Wie fair ist eigentlich unser Smartphone? Wie nachhaltig sind Produktion und Lebenszyklus unseres täglichen Begleiters? Unser erster #FAIRtalk dreht sich genau um dieses Thema. Im Gespräch mit Samuel Waldeck von SHIFTPHONE, dem deutschen Hersteller nachhaltiger und fairer Smartphones.

Wie gestern versprochen, starten wir heute mit dem #FAIRtalk und unser erstes Thema in unserer neuen nachhaltigen Interviewreihe ist unser täglicher Begleiter: das Smartphone. Habt ihr schon mal genauer darüber nachgedacht, wie euer Handy produziert wurde? Was in eurem Gerät an Rohstoffen steckt? Was aus eurem Gerät nach zwei Jahren wird, wenn ihr einen neuen Vertrag abschließt?

Jeder von uns hat es in der Hosentasche, im Rucksack oder in der Handtasche: das Smartphone! Unser täglicher Begleiter und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Laut einer Studie greifen wir durchschnittlich 1.500-mal in der Woche zu unserem Handy und haben es auf der Arbeit neben uns liegen, nutzen es am Küchentisch und greifen auch beim Fernsehen schauen regelmäßig zum Smartphone um kurz bei Whats App was zu tippen, die Mails zu checken oder im Web zu surfen.

Aktuell gibt es zwei Hersteller, die versuchen, das Telefonieren mit entsprechenden Geräten nachhaltiger und fairer zu gestalten. Mit Samuel Waldeck (CEO) von SHIFTPHONE haben wir ein Interview bezüglich fairer Smartphones, unternehmerischer Verantwortung und zukünftiger Perspektiven geführt. SHIFTPHONE produziert nachhaltige Mobiltelefone, die hochgradig modular aufgebaut sind und noch in ganz anderen Punkten voll überzeugen. Dieses Jahr wird es neue Modelle geben und auch weitere Produkte stehen in den Startlöchern. Viel Spaß beim lesen:

Interview mit SHIFTPHONE

Natürlich Schöner (Lars): Hallo Samuel, vielen Dank dass du mit uns im Rahmen unserer Interviewreihe #FAIRtalk ein wenig über Motivation, unternehmerische Verantwortung und faire Mobiltelefone sprechen magst. Vielleicht ganz kurz, wer bist du und was genau machst du bei SHIFTPHONE?

SHIFTPHONE (Samuel): Hallo und vielen Dank erstmal für eure #FAIRtalk-Anfrage, über die ich mich sehr gefreut habe. Als Mitgründer und CEO der SHIFT GmbH bin ich primär mit der Koordination der Unternehmensprozesse beschäftigt. Als solcher macht man irgendwie alles, aber nichts davon wirklich richtig (lacht). Nein. Ich bin immer über die Herstellungs- und Entwicklungsprozesse informiert und delegiere, wenn es erforderlich wird. Außerdem bin ich Teil des Kommunikationsteams und zuständig für eine gute und wertschätzende Betreuung unserer Mitarbeiter. Ich pflege viele Außenkontakte zu anderen Unternehmen, Institutionen und Verbänden, die sich – ähnlich wie wir – mit den Themen Nachhaltigkeit und Fairness im Bereich des technologischen Fortschritts auseinandersetzen. Man trifft mich auf Messen, Veranstaltungen, Events und Podiumsdiskussionen, auf denen ich versuche, die Leute von unserer Sache zu begeistern. Ich freue mich aber auch immer wieder darüber, einen interessierten Kunden am Telefon zu haben und ihn bei einer Frage zu unseren Produkten zu informieren. Darüber hinaus bin ich aber in erster Linie Familienmensch mit einer tollen Frau und drei wunderbaren Kindern.

Carsten und Samuel von SHIFTPHONE (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Wie genau entstand die Idee und die Motivation zur Gründung vom SHIFTPHONE? Mal eben ein nachhaltiges Green-Tech-Unternehmen zu gründen ist ein ambitioniertes Unterfangen. Aus wem besteht euer Team und hattet ihr den entsprechenden technischen Background?

SHIFTPHONE: Naja, so gerade eben haben wir kein nachhaltiges Green-Tech-Unternehmen gegründet. Eigentlich ist es ein im Jahr 2003 gestarteter Prozess, der über die Entwicklung von waschbaren und damit wiederverwendbaren Reinigungstüchern ohne Chemikalien, über professionelle Kamerakräne, bis hin zu unseren heutigen SHIFTPHONES stetig gewachsen ist. Was damals als nebenberufliches Hobby für meinen Bruder Carsten und einen seiner Freunde begann, brachte viele Erkenntnisse und Kontakte – auch hinsichtlich des technischen Backgrounds – mit sich. Der iCrane (Carstens Kamerakran) aus dem Jahr 2012 wurde zum erfolgreichsten europäischen CrowdFunding-Projekt auf Startnext. Es war eine tolle Erfahrung ein Produkt zu entwerfen, das ausschließlich auf der Unterstützung von Supportern beruhte und ganz ohne Investoren auskam. Auf dieser Basis beschlossen wir, einen Referenzmonitor für unseren Kamerakran herzustellen, womit eigentlich die Idee des ersten SHIFTPHONES geboren war. Nur handelte es sich zu Beginn noch nicht um ein eigentliches Smartphone, sondern um ein sieben Zoll-Phablet.

Erst während der Planungsphase zum SHIFT7 (dem oben angesprochenem Phablet) ist uns bewusst geworden, welcher Schaden aus der Produktion von elektronischen Teilen für uns Menschen und unsere Umwelt resultiert. Das passte nicht mehr zu den Grundmotiven unseres Unternehmens: Freiheit, Gemeinschaft und Wertschätzung. Also entwarfen wir Konzepte, die unseren Ansprüchen in Sachen Nachhaltigkeit gerecht wurden. Reparierbarkeit, modulares Design, fair gehandelte Rohstoffe, Verzicht auf Coltan, möglichst wenig Gold, usw. Außerdem suchten wir nach Partnern, die in enger Zusammenarbeit mit uns eine sozialgerechte Herstellung unserer Geräte gewährleisten konnten. Wir sorgen für überdurchschnittlich gute Gehälter in unseren chinesischen Produktionsstätten und für Arbeitszeiten, die denen wie wir sie hierzulande gewohnt sind, sehr ähneln.

Natürlich Schöner: Du hast meine nächste Frage jetzt schon angerissen. Erkläre uns dennoch ganz kurz, warum braucht die Welt nachhaltige und fair produzierte Technik und warum sind die Mobiltelefone anderer Hersteller alles andere als Fair hergestellt?

SHIFTPHONE: Ich glaube es wäre nicht fair, über die vielleicht unfairen Herstellungsprozesse anderer Hersteller zu sprechen. An der Stelle bin ich auch nicht ausreichend genug informiert, als dass ich dazu Stellung beziehen könnte. Mir ist es wichtiger, dass das was wir als SHIFT GmbH tun, keine oder möglichst geringe negative Auswirkungen hat.

Warum braucht die Welt nachhaltige und fair produzierte Technik? Es wäre doch nur fair, wenn derjenige, der das Smartphone herstellt, das ich jeden Tag mit mir herumtrage und benutze, Freude an der Ausübung seines Berufes, sprich an der Herstellung meines Gerätes haben kann. Ebenso wie ich den Anspruch an meinen Berufsalltag habe, dass mir dieser Freude bereitet. Mache ich mir das bewusst, möchte ich eigentlich gar keine Produkte mehr konsumieren, die unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wurden. Das wäre mein Hauptargument dafür, warum wir fair produzierte Technik – oder Produkte im Allgemeinen – benötigen.

Nachhaltige Produkte brauchen wir für einen sorgsamen und wertschätzenden Umgang mit den Ressourcen, die uns dieser Planet bereitstellt. Diese Ressourcen sind, glaube ich, nicht ohne Grund da. Sie schützen uns und sorgen dafür, dass wir auf diesem Planeten gut leben können. Die Ausbeute und zunehmende Müllproblematik der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass bereits an vielen Orten kein ‚gutes Leben‘ mehr möglich ist und die Menschen sich aus klimatechnischen Gründen gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen. Daher ist es wichtig, dass sich Konzepte wie bspw. die Cradle2Cradle-Idee, sinnvolle Upcycling-Strategien und fachgerechte Entsorgungsmethoden durchsetzen, um mit dem was wir tun einen möglichst kaum spürbaren Fußabdruck zu hinterlassen.

Die Smartphones: SHIFT5 und SHIFT6m (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Was genau macht ihr bei SHIFTPHONE nun anders und was versteht ihr unter unternehmerischer Verantwortung?

SHIFTPHONE: Wir haben bspw. ein Fair Production Manifest entworfen. Damit stellen wir sicher, dass unseren Mitarbeitern vor Ort Kapitalaufbau im Alter ermöglicht wird. Im Vergleich zu den in der Branche üblichen Löhnen, zahlen wir den Mitarbeiten unserer Produktionsstätte das dreifache an Gehalt. Wir sorgen für einen regulären 8-Stunden-Tag und stellen diverse Versicherungsmöglichkeiten bereit. Es dürfen keine gesundheitsschädlichen Arbeiten durchgeführt werden und auch Kinderarbeit kommt bei uns nicht in Frage. Außerdem muss man sich vergegenwärtigen, dass wir vergleichsweise geringe Stückzahlen produzieren. Das bedeutet, unsere chinesische Produktionsstätte, die übrigens bald keine Partnerfirma sondern ein SHIFT-Betrieb mit SHIFT-Angestellten sein wird, ist klein und das Betriebsklima ist harmonisch und familiär. Das alles können wir nur beurteilen, weil wir selbst oft vor Ort sind und die Geschehnisse entsprechend betreuen und koordinieren.

Auch in Afrika sind wir vor Ort und begutachten die Minen, aus denen ein Teil der Rohstoffe für unsere Produkte gewonnen werden können. Hier stellen wir ebenfalls sicher, dass es den Menschen, die letztendlich Teil unserer Produkte sind, gut geht. Oft geht das nur mit Partnern, die man aber kennenlernen und zu denen man ein Vertrauensverhältnis aufbauen muss. In regelmäßigen Abständen veröffentlichen wir den sogenannten SHIFT-Report, in dem wir ausführlich über unsere Maßnahmen berichten, die wir hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Fairness unserer Produkte ergreifen.

Carsten von SHIFTPHONE im Kongo bei der Besichtigung einer Mine (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Wie genau könnt ihr nachverfolgen, dass eure Zulieferer unter möglichst fairen und sozialen Aspekten für euch produzieren und dass eure Materialien aus nachvollziehbaren Quellen stammen? Gibt es für technische Produkte bereits eine ähnliche Zertifizierung wie bspw. „Bluesign“ oder das „Fair Wear“ Siegel bei Textilien? Das heißt, Organisationen, welche die entsprechenden Standards für euch überwachen oder stemmt ihr das aktuell alleine?

SHIFTPHONE: Ein umfassendes Siegel zum Thema Fairness für ein komplexes Produkt wie das Smartphone gibt es derzeit leider noch nicht. Die Lieferketten eines Smartphones sind so lang und undurchsichtig, dass es uns nicht möglich ist zu behaupten, ein zu 100% faires Gerät bauen zu können. Besonders als kleiner Hersteller ist es uns unmöglich Zulieferer dazu zu bewegen, ihre Lieferkette aufzudecken, um genau feststellen zu können, woher welche Materialien stammen. Auf absehbare Zeit wird es uns ohne Regulierungen von Außen nicht möglich sein, die Lieferkette ganz transparent zu machen. Um nicht auf Hilfe von Seite der Politik warten zu müssen, haben wir uns daher ein anderes Verfahren ausgedacht, um unsere Produkte fairer zu machen.

Wir starten in Zusammenarbeit mit einer Universität eine Analyse unserer Smartphones. Es handelt sich sozusagen um ein Reverse Engineering. In einem Pulverisierungsverfahren untersucht das Labor unsere Smartphones, um uns anschließend eine Aufstellung aller verbauten Substanzen und Materialien vorlegen zu können. Hierdurch möchten wir uns vergewissern, dass sich nicht doch in einem der Module Coltan oder andere Substanzen eingeschlichen haben, um deren Vermeidung wir so bemüht sind. Und wir können genau aufschlüsseln, in welcher Menge wir welche Materialien verbaut haben. Diese können wir von fairen Quellen einkaufen und sie wieder in unsere Lieferkette einführen. So können wir zwar nicht sicherstellen, dass das faire Material in unseren SHIFTPHONES stecken, aber sie sind im System und Anbieter fairerer Materialien werden gefördert.

Trotzdem ist uns bewusst – und so haben wir es auch in unserem SHIFT-Report festgehalten – dass die faire Herstellung eines Smartphones derzeit nicht zu 100% durchführbar bzw. nachweisbar ist. Wir lernen täglich in Sachen Nachhaltigkeit und Fairness dazu und knüpfen Kontakte zu gut informierten Leuten und Partnern in diesem Segment. Das motiviert uns natürlich zukünftig weiter unsere Vorgehensweisen zu überdenken und zu optimieren.

Produktion von SHIFTPHONE – die eigene Produktion läuft nächste Woche an (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Klingt wahnsinnig aufwendig, aber ein sehr cooles Vorgehen. Das passt auch super als Übergang zum nächsten Thema. Stichwort Recycling! Ein wenig geflashed hat mich die Idee des „Gerätepfands“. Wie genau seid ihr auf die Idee gekommen und warum genau ist das der richtige Ansatz um Recycling und Rohstoffkreislauf zu unterstützen? Was genau passiert mit den zurückgesendeten Smartphones?

SHIFTPHONE: Wir möchten unbedingt vermeiden, dass mit wichtigen Rohstoffen ausgestattete Technologie im Hausmüll landet oder in Schubladen in Vergessenheit gerät. Gerätepfand, Rückkaufoption und Upgrade-Möglichkeit soll unsere Kunden dazu animieren, ihre nicht mehr benötigten SHIFTPHONES an uns zurückzuschicken. Bei der Produktion unserer Hardware haben wir besonderen Wert auf die Verwendung von recyclebaren Materialien gelegt. Defekte SHIFTPHONES werden von unserem Elektrotechniker – falls möglich – repariert und als 2nd-Life-Gerät in den Wiederverkauf gebracht. Ist eine Reparatur nicht möglich, wird das SHIFTPHONE in seine Einzelteile zerlegt und die noch funktionierenden Module kommen in unser Ersatzteillager. Die defekten Einzelteile werden im Sinne der Rohstoff-Weiterverwendung recycelt. Das funktioniert super mit Edelmetallen oder sortenreinem Kunststoff, allerdings noch nicht mit seltenen Erden. Einer der Gründe, warum wir bspw. auf das konfliktbelastete Coltan (ein Tantalerz) in unseren Geräten verzichten.

Hinsichtlich des Recyclings arbeiten wir mit Partnern zusammen. Hauptplatinen und Kleinteile, wie Lautsprecher, Mikrofone oder auch kaputte Displays, gehen an AfB, die seit 2004 darauf spezialisiert sind, ausgemusterte Hardware aufzubereiten. Kunststoffteile wie bspw. unser Backcover oder die Bumperhüllen werden zu 100% recycelt und fließen in die Entwicklung neuer Teile. Die RU Recycling- und Umweltdienst GmbH erhält Antennen, Kabel und Akkus.

Wichtiger noch als Recycling ist uns, die Geräte so lange wie möglich zu nutzen. Deshalb haben wir viel Energie in ein möglichst hohes Maß an Reparierbarkeit fließen lassen.

Natürlich Schöner: SHIFTPHONE ist modular aufgebaut. Angenommen einem Kunden passiert der Klassiker, das Phone fällt runter und das Display zerspringt. Wie technisch versiert muss der Kunde sein, um das Display am SHIFTPHONE zu wechseln? Wie schaut es mit der Garantie / Gewährleistung aus, wenn bspw. ich als Laie mein Glück bei der Reparatur versuche?

SHIFTPHONE: Wir versuchen den SHIFTPHONE-Nutzern ein möglichst umfangreiches Spektrum an Optionen zur Verfügung zu stellen, um sie bei der Reparatur ihrer Geräte zu unterstützen. Einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter hat bspw. einen umfangreichen YouTube-Channel aufgebaut, in dem er zu sämtlichen unserer Produkte den Austausch einzelner Module erläutert (Anmerkung Natürlich Schöner: Wer mal gucken mag, hier der Link zum Channel). Darüber hinaus stehen natürlich unsere Support-Mitarbeiter bei Fragen Rede und Antwort. SHIFTPHONES können (in Absprache mit unseren Service-Mitarbeitern) zu Reparaturzwecken zu uns nach Falkenberg geschickt werden. Wir überholen die Geräte und senden sie zurück an den Kunden.

Jeder Kunde sollte auch ohne technischen Background einzelne Module tauschen können. Traut er sich das trotz der guten Anleitungen nicht zu, kann er sich an unseren Support wenden. Er bzw. sein Gerät erleidet keinen Garantieverlust. Das bezieht sich im Übrigen nicht nur auf Hardware-Schäden, sondern auch auf Eingriffe in die Software des Systems.

Bei der Entwicklung unseres neuen SHIFT6m haben wir uns in Sachen Modularität einmal mehr übertroffen. (lacht). Entschuldigt, wenn ich das so überzeugt sagen muss. Aber die Rückseite des Gerätes lässt sich in Sekunden entfernen und der Akku ist ebenso schnell ausgewechselt. Ein Displaytausch lässt sich – auch vom Laien – in wenigen Minuten erledigen. Alle weiteren Module im Innenleben werden von gleichlangen (keine Verwechslungsgefahr) Torx-Schrauben zusammengehalten, wobei der Torx-Schraubendreher natürlich zum Lieferumfang gehört. Kamera, SIM-Slots, Antennen und Sensoren sind leicht zugänglich und lassen sich durch Steckverbindungen einfach wechseln.

Natürlich Schöner: Für dieses Jahr steht mit dem SHIFT6m eine neue Generation eures SHIFTPHONES an. Wie weit seid ihr mit der Entwicklung und wann genau können wir mit dem Gerät rechnen und ich glaube ihr habt noch ein weiteres Gerät geplant?

SHIFTPHONE: Das SHIFT6m steht kurz vor der Veröffentlichung und erscheint im März 2018. Unsere Mitarbeiter haben bereits die ersten Testgeräte im Einsatz. Wir befinden uns also quasi im Endspurt und freuen uns, wenn wir unser #LOVEPHONE ab Ende März 2018 an die Early-Bird-Supporter schicken können. Neben dem SHIFT6m wird im weiteren Verlauf des Jahres das SHIFT6mq erscheinen, dass sich nur im Prozessor vom SHIFT6m unterscheidet. Mit dem SHIFT6mq möchten wir Nutzern die Möglichkeit bieten, alternative Betriebssysteme einsetzen zu können.

Viel Zeit investieren wir auch in die Entwicklung des SHIFT12m, unserem detachable Notebook mit dem Fokus auf Qualität und Modularität, was gegen Ende 2018 erscheint. Vor kurzem haben wir auf Anfrage unserer Kunden das SHIFT4m-Projekt angekündigt, mit dem wir auf die Zielgruppe mit Vorliebe für kleinere Displays eingehen werden. Das Ganze ist geplant für Anfang 2019.

SHIFT12m und SHIFT6m von SHIFTPHONE (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Bei lauter Fairness und Nachhaltigkeit bei der Produktion eurer Smartphones gibt es sicherlich noch einen Punkt, der viele Leser interessieren dürfte. Als technische Innovationstreiber zu fungieren, dürfte schwer sein, aber das ist ja auch nicht euer Ansatz. Wie dicht seid ihr technisch an den Produkten der großen Hersteller dran? Eure Produktzyklen sind ja bspw. deutlich länger als bei den Massenherstellern.

SHIFTPHONE: SHIFT ist ein kleines Familienunternehmen. Wir wachsen mit den Herausforderungen und mit der steigenden Anzahl unserer Kunden. Wir richten derzeit unsere eigene Produktionsstätte ein, in der wir vorerst nur kleinere Stückzahlen fertigen können. Das ist natürlich nicht vergleichbar mit den Taktraten der BigPlayer am Markt. Technisch können unsere neuen Modelle (SHIFT6m, SHIFT6mq, SHIFT12m) in Sachen Ausstattung mit den Geräten bekannter Hersteller locker mithalten. Die Einzigartigkeit in Sachen Design, Fairness, Modularität und Nachhaltigkeit liegt uns jedoch mehr am Herzen.

Uns geht es nicht um stetig wachsende Verkaufszahlen. Wir wollen unser Wachstum nachhaltig und langsam genug gestalten. Das ist ein Grund, weshalb wir auf Crowdfunding und Vorbestellungen, statt auf Geld von Investoren setzen. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist ein deutlich höheres Maß an Entscheidungsfreiheit und Unabhängigkeit.

Natürlich Schöner: Ich selber nutze meine Smartphones bislang solange es technisch machbar ist und werde immer durch nicht vorhandene Software – Updates und nicht mehr funktionierende Apps ausgebremst. Mein erstes Smartphone kaufte ich 2007, mein zweites 2012 (vorzeitiges KO) und mein jetziges ist bereits wieder aus 2014. Michaelas Smartphone stammt sogar aus 2012, ist technisch einwandfrei aber kommt inzwischen schlicht an seine Grenzen. An den Handys und der Technik selber ist allerdings nichts auszusetzen. Viele Konsumenten meinen immer, dass mit einem neuen Vertrag auch ein neues Gerät einhergehen muss. Wie seht ihr das? Wie lange sollte man eurer Meinung nach sein Smartphone aus Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung nutzen?

SHIFTPHONE: Wir halten die Updaterate neuer Geräte nach zweijähriger Vertragslaufzeit für deutlich überzogen. Es ist total ok, wenn ein Akku nach intensiver Nutzung irgendwann in die Knie geht und man diesen gegen einen frischen ersetzt. Auch ein gesprungenes Display, eine defekte Kamera oder das Cover des Smartphones. Aber warum ein teures Gerät alle zwei Jahre durch ein neues ersetzen? Ob SHIFTPHONE oder nicht. Wir würden immer dazu plädieren, jedes technische Gerät im Sinne der Müllvermeidung und der Ressourcenschonung so lange wie möglich zu nutzen. Die Verwendung gebrauchter Dinge ist immer besser als eine Neuanschaffung. Das mag nicht verkaufsfördernd klingen, ist aus ökologischer Sicht aber die bessere Entscheidung.

Es gibt aber Situationen, in denen ist die Anschaffung eines neuen Gerätes notwendig. Du hast eben beschrieben, dass mangelnd gepflegte Software einschränkend wirken kann. Es gibt aber auch Änderungen in den Anforderungen des Nutzers, die einen Umstieg auf neuere Technologie erforderlich machen. In solchen Momenten kommen unsere SHIFT-Hardware-Upgrades zum Tragen. Ein SHIFT-User kann uns sein altes SHIFTPHONE jederzeit zusenden. Wir ermitteln dann den Zustand des Gerätes und räumen ihm die Möglichkeit ein, für einen fairen Aufpreis auf eines unserer neueren Modelle zu wechseln. Anschließend kümmern wir uns um die Weiterverwendung des alten Gerätes. Entweder bei einem Kunden, dem das Gerät ausreicht, oder als Ersatzteilspender für die Reparaturen bei uns im Haus. So kann ein Kunde mit ruhigem Gewissen ein neues Gerät anschaffen.

Natürlich Schöner:  Plant ihr in Zukunft eure SHIFTPHONEs auch aufrüstbar zu machen? Bspw. eure Modularität so weit zu bringen, dass man Kamera, Prozessor oder Display gegen neue leistungsfähigere Einheiten austauschen könnte? Also den Produktlebenszyklus somit zu verlängern? Ist das technisch aktuell aufgrund der Komplexibilität überhaupt mach- und umsetzbar? (nachträgliche Anmerkung Natürlich Schöner: Motorola / Google hatte so was mit dem Projekt Ara mal vor, haben das Projekt aber 2016 eingestellt)

SHIFTPHONE: Die Komponenten eines Smartphones sind hochkomplex und müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Einzelne Komponenten zu tauschen, macht nur bedingt Sinn. Eine deutliche Verbesserung der Kamera hat beispielsweise zur Folge, dass auch der Prozessor leistungsstark genug sein muss, um die Daten in nutzbarer Geschwindigkeit zu verarbeiten. Bei den Entwicklungen unserer SHIFTPHONES haben wir darauf geachtet, dass jede Neuentwicklung auch im älteren Gerät der gleichen Baureihe genutzt werden kann. Dadurch müssen wir nur die neusten Ersatzteile vorhalten. Die Entwicklungssprünge waren jedoch moderat und nicht vergleichbar mit denen zwischen beispielsweise dem SHIFT4 und dem SHIFT6m. Auch ein gutes Konzept muss manchmal komplett überholt werden. Wir werden weiter an dem modularen Konzept unserer SHIFTPHONES arbeiten und, wenn möglich und sinnvoll, auch Upgrades einzelner Komponenten entwickeln.

SHIFT6m von SHIFTPHONE – ab März 2018 erhältlich (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Für alle die bezüglich des Entwicklungsstands des SHIFT6m/SHIFT6mq auf dem Laufenden bleiben wollen, habt ihr einen Newsletter über den ihr über den Stand der Projekte informiert?

SHIFTPHONE: Ja. Auf unserer Webseite (www.SHIFTPHONEs.com) kann man unseren Newsletter abonnieren. Auch unseren Blog und die sozialen Kanäle (Anmerkung Natürlich Schöner: Facebook, Twitter) nutzen wir regelmäßig, um Interessenten und Kunden auf dem Laufenden zu halten.

Natürlich Schöner: Wo kann man eure Produkte aktuell und in Zukunft erwerben?

SHIFTPHONE: SHIFTPHONES kann man über unseren Online-Shop erwerben. Zunehmend kommen unsere Geräte allerdings auch in das Programm fair oder nachhaltig ausgerichteter Ladengeschäfte. So z.B. in den Fairware in Karlsruhe, den Fairhavn in Essen und in Falkenberg planen wir derzeit die Eröffnung unseres hauseigenen SHIFT-Stores. Der neben unseren SHIFTPHONES auch Lebensmittel (möglichst unverpackt), regional und in Bioqualität verkaufen wird.

Natürlich Schöner: Zum Abschluss, wo geht eure Reise hin? Neben Mobiltelefonen plant ihr ja inzwischen auch ein Notebook. Was können wir in Zukunft noch von euch erwarten?

SHIFTPHONE: Wenn wir das so genau wüssten… (lacht). Hätte mir jemand vor drei Jahren erzählt, ich würde mit meinem Vater und meinem Bruder gemeinsam ein Unternehmen leiten, dass Smartphones entwickelt, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Dass es uns als SHIFT GmbH gibt, wir mittlerweile 10 Angestellte in Deutschland haben sowie ein wunderschönes Büro in einem idyllischen Örtchen auf einem ehemaligen Bauernhof, ist für mich ein Wunder. Zu Beginn hatten wir nur die Idee zu den ersten SHIFTPHONES und etwas Mut, ein solches Projekt anzugehen. Ohne die Unterstützung unserer treuen Supporter im Crowdfunding und unserer Kunden, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, wären wir nicht so weit gekommen. Wenn ich mich daran erinnere, spüre ich tiefe Dankbarkeit. Jeden Morgen, wenn ich ins Büro gehe und meine Kollegen begrüße, denke ich daran.

Dankbarkeit erfüllt mich auch, dass ich SHIFT gemeinsam mit meinem Vater und meinem Bruder leiten darf. Bei allen Herausforderungen, die so eine Familienkonstellation mit sich bringt, empfinde ich es als unglaubliches Geschenk. Mein Vater wird dieses Jahr 75 und widmet seinen wohlverdienten Ruhestand dem Unternehmen seiner Söhne. Ein höheres Maß an Unterstützung kann ich mir nicht vorstellen. Mein Bruder ist der Ideengeber im Unternehmen. Unermüdlich arbeitet er an der Optimierung unserer Produkte und bringt dabei mehr Innovationskraft auf, als in anderen Unternehmen ganze Abteilungen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern in der Hard- und Softwareentwicklung ist ihm zu verdanken, dass wir in so kurzer Zeit so viel bewegen konnten.

In den nächsten Jahren werden wir weiterhin viel Kraft darin investieren, den Gedanken der Fairness noch deutlicher auszuleben. Unsere Produkte werden wir kontinuierlich optimieren und mit neuen Ideen für gute Innovationen sorgen. Es stehen in den nächsten Jahren interessante technologische Entwicklungen an. Die Digitalisierung ist in aller Munde und oft fehlt uns die Vorstellungskraft für die Tiefe der auf uns zukommenden Veränderungen. Unser Ziel ist es, Menschen eine Alternative zu Konzepten anzubieten, deren Nutzen sich auf die Vermehrung von Macht und Geld konzentrieren. Das bedeutet für uns SHIFT.

SHIFT12m von SHIFTPHONE – ab Ende 2018  erhältlich (Bild ©SHIFTPHONE)

Natürlich Schöner: Danke Samuel das du uns so ausführlich Rede und Antwort gestanden hast. Wir wünschen euch und auch als Familie verdammt viel Erfolg und wir brauchen noch viel mehr Unternehmungen, die sich mit so viel Herzblut für eine besser Welt und einen nachhaltigeren Alltag einsetzen. 

Viele weitere Informationen, das Fair Production Manifest sowie die einzelnen Gerätedaten findet ihr auf der Seite von SHIFTPHONE

Anmerkung Natürlich Schöner: Kurz nachdem wir dieses Interview im Kasten hatten, kündigte ein großer Handy- / Smartphone-Hersteller an, dass er den Support (Sicherheits-Updates, …) für diverse Geräte einstellt. Dabei handelte es sich nicht etwa um alte Produkte, sondern um gerade einmal um etwa zwei Jahre alte Produktlinien, die erst 2016 auf den Markt kamen. Durchaus eine Möglichkeit Konsum anzukurbeln und ein Schlag ins Gesicht vieler Kunden, die eben nicht nach kurzer Zeit neue Geräte kaufen wollen. Auch aus dem Grund sollten wir alle unser Konsumverhalten überdenken und ob wir wirklich die großen Player unterstützen wollen. (hier nachlesbar)

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Mehr zum #Fairtalk und dem Konzept der Interviewreihe könnt ihr hier nachlesen. Ihr habt Vorschläge oder Ideen, mit wem wir unbedingt einen #FAIRtalk halten müssen? Ihr wollt unbedingt etwas über eine bestimmt inspirierende Persönlichkeit oder ein total nachhaltiges Unternehmen lesen? Dann schreibt uns unbedingt eine Mail.

5 KOMMENTARE

  1. Sehr geil! Danke für dieses tolle Interview, konnte so viele Informationen daraus ziehen. Ich hatte geplant mir ein Fairphone zuzulegen, wusste gar nicht das es so eine tolle deutsche Alternative gibt 👍🏻

  2. Geiler Scheiss! Was heißt denn alternative Betriebssysteme beim SHIFT6mq? Heißt das, das man auch iOS auf dem SHIFT6mq installieren könnte statt Android? Oder was ist damit gemeint? Da würde sich das länger warten lohnen. Ich wollte mir Mitte des Jahres nämlich auch ein faires Phone zulegen, stecke aber seit 10 Jahren im Apple System mit all den gekauften Apps. Das lässt mich zögern.

    Ansonsten super Interview, von so was will ich unbedingt mehr lesen.

  3. Super mutiges und komplexes Unterfangen. Nötig Respekt ab!

    Reverse Engineering Ist echt ein interessanter Ansatz um die eigenen Produkte zu checken und die eigenen Zulieferer ansatzweise zu kontrollieren. Finde ich einen tollen Ansatz.

    Die Aussagen zu Ökologie, Recycling und Nutzungsverhalten (Prinzip Kauf nur wenn du eines braust, Nutze es lange, scheiss auf Garantie, schraub es auf, ist in Ordnung, …) so von einem Hersteller zu lesen ist einfach klasse.

    Als langjähriger iPhone Nutzer dennoch leider keine Alternative, da ich mich nicht auf Android einlassen will und viel zu viel Money in Software und Apps stecken habe, die ich nicht übertragen könnte. Dafür nutze ich mein Gerät möglichst lange.

    Ich wünsche Firmen wie SHIFTPHONE dennoch ganz viel Erfolg.

  4. Tolles Thema, tolle Mannschaft bei ShiftPhone und ein tolles Interview! Ich stehen in den Startlöchern für den Empfang meines ersten ShiftPhones und freue mich schon aufs Kennenlernen und Ausprobieren! Passenderweise gibt mein jahrelanger Begleiter gerade peu à peu den Geist auf, zeitlich könnte es also nicht besser passen. Da ich mich in den letzten Jahren in so vielen Bereichen meines Lebens neu ausgerichtet und umorientiert habe, wird auch diese Umstellung und Neuorientierung einfach ein weiteres Mosaik-Steinchen. Herzliche Grüße, Kay

  5. “ Laut einer Studie greifen wir durchschnittlich 1.500-mal in der Woche zu unserem Handy und haben es auf der Arbeit neben uns liegen, nutzen es am Küchentisch und greifen auch beim Fernsehen schauen regelmäßig zum Smartphone um kurz bei Whats App was zu tippen, die Mails zu checken oder im Web zu surfen.“ – Laut diverser Studien zu dieser exorbitanten Nutzung steht außer Frage, dass hier unglaublich viel Zeit verbrannt und unglaublich viel Stress erzeugt wird – Gratulation an Alle, die sich diesem Wahn verweigern…..natürlich ist schöner —> redet miteinander !!!

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