Wir haben die Fair Friends, die Messe für nachhaltige Lebensstile, Fairen Handel und gesellschaftliche Verantwortung besucht. Unsere Eindrücke im nachstehenden Beitrag

Gestern um etwa 9:00 Uhr sind wir aus Köln in Richtung Dortmund gestartet, um dort die Messe Fair Friends zu besuchen. Die Messe ist in drei Themengebiete aufgeteilt und hat diese passend auf drei Hallen verteilt. Jede dieser Hallen behandelt ein anderes Themengebiet, die sich wie folgt aufteilen:

  • Fairer Handel
  • Nachhaltige Lebensstile
  • Gesellschaftliche Verantwortung

Bereits kurz nach Öffnung der Messe waren wir dort und sind einige Stunden durch die Hallen gelaufen. Dabei haben wir tolle Projekte entdeckt, interessante Menschen kennengelernt und das ein oder andere spannende Gespräch geführt.

Nachhaltige Lebensstile

Gestartet haben wir unseren Rundgang in der hintersten Halle, in der es um nachhaltige Lebensstile geht. Als erstes zogen Gläser, die mit verschiedensten Pflanzen und Wolle gefüllt waren, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Mit Hilfe der Sonne kann Wolle so mit rein pflanzlichen Farbstoffen gefärbt werden. Ich als Strickfan und Liebhaberin handgefärbter Wolle war natürlich sofort begeistert und habe die Solarfärbung auf meine To-Do-Liste für nächstes Jahr gesetzt. Das Projekt, das hinter dem ganzen steckt, ist auch sehr spannend: Sevengardens

Danach ging es weiter und unser nächster Stop war bei Palaterra. Da wir uns seit diesem Jahr ausgiebig mit dem Thema Urbangardening auseinander setzen, waren wir natürlich sehr gespannt, was dort angeboten wird. Palaterra hat die Zusammensetzung des fruchtbarsten Bodens der Welt (Terra Preta, auf deutsch: Schwarze Erde) identifiziert und diese auf moderne Herstellungsmethoden übertragen. Die Eigenschaften des Bodenaktivators werden sogar teilweise noch übertroffen.

Ein spannendes Produkt, auf das wir vielleicht bei unseren zukünftigen Hochbeeten zurückgreifen werden, um einen direkten Vergleich zwischen herkömmlichen Kompost + Boden und eben Palaterra ziehen zu können. 

Neben dieser torffreien Pflanzerde hat Palaterra noch organischen Universaldünger (sogar vegan!) im Angebot und eine Art Kompostsystem entwickelt, mit dem jeder sich zu Hause aus Küchenabfällen und Grünschnitt aus dem Garten seinen eigenen hochwertigen Kompost machen kann und das ganz ohne schlechte Gerüche.

Als nächstes zog der Stand von Cologne Cards unsere Aufmerksamkeit auf sich. Nicht unbedingt, weil wir passionierte Kartenschreiber wären, sondern vielmehr, da es ein Unternehmen aus Köln ist und die Karten einfach faszinierend waren. Wir konnten gar nicht glauben, was für tolle Figuren beim Aufklappen dieser Karten entstanden. Selbst der Kölner Dom ist in einer aufklappbaren Form vorhanden. Lars war natürlich am meisten von der Karte mit dem Bulli begeistert.

Ich denke, wenn wir mal wieder eine außergewöhnliche Grußkarte brauchen, werden wir sicher auf Cologne Cards zurück kommen.

Bei Plastic Planet gab es neben vielen Infowänden zur Problematik Plastik und wie man im Alltag Plastik vermeiden kann, auch eine Zusammenstellung plastikfreier Produkte. Ich war natürlich sehr gespannt, musste aber schnell feststellen, dass ich die meisten bereits aus unserem Unverpackt-Laden kannte. Besonders spannend fand ich aber die dort ausliegende Guppyfriend Washing Bag. Mit dieser kann man verhindern, dass beim Waschen von Kleidung aus Synthetikfasern Mikroplastik in die Kanalisation gespült wird.

Als nächstes bestaunten wir die wirklich schönen T-Shirts von Feinwasser. Die beiden sympathischen Jungs drucken selbstgestaltete Aquarelle auf hochwertige, faire T-Shirts. Besonders gut gefallen haben mir die süßen Kindershirts. Aber auch die Motive auf den T-Shirts für Erwachsene sind richtig toll.

Beim weiteren Rundgang erweckten Gläser mit Kakaobutter und Sheabutter meine Aufmerksamkeit. Da ich vor einigen Jahren mal selbst Naturkosmetik gerührt habe, war mir natürlich sofort klar, was ich da vor mir habe. Face-it, eine Akademie und Agentur für Make-up-Artists in Essen bietet in den nächsten Monaten Workshops an, in denen man lernen kann, sein Make-up selbst herzustellen und perfekt aufzutragen. Ich finde das echt spannend, allerdings ist mir Essen dafür dann doch etwas zu weit weg.

Faszinierend fand ich übrigens die tollen Rottöne, die dort mit reinen Pflanzenfarben erzeugt werden konnten. Diese werden aus Färberpflanzen extrahiert und ich war echt beeindruckt von der Farbtiefe. Da immer noch ein großer Anteil der Naturkosmetik-Lippenstifte nicht vegan ist, sollten einige Hersteller sich diese Pflanzenfarben unbedingt mal genauer anschauen.

Den nächsten Stand, den wir besuchten, fanden wir ganz besonders spannend und dort führten wir auch ein längeres Gespräch. Und zwar ging es dort um Einweggeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen von der Firma Pap Star. Wir waren regelrecht überwältigt, welche Fülle an nachhaltigen Lösungen diese Firma im Bereich Einweggeschirr geschaffen hat. Alle Produkte werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind zu 100% kompostierbar.

Besonders beeindruckt haben uns die Becher aus Bio-Kunststoff, die in keinster Weise von Bechern aus Plastik zu unterscheiden sind. Gleiche Optik, gleiche Haptik, aber aus Mais hergestellt und kompostierbar. Wenn man sieht, was da mittlerweile möglich ist, kann ich nur an sämtliche Hersteller appellieren, auch endlich verstärkt auf Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen zu setzen.

Danach führte unser Weg uns an verschiedenen Ständen vorbei, die sich dem Thema Upcycling widmeten und tolle Sachen aus alten Dingen zauberten. Dort fanden wir Lampen aus alten Kannen, Gürtel aus Fahrradreifen, Schmuck aus Briefmarken, Notizbücher aus Disketten und vieles mehr (z.B. bei Tanz auf Ruinen):

Als nächstes zogen die außergewöhnlichen Taschen und Schuhe von Xela unsere Aufmerksamkeit auf sich. Mit farbenfrohen Designs, die an die Kultur der Mayas angelehnt sind, werden diese Produkte von Hand in Guatemala gefertigt. Sie werden aus natürlichen Materialien wie Wildleder, Holz, Petate oder Baumwolle gefertigt und natürlich fair gehandelt.

Mir haben insbesondere die Taschen wirklich gut gefallen. Lars fand die Sneaker großartig, die aber leider nicht in seiner Größe angeboten werden. Offenbar hat in Guatemala niemand solche großen Füße ;-)

Sehr schön fanden wir auch die kleinen Sorgenpüppchen, von denen wir direkt zwei für unsere Kinder mitgenommen haben. Unser Sohn hat seines direkt unter sein Kopfkissen gelegt. Ein kleines Sorgenpüppchen ist im Übrigen bei jedem sonstigen erworbenen Produkt dabei.

Während Lars ein kleines Craftbier verkostete, ging ich schon mal weiter zum Stand von Tinkacare. Da ich bereits seit einiger Zeit mit dem Gedanken spiele, mir eine Menstruationstasse zuzulegen, war ich natürlich sehr neugierig. Endlich mal eine in der Hand halten zu können und sich genauer damit auseinander zu setzen, fand ich sehr spannend.

Gut fand ich auch das Konzept, dass diese Tasse nur in Einheitsgröße, schlicht in weiß angeboten wird und komplett aus medizinischen Silikon besteht. Bei anderen Herstellern war ich mitunter etwas überfordert aufgrund der verschiedenen Größen, Farben etc. Da es auch noch einen Messerabatt gab, habe ich mich schließlich dazu entschlossen, eine Tinkacare Menstruationstasse mitzunehmen. Ich bin sehr gespannt darauf und werde euch natürlich mehr darüber berichten, wenn ich erste Erfahrungen damit gesammelt habe.

Lars zog es danach zum Stand gegenüber. Dort gab es Informationen zum Fair Trade Haus. Da wir selbst vor einigen Jahren einen Altbau saniert haben und auch da schon sehr auf nachhaltige Baustoffe (Holz zur Dämmung, Perlite, Kalkputze, …) geachtet haben, war das Thema nicht ganz neu für uns, aber trotzdem spannend. Wer in Kürze selber bauen will, sollte sich dieses Konzept unbedingt mal anschauen.

Danach führte unser Weg uns bei Corkando vorbei. Diese tollen Taschen aus Kork, die traumhaft weich und federleicht sind, fanden wir echt faszinierend. Dass man aus Kork solche tollen Sachen herstellen kann, hätten wir nie gedacht.

Unser nächster Zwischenstopp fand dann bei den italienischen Designern von ReBello statt. Fair produzierte Shirts mit tollen Prints zogen uns nahezu magisch an und ich konnte absolut nicht widerstehen und habe zwei Longsleeves für mich mitgenommen.

Gesellschaftliche Verantwortung

Damit war unser Rundgang in der Halle „Nachhaltige Lebensstile“ beendet und wir gingen nach nebenan in die Halle mit dem Thema „Gesellschaftliche Verantwortung“.

Dort zog auf Anhieb der Stand Kaffeeseife unsere Aufmerksamkeit auf sich. Bereits im Vorfeld hatte ich bereits etwas über dieses Projekt gelesen und finde Seife als plastikfreie Alternative zu Duschgel und Flüssigseife sowieso spannend. Dass diese Seife aufbereiteten Kaffeesatz enthält, palmölfrei ist und außerdem regional in der Lebenshilfe Wuppertal gefertigt wird, waren bei uns genug Anreiz, um ein tolles Stück dieser Seife mit nach Hause zu nehmen.

Dass Holzkohle für das sommerliche Grillereignis nicht sonderlich nachhaltig ist, wird den meisten wahrscheinlich schon bekannt sein. Um so spannender fanden wir es, als wir den Stand von Faire Kohle entdeckten. Diese Kohle wird aus Kokosnussschalen, also einem Abfallprodukt, gemacht und fair produziert. Wenn wir nicht bereits seit Jahren einen Gasgrill hätten, wäre sicher ebenfalls ein Beutel dieser Grillkohle in unserem Rucksack gelandet.

Als nächstes gab es etwas für den Gaumen, nämlich die köstlichen Dattelkugeln von Mimi’s Garden. Alle drei Sorten fanden wir sehr lecker und wir wären gern länger dort stehen geblieben, um die Probierschüsselchen leer zu essen. Aber leider mussten wir weiter, aber zur Erinnerung haben wir uns ein paar der köstlichen Dattelkugeln für zu Hause mitgenommen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der ÖDP und einem spannenden Gespräch darüber, wie stark die Schifffahrt die Luft in unseren Städten verpestet und trotzdem alle nur über Dieselfahrzeuge sprechen, kamen wir zum Stand der GLS Bank. Dort gab es neben Samentütchen mit Blumenmischungen für Bienen und witzigen Jutebeuteln natürlich auch Informationen zum nachhaltigen Banking. Interessant ist die Transparenz der Bank, die unter anderen nicht in Atomkraft, Rüstung, Kinderarbeit und ähnliche Dinge investiert. Ebenso gibt es nachhaltige Fonds, die eben nur in nachhaltige oder ökologische Firmen/Projekte investiert. Wer also nachhaltig Geld anlegen möchte, wird dort fündig.

Fairer Handel

Last but not least führte uns unser Weg wieder in die Halle „Fairer Handel“, auf dem Weg zum Ausgang. Nachhaltige Projekte aus aller Welt ergeben eine bunte Mischung, durch die wir uns einfach haben treiben lassen. Die Zeit wurde uns schon in wenig knapp, so das wir hier etwas schneller durch die Halle gelaufen sind. Hier ein paar ausgewählte Eindrücke:

Aranya aus Bangladesh färbt Fasern mit reinen Pflanzenfarben und ganz ohne Chemie. Aus den daraus gewebten Stoffen entstehen traditionelle Gewänder, aber auch tolle Tücher.

Demanico aus Mexiko betreibt Upcycling und macht aus alten Autoreifen Sitzmöbel. Die Autoreifen sind dabei komplett durch Seile oder Stoff verdeckt.

Auch Eco Shoes aus Ghana hat sich dem Upcycling verschrieben und verwendet für seine Schuhe und Taschen Stoffreste, Batikstoffe und Zitat: „alles, was sie sonst noch kriegen können“. Dabei kommen schön bunte Kreationen heraus.

Die Fundación Chol Chol aus Chile hat sich dem fairen Handel des traditionellen Kunsthandwerks der Mapuche verschrieben. Ich fand die handgestrickten Ponchos und Stulpen wirklich toll und musste mich echt zusammen reißen, um nicht ein paar Knäuel der tollen pflanzengefärbten Wolle mitzunehmen.

Bei Life Tree bekommt man faire Shirts mit Drucken aus Künstlerhand. Bei allen Motiven ist der Baum zentrales Element. Das gleiche gilt für die verwendeten Materialen.

H.H.S. Leather Goods (Handcrafted by Harl’s) fertigt Lederprodukte auf den Philippinen. Gefertigt werden die Produkte durch Menschen mit geringer Bildung oder beeinträchtigte bzw. behinderte Menschen. Die Produkte machten einen hochwertigen Eindruck, nur die Herkunft des Leders selber ist unklar. 

Pakilia verkauft nach Fair Trade Prinzipien hochwertigen Schmuck aus Sterlingsilber, der in Handarbeit durch unterschiedliche Silberschmiede in Mexiko gefertigt wird. Den Produkten liegt dabei immer ein Kärtchen mit Informationen zum jeweiligen Schmied bei.

Luna Viva fertigt Taschen aus Dosenverschlüssen und Recycling-Industriepapier. Daraus entstehen wirklich sehenswerte Stücke.

Natürlich gab es noch weit mehr zu  sehen, aber schaut doch einfach selbst, ab hier noch diverse Impressionen:

Nach mehreren Stunden auf dieser tollen Messe sind wir schließlich ziemlich erschöpft wieder nach Hause gefahren. Wir hatten tolle Produkte und inspirierende Erfahrungen im Gepäck und können allen, die in NRW wohnen, nur empfehlen, diese Messe auch einmal zu besuchen.

Auch wenn die Messe nicht so groß ist, reicht ein Tag fast nicht, wenn man sich intensiv mit den Thematiken auseinander setzen und das eine oder andere spannende und informative Gespräch führen will. Wir hoffen, wir konnten euch trotzdem einen Überblick verschaffen, denn es gibt noch deutlich mehr Aussteller und interessante Stände, die wir leider nicht alle besuchen konnten.

Am kommenden Wochenende gibt es auch noch jede Menge Workshops und die Delinale. Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall.

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