Die braunen Früchte der Kastanie sind bei Kindern sehr beliebt. Doch was kann man außer Kastanienmännchen noch alles damit machen? Die Einsatzmöglichkeiten von Kastanien sind vielfältiger, als man denkt.

Momentan sieht man wieder überall die wunderbar rotbraunen Früchte der Kastanie, die sich aus ihrer grünen stachelige Hülle befreit haben. Insbesondere Kinder haben immer wieder Spaß daran, die wunderbar glänzenden Kastanien zu sammeln und lustige Männchen daraus zu basteln. Doch man kann noch viel mehr aus den Früchten der Kastanie machen. Erfahrt hier mehr über die verschiedenen Kastanienarten und wie vielseitig einsetzbar die hübschen braunen Kugeln so sind.

Welche Kastanienarten findet man bei uns?

In Mitteleuropa sind zwei Kastanienarten ansässig: die Rosskastanie und die Edelkastanie.

Die Edelkastanie stammt ursprünglich aus Südosteuropa, ist mittlerweile aber auch in Mittel- und Westeuropa sehr verbreitet. Sie ist sommergrün, wird ca. 20-25 Meter hoch und können ein Alter von 500 bis 600 Jahren erreichen. Allerdings werden sie hier in Mitteleuropa eher nur 200 Jahre alt.

Bekannt ist die Edelkastanie vor allem für ihre essbaren Früchte – die Esskastanien, die viele auch unter dem Begriff „Maronen“ kennen.

Die Früchte der ebenfalls in Mitteleuropa ansässigen gemeinen Rosskastanie sind hingegen nicht essbar. Auch die Rosskastanie ist ein sommergrüner Baum, der eine Höhe von 30 Metern und ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen kann.

Doch auch wenn die Früchte der Rosskastanie nicht essbar sind, kann man sie doch für viele verschiedene Zwecke nutzen.

Kastanien in Haushalt und Kosmetik
Rosskastanien

Die Rosskastanie als Heilpflanze

Bereits seit Jahrhunderten wird die Rosskastanie in der Volksheilkunde eingesetzt und im Jahr 2008 wurde sie zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.

Insbesondere die Samen der Rosskastanie werden für heilkundliche Anwendungen genutzt. Das in ihnen enthaltene Aescin (ein Wirkstoffkomplex aus gut 30 unterschiedlichen Substanzen) soll in erster Linie bei allen möglichen Erkrankungen und Beschwerden der Venen helfen, z.B. Venenschwäche, Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Besenreisern, Wadenkrämpfen sowie generell bei müden und schweren Beinen.

Aus diesem Grund kommt Rosskastanienextrakt in vielen pflanzlichen Mitteln vor, die bei Venenbeschwerden helfen sollen. Allerdings können entsprechende Salben oder Tabletten nur leichte Beschwerden mildern, z.B. schwere Beine oder geschwollene Knöchel am Abend. Deswegen können sie auch nur unterstützend eingesetzt werden. Auch ist die Rosskastanie nicht frei von Nebenwirkungen, denn bei Einnahme kann sie Juckreiz, Übelkeit und Magenbeschwerden auslösen.

Außer ihrer Wirkungen auf die Blutgefäße können Kastanien auch als Hustenmittel eingesetzt werden, da sie stärkend und auswurffördernd wirken. Dafür bietet sich auch ein Tee aus den Kastanienblüten an.

Neben den Früchten und Blüten wurden in der Heilkunde auch die Blätter und die Rinde der Kastanie verwendet, z.B. bei Erkältungskrankheiten.

Kastanien
Jede Menge Kastanien gesammelt

Herstellen eines Pulvers aus Rosskastanien

Da die gesammelten Kastanien recht schnell austrocknen und dabei immer härter werden, so dass man sie kaum noch zerkleinern kann, empfiehlt es sich, aus den noch frischen Kastanien ein Pulver herzustellen, um die Kastanien das ganze Jahr für die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten nutzen zu können.

Bereits beim Sammeln sollte man darauf achten, nur wirklich frische Kastanien aufzusammeln. Diese erkennt man sehr gut daran, dass sie noch richtig schön glänzen und mitunter noch ein wenig feucht sind. Am besten ist es, wenn man Kastanien noch in ihrer stacheligen Hülle findet und man sie selber daraus befreien kann.

Die frisch gesammelten Kastanien werden dann zunächst gründlich gesäubert. Die geht am besten mit Wasser und Natron (etwa 1 EL Natron auf 1 Liter Wasser geben). Nachdem man die Kastanien etwas abgetrocknet hat, werden sie geviertelt. Je nachdem, für welchen Verwendungszweck man das Kastanienpulver benötigt, sollte man auch jetzt direkt die Kastanien schälen, denn bei wirklich frischen Kastanien funktioniert das noch recht leicht. Weißes Kastanienpulver benötigt man bspw. zum Waschen von weißer Wäsche oder für diverse kosmetische Anwendungen (Cremes, Salben oder Gesichtsmasken).

Geschälte Kastanien für weiße Wäsche und Kosmetik
Geviertelte und geschälte Kastanien für weiße Wäsche und kosmetische Anwendungen

Die geviertelten Kastanien werden anschließend zerkleinert. Für kleinere Mengen kann man einfach einen Hammer oder Mörser verwenden, bei größeren empfiehlt sich eine stabile Küchenmaschine oder ein robuster Mixer. Wir selbst haben die Kastanien im Thermomix zerkleinert.

Das Pulver muss nicht so fein werden wie Mehl, sondern es reicht, wenn die Teilchen nicht größer als 3mm sind. Anschließend verteilt man das Pulver auf einem Backblech und lässt es gut trocknen. An trockenen, warmen Tagen geht es sehr gut an der frischen Luft. Alternativ kann man das Blech auch bei etwa 40°C in den Backofen geben und darin das Pulver etwa 2-3 Stunden trocknen lassen.

Kastanienpulver herstellen
Kastanienpulver herstellen – links ohne Schale, rechts mit Schale

Um ein gleichmäßiges Trocknen zu erreichen, sollte die Schicht zum einen nicht zu dick sein (etwa 1 cm) und zum anderen immer mal wieder durchgemischt werden.

Das trockene Pulver wird abschließend in ein luftdicht verschlossenes Gefäß gefüllt und kann jederzeit bei Bedarf entnommen werden.

Waschmittel aus Kastanien

Da Kastanien einen hohen Anteil an Saponinen enthalten, kann man sie sehr gut auch zum Waschen verwenden. Doch was sind eigentlich Saponine? Der Kernwort „Sapo“ bedeutet Seife und beschreibt die wichtigste Eigenschaft von Saponinen: in Wasser gelöst bilden sie bei gleichzeitiger Schüttelbewegung einen Schaum, der emulgierend auf Öle wirkt.

Diese Eigenschaft der Saponine macht man sich beim Wäsche waschen zunutze. Doch wie verwendet man Kastanien zum Wäsche waschen? Natürlich kann man sie nicht einfach im Ganzen in die Waschmaschine geben, denn die feste Schale würde ein Lösen der Saponine verhindern.

Verwendet man frische Kastanien, nimmt man 5-8 trockene Kastanien und viertelt sie. Danach gibt man diese in ein Glas und übergießt das Ganze mit 300 ml Wasser. Nun muss diese Mischung etwa 8 Stunden stehen. Anschließend gießt man einfach nur die Flüssigkeit durch ein Sieb ins Waschmittelfach der Waschmaschine und wäscht die Wäsche wie gewohnt.

Waschmittel aus Kastanien
Kastanienpulver für bunte Wäsche mit Schale

Etwas schneller geht das Ganze, wenn man bereits das oben erwähnte Kastanienpulver hergestellt hat. Davon benötigt man etwa 2-4 Esslöffel, die ebenfalls mit 300 ml Wasser übergossen werden. Diese Mischung muss nur 30 Minuten ziehen und kann dann verwendet werden.

Da das Waschmittel aus Kastanien keinerlei Enthärter enthält, kann man bei sehr hartem Wasser noch einen Teelöffel Waschsoda zur Wäsche geben.

Wer noch ein wenig Duft für seine Wäsche möchte, kann außerdem noch ein paar Tropfen ätherisches Öl mit ins Waschmittelfach geben.

Bei weißer Wäsche sollte man die Kastanien unbedingt geschält verwenden, um ein Verfärben zu vermeiden.

Kosmetik aus Kastanien selber herstellen

Auch für Kosmetikprodukte können Kastanien selbstverständlich verwendet werden. So kann man sie durch den hohen Anteil an Saponinen sehr gut als Basis für Shampoos und Duschgels benutzen.

Als Masken können Kastanien bei entzündlichen Hautprozessen hilfreich sein, z.B. bei Akne, aber auch bei trockener, rissiger Haut. Dazu einfach zwei Esslöffel Kastanienpulver ganz fein zermahlen, mit Wasser zu einer streichfähigen Paste anrühren und auf das Gesicht auftragen. Dort etwa 10 Minuten einwirken lassen und anschließend mit lauwarmen Wasser abwaschen.

Weißes Kastanienpulver für Kosmetik
Weißes Kastanienpulver für Kosmetik

Eine Salbe mit Kastanientinktur hilft bei schweren, müden und geschwollenen Armen bzw. Beinen. Ein Vollbad in einem Sud aus Kastanien regt die Durchblutung an und soll bei Rheuma oder Gicht helfen. Dazu einfach ein Kilo Kastanien in fünf Litern Wasser über Nacht einweichen, kurz vor der Anwendung kurz aufkochen und 30 Minuten köcheln lassen. Anschließend gibt man das Ganze durch ein Sieb ins Badewasser.

Auch zur Haarpflege eignen sich Kastanien sehr gut. Dafür nimmt man einfach 10 frische Kastanien und schneidet sie in kleine Stücke. Diese gibt man dann mit 250 ml Wasser und einem Esslöffel Honig in den Mixer und mixt es so lange durch, bis es eine gleichmäßige Konsistenz hat. Danach siebt man die Mischung durch einen Kaffeefilter ab und massiert die Flüssigkeit ins Haar. Nach etwa 10 Minuten Einwirkzeit wird das Ganze dann gründlich ausgespült.

Weitere Rezepte mit Kosmetik aus Kastanien findet ihr in Kürze hier bei uns.

Naturkosmetik mit Kastanienextrakt

Natürlich verwenden auch verschiedene Naturkosmetikhersteller den Extrakt der Rosskastanie für verschiedene Anwendungen. So findet ihr Rosskastanienextrakt beispielsweise in den folgenden Produkten:

Weitere Produkte mit Rosskastanienextrakt gibt es beispielsweise bei Bio-Naturel.

Kastanien sammeln
Im Körbchen gesammelte Kastanien

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Michaela,
    schöner Bericht! Ich habe bisher nur Waschpulver aus Kastanien hergestellt und finde das total super!
    Kosmetik mit Kastanien muss ich auch mal ausprobieren :-) Danke für die Tipps!
    Herzliche Grüße,
    Annette

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