Wie unbedenklich ist Karnevalsschminke aus Drogerie- und Supermarkt? Wir haben uns einige Produkte nach 3 Jahren noch einmal genauer angeschaut.

Karneval steht mal wieder vor der Tür und nachdem ich vor drei Jahren bereits diverse konventionelle Schminkprodukte unter die Lupe genommen hatte und damals recht schockiert war (siehe Karnevalsschminke – Alaaf oder Tonne?), wurde es jetzt endlich mal Zeit für ein Update.

Deshalb habe ich mich wieder im Drogeriemarkt nach den diversen angebotenen Karnevalsschminken umgesehen und habe ausgiebig die Inhaltsstoffe studiert.

Auffällig ist zunächst, dass weiterhin der Anbieter „Jofrika“ das Sortiment bestimmt. Andere Anbieter findet man kaum. Auch findet man nahezu keine Produkte mit Naturkosmetiksiegel. Einzig Alverde, die Eigenmarke des dm Drogeriemarktes bietet entsprechende Produkte an. Allerdings ist die Auswahl hier recht klein und übersichtlich.

Daraus kann man ablesen, dass die meisten Jecken offenbar immer noch zu den konventionellen Produkten greifen. Doch ist das wirklich so unbedenklich und empfehlenswert? Ich habe mal von ein paar Produkten die Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen.

Jofrika Schminkset Indianer.

Zu diesem Schminkset habe ich gegriffen, da ich bei diesem bereits vor drei Jahren die Inhaltsstoffe genauer angeschaut habe. Damals war es voll mit problematischen und bedenklichen Inhaltsstoffen (siehe hier). Ich war gespannt, ob der Hersteller hier mittlerweile die Rezepturen verbessert hat oder ob sie weiterhin genauso problematisch sind wie vor drei Jahren.

INCI: Theaterschminke: Petrolatum, CI 77491, Stearyl Alcohol, Talc,Trilaureth-4 Phosphate, Parfum. Schminkstifte: Hydrogenated Coco-Glycerides, Talc, Paraffin, Cera Alba, Petrolatum, Ethylhexyl Stearate, Glycerin, Glyceryl Stearate Citrate, Sodium Sulfate, Sodium Chloride, Alumina, Magnesium Oxide, [ +/- CI 15850, CI 19140, CI 42090, CI 77499, CI 77891 ]. Abschminke: Petrolatum, CI 15850

Erfreulich ist zunächst, dass einige der damals noch enthaltenen bedenklichen Inhaltsstoffe offenbar nicht mehr verwendet werden. So findet man mittlerweile BHT und den problematischen Duftstoff Lilial nicht mehr in dieser Schminke.

Allerdings ist der Hauptbestandteil weiterhin Mineralöl mit allen seinen Problemen. So sind Mineralöle oftmals mit krebsverdächtigen MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) verunreinigt (mehr dazu könnt ihr hier erfahren). Gerade im Mundbereich und bei kleinen Kindern würde ich diese Produkte deswegen eher nicht verwenden, da diese auch schnell Teile der Schminke ablecken und verschlucken.

Außerdem findet sich in der Schminke mit Trilaureth-4 Phosphate ein PEG-basierter Emulgator, der die Hautbarriere schwächen kann. Dies ermöglicht Schadstoffen ein leichteres Eindringen und ist insbesondere in Zusammenhang mit den oben erwähnten Mineralölen besonders problematisch.

Insgesamt hat sich das Produkt also verbessert, ist aber leider noch immer nicht wirklich empfehlenswert.

Jofrika Neon Glow Make up

Als nächstes ist mir dann das Neon Glow Make up von Jofrika in die Hände gefallen.

INCI: Aqua, Talc, Glycerin, Bis(Glycidoxyphenyl)Propane/Bisaminomethylnorbornane Copolymer, PVP, PEG-7 Glyceryl Cocoate, Phenoxyethanol, Hydrolyzed Collagen, Xanthan Gum, Caprylyl Glycol, Aluminium Hydroxide, Fluorescent Brightener 230, Parfum [+/- CI 45350, CI 45380, CI 45410, CI 47005, CI 77007)

Ich muss gestehen, bei dem Inhaltsstoff Bis(Glycidoxyphenyl)Propane/ Bisaminomethylnorbornane Copolymer habe ich erstmal nicht schlecht geguckt, denn so einen langen INCI-Namen habe ich bisher noch nicht gesehen. Nun gut, es sei mal dahin gestellt, ob man wirklich etwas auf seiner Haut haben möchte, dass man kaum aussprechen und schreiben kann, aber auf jeden Fall ist dieser Inhaltsstoff umweltschädlich, denn es handelt sich um ein schwer abbaubares synthetisches Polymer (also Mikroplastik).

Zusätzlich ist mit PVP ein weiteres synthetisches Polymer enthalten. Diese kleinen Kunststoffpartikel gelangen beim Abwaschen in den Wasserkreislauf und sind dort zum einen problematisch, da sie Schadstoffe anziehen und zum anderen von Mikroorganismen aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen. Mehr zum Thema Mikroplastik und seine Problematik könnt ihr hier erfahren.

Des Weiteren findet sich mit PEG-7 Glyceryl Cocoate wieder ein PEG-basierter Emulgator in diesem Produkt.

Für Vegetarier/Veganer ist noch kurz der Inhaltsstoff Hydrolyzed Collagen erwähnenswert. Dieser ist zwar grundsätzlich für den Anwender nicht bedenklich, es ist allerdings ein tierischer Bestandteil und wird in der Regel aus Schlachtabfällen gewonnen (interessant dazu der Beitrag vom SWR).

Jofrika Glitterstifte mit Spitzer

Als drittes und letztes Produkt habe ich die Glitterstifte von Jofrika unter die Lupe genommen:

INCI: Petrolatum, Paraffin, Cera Alba, Talc, Ricinus Communis Seed Oil, Octyldodecanol, Polyglyceryl-3 Palmitate, Cetearyl Alcohol, Glycerin, Copernicia Cerifera Cera, Glyceryl Stearate Citrate, Propylene Glycol, BHT, Ascorbyl Palmitate, Glyceryl Stearate, Citric Acid, Polyethylene Terephthalate, Polybutylene Terephthalate, Styrene/Acrylates Copolymer, Acrylates Copolymer, Ethylene/VA Copolymer, Polymethyl/Phenylsilsesquioxane Silicate, Mica, Sodium Sulfate, Sodium Chloride, [+/- CI 15985, CI 74160, CI 75470, CI 77000, CI 77491, CI 77492, CI 77510, CI 77891]

Um ehrlich zu sein, von diesen Schminkstiften ist einfach nur abzuraten. Angefangen mit einem hohen Anteil an Mineralölen (Petrolatum, Paraffin) finden sich in diesem Produkt außerdem noch das als krebsfördernd geltende Konservierungsmittel BHT, diverse Phthalate (Polyethylene Terephthalate, Polybutylene Terephthalate), die auch als Weichmacher bekannt und hormonell wirksam sind und wieder jede Menge Mikroplastik (Styrene/Acrylates Copolymer, Acrylates Copolymer, Ethylene/VA Copolymer).

Alles in allem also eine Komposition aus problematischen Inhaltsstoffen, die meiner Meinung nach auf keiner Haut etwas zu suchen haben.

Fazit

Genau wie vor drei Jahren gilt auch heute noch: “Augen auf beim Schminkekauf“. Viele konventionelle Produkte enthalten einen hohen Anteil Mineralöle und andere problematische Inhaltsstoffe. Deshalb sollte man sich die INCI-Liste immer genau anschauen. Wie bereits vor drei Jahren festgestellt, sind oftmals die Aquafarben unproblematischer, da diese ohne Mineralöle und andere problematische Inhaltsstoffe auskommen.

Grundsätzlich ist bei Produkten mit Glitter Vorsicht geboten, da es sich bei konventionellen Produkten in der Regel um synthetische Polymere, also Mikroplastik handelt. Glitter ohne Mikroplastik gibt es mittlerweile aber auch von einigen Herstellern. Dieser „Öko-Glitter“ wird aus Pflanzenmaterial gewonnen und ist komplett biologisch abbaubar.

Die einfachste Lösung ist es natürlich, auch bei Karnevalsschminke auf zertifizierte Naturkosmetik zu setzen. Tolle Karnevalsschminke mit NaTrue-Siegel bekommt man beispielsweise von Alverde. Aber auch Jofrika bietet unter dem Namen „Nature for fun“ Karnevalsschminke an, die das COSMOS Siegel trägt.

Wie bereits vor drei Jahren möchte ich aber auch noch einmal den Tipp geben, sich für Karneval ebenfalls mal bei normaler Naturkosmetik umzuschauen, denn dort findet man auch viele bunte Lidschatten, Kajalstifte usw., die durchaus auch für ein Karnevals-Make-up geeignet sind. Eine gute Auswahl findet ihr beispielsweise bei Bio-Naturel.

Wofür auch immer ihr euch aber letztlich entscheidet, wir wünschen allen Jecken da draußen eine fröhliche und unbekümmerte Karnevalszeit.

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