Vor einiger Zeit brauchte unser Sohn ein neues Bett, denn dem Gitter- und Kleinkindbettchen war er entwachsen und so sind wir ein wenig durch die Möbelhäuser getigert. Irgendwie konnten wir uns aber nirgendwo mit einem Bett anfreunden. Unser Sohn dagegen schloss wiederum nahezu jedes Bett in blau oder grün in sein Herz und verkündete überall: Das ist es! Zeitweise im 1-Minuten-Takt. Wir als Eltern waren aber mal wieder mit allen Exemplaren nicht so richtig glücklich. Entweder zu viel Plastik, einfach zu kitschig (Nein, Rennwagen, Feuerwehrautos oder Piratenfestungen haben im Kinderzimmer nichts zu suchen und passen bei uns auch nicht so richtig rein) oder waren einfach nur wahnsinnig teuer.

Vielleicht waren wir aber zu dem Zeitpunkt auch schlichtweg verwöhnt, denn das Kleinkinderzimmer, das nun unsere Tochter nutzt, stammte von Pinolino. Ein Hersteller, der Kindermöbel aus Massivholz herstellt und in vielen Punkten auch nachhaltig und ökologisch denkt. Das Kinderzimmer war ein toller Kauf, denn es lässt sich flexibel einsetzen. Aus der Wickelkommode wird eine normale kleine Kommode, aus dem Gitterbettchen ein erstes Kleinkinderbett. Erst mit etwa 4 Jahren benötigt man ein etwas größeres Bett für seine Kinder und das war nun der Fall.

Der Punkt war aber, wir brauchten nun einfach nur ein Bett und kein ganzes Kinderzimmer. Wir entschlossen uns daher, wieder einmal den Gebrauchtmarkt unter die Lupe zu nehmen und ggf. einfach ein Bettchen aufzuarbeiten. Was lag näher, als in dieser Frage mal wieder ein wenig ökologisch und nachhaltig zu denken, Ressourcen zu schonen und nicht das nächste Möbel einfach neu zu kaufen? Für uns immer wieder der richtige Weg zu einem neuen Möbel. Auf dem Gebrauchtmarkt wurden wir auch tatsächlich fündig:

Nahezu direkt entdeckten wir ein Massivholzkinderbett von IKEA, ein Leksvik. Schon einige Jahre und diverse Kinder auf dem Buckel, mit vielen Macken, Aufklebern und in keiner sonderlich ansprechenden rustikalen Farbe. Die Eigentümer wollten das Bett sogar verschenken, die Anzeige stand schon einige Zeit im Netz und wir waren verwundert, dass es noch zu haben war. Wir haben dann schnell zugegriffen.

Aufmöbeln:

Das Bettchen konnten wir in gerade einmal 3 Kilometer Entfernung abholen. Zerlegt kam es in unser Gartenhaus, die Anleitung ließ sich bei IKEA herunterladen. Das Bettchen war technisch absolut einwandfrei, optisch allerdings wirklich lädiert. Die Bilder geben das nicht im Ansatz wieder. War aber total egal, da wir ja Pläne mit dem Kinderbett hatten.

Benötigtes Material:

Um ein altes Möbel wieder aufzumöbeln bedarf es in der Tat nicht sonderlich viel. In unserem Fall ein altes Bett und:

  • Schleifpapier, 120er und 240er Körnung
  • Pinsel, Rollen, Farbschale
  • Frischhaltefolie
  • Lack
  • Ponal Duo 2k Spachtel & zwei Spachtel

Das Bettchen wurde komplett zerlegt (also wirklich komplett, bis auf die letzte Schraube) und zunächst von sämtlichen Aufklebern befreit. Die Klebstoffreste wurden mit Verdünnung entfernt. Mit dem 2k-Spachtel habe ich dann sämtliche Macken und Schäden einmal abgezogen und diese so kaschiert.

Im Anschluss wurden sämtliche zu lackierenden Bauteile komplett angeschliffen. Das kann man per Hand erledigen, ich habe für die großen Flächen eine Schleifmaschine verwendet. Sämtliche Schrägen und Verzierungen sollte man allerdings per Hand anschleifen, dafür ist eine Maschine schlicht zu grobmotorisch. Nach dem Schleifen und vor dem Lackieren sollte man sämtliche Bauteile dann noch einmal feucht abwischen und von Staub befreien.

Als Lack habe ich einen lösungsmittelfreien Lack auf Wasserbasis verwendet. Achtet darauf, dass dieser auch für Kinder bzw. Kinderspielzeug (DIN EN 71-3 – Speichel- und Schweißecht) geeignet ist. Wir verwenden grundsätzlich nur Lacke die dieser DIN EN entsprechen. Ein guter Ansatzpunkt ist zudem auch der blaue Engel oder das Natureplus Siegel. Ich empfehle zudem einen hochwertigen Lack, der eine deutlich längere Haltbarkeit und Stabilität aufweist, als bspw. viele günstige Baumarktlacke. Ich habe einen petrolfarbenen Capatint Capacryl Lack (hochwertiger kratz- und stoßfester Polyurethan-Acryllack) verwendet.

Mit diesem Lack haben wir sämtliche Bauteile des Bettes dreimal lackiert. So schimmert keinerlei Holz mehr durch, der Lack deckt zu 100 Prozent und erhält eine deutlich bessere Oberfläche. Zwischen jeder weiteren Lackschicht muss die Oberfläche kurz wieder angeschliffen (Zwischenschliff mit 240er Körnung) werden. Entstauben im Anschluss nicht vergessen. Hierzu einen kleinen Tipp: Um nicht für jeden Durchgang einen neuen Pinsel und eine neue Rolle verwenden zu müssen: nutzt Frischhaltefolie und packt euer Werkzeug darin ein.

Ergebnis:

Wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Das Bettchen ist nicht mehr wiederzuerkennen und mutet nun modern an. Das altbackene Erscheinungsbild ist Geschichte und das ehemals rustikale Design macht einen modernen Eindruck.

Zu dem Bett habe wir bei IKEA noch eine neue Matratze erworben und das Bett an Heiligabend im zweiten Kinderzimmer aufgebaut. Unser Sohn hat nichts mitbekommen und die Kinderaugen haben später so was von gestrahlt. Ein größeres Bett, das hatte er sich so gewünscht und nun auch noch eines in einem „Grün/Blau“ -Ton, da hätte der Weihnachtsmann alles richtig gemacht. Zeitgleich mit dem neuen Bett durfte er außerdem in das größere Kinderzimmer umziehen, was für Ihn das I-Tüpfelchen an der ganzen Geschichte war.

Kosten:

Überschaubar: Bett kostenlos, Lack 25 Euro, PU Spachtel 10 Euro, Schleifpapier 5 Euro, Pinsel, etc. etwa 10 Euro, Arbeitszeit: DIY. Gesamtkosten etwa 50  Euro.

Gebrauchtmöbel:

Gute und günstige Gebrauchtmöbel findet Ihr bei ebay, in den Kleinanzeigen, die den Gerbrauchwarenhäusern (bspw. aus Haushaltsauflösungen), Flohmarkthallen oder schlicht auf dem Trödelmarkt.

Nachhaltigkeit:

Es muss nicht immer alles neu und clean sein. Noch schlimmer: Neu und auf Alt getrimmt! Es wird sowieso schon viel zu viel weggeworfen, jeden Tag und einfach überall. Darunter sind häufig Sachen, bei denen es nicht einmal nötig wäre. Insbesondere bei vielen alten Holzmöbeln ist das mehr als schade, denn viele sind so massiv gebaut, dass diese mehreren Generationen dienen könnten. Im Vergleich zu heutigen Möbeln, wurden diese auch genau dafür gebaut und sollten nicht beim nächsten Umzug in drei Jahren den Weg alles Irdischen gehen!

Aufgemöbelte Gebrauchtmöbel sparen euch zum einen Geld, bringen Charakter in eure vier Wände und sind ökologisch schlichtweg nachhaltiger und schonen Ressourcen. Ein hässliches Design, eine altbackene Farbe oder Polsterung mit 50er Jahre Blümchen lässt sich mit wenig Geld, Lack und etwas Stoff entsprechend umstylen. Darüber hinaus erhält man das unbezahlbare Gefühl, mit den Händen gearbeitet und etwas Tolles geschaffen zu haben.

Ein neues Leben für alte Möbel! Bei uns durchaus ein Grundsatz und findet sich in unseren vier Wänden in nahezu jedem Raum wieder: Sessel, Tische, Stühle, Bilderrahmen, Türen, …! Gerade vor zwei Wochen ist noch ein 50er Jahre Sideboard eingezogen und dient nun nach wenigen Änderungen als Schuhschrank. Wer es genau wissen will: Gerettet vor dem Sperrmüll! Ein gutes Gefühl.

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