Wir befinden uns mitten in der Fastenzeit. Wie wäre es mal damit, digitalen Konsum zu fasten? Hier findet ihr ein paar Gründe und Anregungen.

Nachdem Karneval ausgiebig gefeiert wurde, beginnt am Aschermittwoch die 40tägige Fastenzeit, in der viele auf Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten verzichten. Aber wie wäre es damit, in dieser Zeit auch mal den digitalen Konsum zu überdenken? Schließlich benötigt auch dieser Unmengen an Ressourcen und ein Verzicht kann uns helfen, uns wieder auf wichtigere Dinge zu fokussieren.

Hier mal ein paar Gedanken dazu, wie digitales Fasten aussehen könnte:

Smartphone

In unserer Zeit ist das Smartphone einfach nicht mehr weg zu denken. Egal wo man geht und steht, hört man Mitteilungstöne, starrt jemand auf ein Display oder wird wild darauf herum getippt. Für einige Menschen ist ihr Smartphone so zum Mittelpunkt ihres Universums geworden, dass sie zombiegleich mit dem Blick aufs Display durch die Gegend laufen und selbst den Straßenverkehr kaum noch mitbekommen. Dies führt bereits zu kuriosen Auswüchsen, wie die Lichtstreifen in Tel Aviv, die diese sogenannten Smobies davor bewahren sollen, auf eine Straße zu laufen.

Wenn man bedenkt, dass der Siegeszug der Smartphones erst 2007 mit dem ersten IPhone begonnen hat, fragt man sich schon, wieso wir uns innerhalb von 12 Jahren so abhängig von diesem Gerät gemacht haben. Was würde wohl passieren, wenn wir eine Whatsapp-Nachricht erst ein paar Stunden später lesen? Richtig: gar nichts. Die Welt würde nicht untergehen und in den seltensten Fällen geht es bei solchen Nachrichten um so überlebenswichtige Fragen, dass sie nicht auch mal ein paar Stunden unbeantwortet bleiben könnten.

Wie wäre es also, wenn man das Smartphone einfach mal auf lautlos stellt (bei meinem mittlerweile die Standardeinstellung), es beiseite legt und man einfach mal nicht jede Nachricht sofort liest und beantwortet?

Und wenn man schon dabei ist: vielleicht gibt es auch noch die ein oder andere nervige Whatsapp-Gruppe, die einen eher ärgert als Vorteile bringt. Stumm schalten oder komplett verlassen, kann da eine gute Lösung sein.

Um zu sehen, wieviel Zeit man so am Smartphone verbringt, gibt es beispielsweise beim IPhone die Funktionalität „Bildschirmzeit“. Hier kann man sich nicht nur anzeigen lassen, wieviel Zeit man am Smartphone verbringt und womit, sondern kann auch eine bildschirmfreie Zeit einplanen oder Limits für bestimmt Apps festlegen.

Weniger Zeit am Smartphone zu verbringen hat auch weitere Vorteile, denn es gibt mittlerweile Belege dafür, dass das ausgestrahlte blaue Licht für Augen und Haut problematisch ist.

Social Media

Kennt ihr das auch? Man liegt abends auf dem Sofa und schaut ein wenig bei Instagram, ein wenig bei Facebook, vielleicht auch noch bei Twitter und ratzfatz ist der Abend vorbei und man muss auch schon wieder ins Bett gehen. Von den Dingen, die man gesehen hat, bleibt nur das wenigste im Gedächtnis.

Insbesondere Instagram empfinde ich oft als Fast Food fürs Gehirn – man kann es schnell konsumieren, aber es macht nicht satt. Schnell mal das Herzchen drücken, vielleicht ein paar Smileys hinterlassen oder möglicherweise auch mal ein paar Worte und schon ist man beim nächsten Bild.

Wie wäre es, wenn man stattdessen einfach mal wieder zu einem schönen Buch greifen würde? Sich von Abenteuern mitreißen lassen, fremde Welten entdecken ohne auf ein Bild zu schauen, das auf Hochglanz poliert wurde, einfach auch mal wieder hinter die Kulissen schauen und nicht nur auf die heile Instagramwelt, in der alle etwas schöner, fitter und zufriedener sind als in der Realität.

Oder wie wäre es damit, die Zeit abends auf der Couch dafür zu nutzen, etwas selbst zu machen? Man könnte stricken, häkeln, sticken, knüpfen, nähen und so vieles mehr. Gerade Handarbeiten entspannen nicht nur und trainieren das Gehirn, sondern man hat im besten Fall am Ende ein tolles stylisches und individuelles Kleidungsstück, Accessoire oder was auch immer.

Digitales Fasten - Gründe und Anregungen

E-Mails

Wusstet ihr schon, dass das Verschicken und Erhalten von E-Mails alles andere als nachhaltig ist? So verursacht eine normale E-Mail ohne Anhang etwa 10 Gramm CO2. Dies entspricht der Klimabilanz einer Plastiktüte. (siehe Öko-Test).

Warum also die Fastenzeit nicht einfach mal dazu nutzen, das E-Mail-Fach aufzuräumen? Liest man wirklich diese ganzen Newsletter, die man von irgendwelchen Onlineshops, Herstellern oder sonstigen Dienstleistern bekommt? Wenn man feststellt, dass sie meist nur ungelesen im Papierkorb landen, wird es allerhöchste Zeit, sie einfach mal abzubestellen, auch auf das Risiko hin, dass man vielleicht mal eine Rabattaktion verpasst o.ä. Bei den meisten Newslettern findet man dafür ganz unten einen Button „abmelden“ und innerhalb weniger Sekunden hat man seine eigene Klimabilanz verbessert. Nebenbei verschwendet man zukünftig weniger Zeit damit, uninteressante E-Mails zu löschen.

Digitales Fasten - Newsletter abbestellen

Auch alte E-Mails sollte man einfach mal löschen. Braucht man wirklich noch die Bestellbestätigung aus dem Jahr 2012? Wichtig dabei ist, die E-Mails auch wirklich auf dem Mailserver zu löschen und nicht nur in Outlook. Auch den Papierkorb sollte man nicht vergessen.

Fazit

Digitales Fasten bringt nicht nur Vorteile für einen selbst, indem man mehr Zeit für andere Sachen hat, sondern man reduziert gleichzeitig auch den eigenen ökologischen Fußabdruck. Warum also nicht das Smartphone häufiger ausschalten, die sozialen Medien mal sich selbst überlassen und unnötigen Datenballast abwerfen?

Könntet ihr euch vorstellen, digital zu fasten? Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, weniger auf mein Smartphone zu schauen, habe diverse Newsletter, die meist eh ungelesen gelöscht werden, abbestellt und viele alte E-Mails gelöscht.

Digitales Fasten - Gründe und Anregungen

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