zu vergleichen und auch das Kleingedruckte zu lesen. Erst dann kann man sich wirklich eine eigene Meinung dazu bilden.

ergobag hat zwischenzeitlich auch zu dem Test in der Öko-Test Stellung bezogen. Das könnt ihr bei Interesse hier nachlesen. 

 

5 KOMMENTARE

  1. Danke für die tolle Gegenüberstellung. Wir werden die Tage auch Ranzen schauen gehen und es soll auch ein Ergobag werden Nun habe ich schon mal ein paar Informationen mehr.

    Danke auch für deine persönliche Interpretation des Ökotest Schulranzentests. So genau hatte ich gar nicht hingeschaut und mich vom reinen Testergebnis doch etwas beeinflussen lassen. Ehrlich gesagt hatte der mich tatsächlich erschreckt und hätte mich in meiner bisherigen Kaufabsicht eventuell beeinflusst. Du schreibst aus meiner Sicht viel Wahres und hast das für dich analysiert. Ich werde das auch nochmal für mich selber nachlesen und bewerten. DANKE DANKE DANKE für den Input an dieser Stelle.

  2. Ich war von deinem Beitrag gestern schon geflasht. Danke für die Gegenüberstellung und auch für deine persönliche Interpretation des Schulanzentests. Ich denke wir werden wohl auch einen Pack kaufen, zumindest wenn unsere Tochter mitzieht. ;-)

  3. Ich bin mir nicht sicher ob ich deiner Auslegung des Tests folgen kann oder will. Bei Ökotest hat man sich sicherlich was dabei gedacht, bei der Festlegung der Kriterien. Wir werden aber trotzdem einen Cubo kaufen. Gefällt meinem Sohn einfach am besten. Die Schule ist direkt auf der anderen Straßenseite, daher ist das alles egal.

  4. Vielen Dank für diesen Artikel und vor allem für den Nachtrag bzgl. Öko-Test.
    Leider neigt man doch dazu sich von sowas irritieren zu lassen. So habe ich kurzzeitig an unserem bereits gekauften Pack gezweifelt. Was natürlich Quatsch ist. Er ist super

  5. Danke für diesen Beitrag. Der Testbericht hatte mich auch verunsichert. Über Google bin ich dann bei dir gelandet. Ich bin in vielen Punkten tatsächlich deiner Meinung.

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