Der Hersteller wirbt groß mit: Frei von Mikroplastik. Doch stimmt das? Ist Mikroplastik enthalten oder nicht? Wir sind der Frage aufgrund der Aufforderung des Hersteller einmal nachgegangen und ja, wir glauben noch immer, das Mikroplastik im Produkt drin ist.

Wir haben überlegt, ob wir das Thema aufgreifen oder nicht. Doch es ärgert uns tatsächlich, wie ein Hersteller reagiert, wenn man ertappt wird. Anstatt zu schreiben „Oh da ist uns ein dummes Missgeschick passiert“, werden einem Blogger und Instagramer tatsächlich rechtliche Schritte aufgrund von Rufschädigung angedroht. Wir selber wurden vom Hersteller zudem aufgefordert, uns selber ein Bild zu machen, dem wir hiermit gerne nachkommen.

Was ist passiert?

Einer Bloggerin (Blondblog) ist aufgefallen, dass das neue Produkt von Svenja Walberg Hyaluronic³ Microinjection Serum groß damit Werbung macht, dass im Produkt unter anderem kein Mikroplastik enthalten sein soll. Schaut man nun einmal auf die Inhaltsstoffe, so ist allerdings Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer enthalten. Bei  diesem Stoff handelt es sich entsprechend vieler Quellen um Mikroplastik! Blondblog hatte sich nun gefragt, ob das eine gezielte Täuschung darstellt oder schlicht ein Zufall / Fehler ist und hat darüber einen Beitrag geschrieben und zu diesem auch ein Bild bei Instagram gepostet. Wer von euch Interesse hat, der Diskussion bei Instagram zu folgen, der kann dies hier tun.

Dass Mikroplastik im Produkt enthalten ist, fällt allerdings vielen Konsumenten nicht direkt auf, da bei der Deklaration des Produktes zwischen zwei Inhaltsstoffen schlichtweg ein Komma fehlt. So hat auch die App Codecheck (siehe auch unseren Beitrag zu Codecheck) das Produkt zunächst ohne Mikroplastik ausgewiesen. Sprich, das Crosspolymer wurde aufgrund des fehlenden Kommas von Codecheck schlichtweg nicht als Mikroplastik erkannt. Zwischenzeitlich hat jemand dort eine Korrektur vorgenommen, das Komma entsprechend eingefügt und nun wird jedem Nutzer der App deutlich angezeigt, dass es sich laut Codecheck bei dem Inhaltsstoff um Mikroplastik handelt (Direktlink zum Produkt).

Inhaltsstoffe (und wo ein Komma fehlt):

AQUA, PROPANEDIOL, GLYCERIN, PENTYLENE GLYCOL, BUTYLENE GLYCOL, SODIUM HYALURONATE, XANTHAN GUM, HYDROLYZED HYALURONIC ACID, CENTELLA ASIATICA EXTRACT, HYDROLYZED CANDIDA SAITOANA EXTRACT, SCUTELLARIA BAICALENSIS ROOT EXTRACT, POLYGONUM CUSPIDATUM ROOT EXTRACT, GLYCYRRHIZA GLABRA (LICORICE) ROOT EXTRACT, CAMELLIA SINENSIS LEAF EXTRACT, HYDROXYACETOPHENONE, PHENOXYETHANOL, CHAMOMILLA RECUTITA (MATRICARIA) FLOWER EXTRACTACRYLATES/C10-30 ALKYL ACRYLATE CROSSPOLYMER, SODIUM HYDROXIDE, DISODIUM EDTA, ETHYLHEXYLGLYCERIN, ROSMARINUS OFFICINALIS (ROSEMARY) LEAF EXTRACT.

Sehr offensichtlich sieht der Hersteller dies aber nach wie vor anders, denn anders ist die Reaktion seitens Svenja Walberg auf den Beitrag schwer zu verstehen. Auch einige Fans haben sich lautstark geäußert und teilweise recht unpassende Kommentare gepostet und ihre „Marke“ verteidigt, was mit Sachlichkeit wenig zu tun hatte. Eine solche Markenverliebtheit ist uns persönlich unverständlich, sei den Kunden von Svenja Walberg aber gegönnt. So schreibt svenja_walberg_official öffentlich auf Instagram unter den Beitrag von Blondblog, das es sich bei dem Crosspolymer nicht um Mikroplastik handelt und man eben nicht alles glauben sollte, was irgendwer so behauptet.

Die Aufforderung an uns

Wie schon eingehend angemerkt wurde, wurden wir zudem selber per PN auf unserem Instagram Account (naturlichschoener) von svenja_walberg_official angeschrieben, nachdem wir den Beitrag bei Blondblog kommentiert hatten. Uns wurde ebenfalls nochmals mitgeteilt, dass es sich nicht um Mikroplastik handle und entsprechende Äußerungen rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Wir sollten eben nicht alles von jeder Person glauben, sondern uns selbst ein Bild machen. Dieser Aufforderung kommen wir selbstverständlich gerne nach und es war der schlussendliche Grund, an dieser Stelle offen darüber zu schreiben.

Verbrauchertäuschung? Ein Blick auf die Inhaltsstoffe und die Werbebotschaft des Produktes

Auf den Hinweis mit dem fehlenden Komma wird von Svenja Walberg weder unter dem Beitrag, noch in der PN an uns eingegangen. Es ist aus unserer Sicht schon befremdlich, dass man damit wirbt, dass kein Mikroplastik enthalten ist und gleichzeitig an genau dieser Stelle, an der Mikroplastik aufgeführt wird, verschiedene Inhaltsstoffe durch fehlende Kommas schlichtweg nicht sauber getrennt werden. Die Frage die sich Blondblog gestellt hat, ob es sich um eine Täuschung oder gewollten Betrug am Kunden handelt, ist somit durchaus berechtigt.

Gleichzeitig hat svenja_walberg_official öffentlich kundgetan, dass ein solche öffentliche Aussage rechtliche Konsequenzen haben wird. Auch das ist im Rahmen von Krisenmanagement schon eine grenzwertige Äußerung, insbesondere wenn man selber in dem vorstehenden Kommentar deutlich nochmal betont, dass man aus voller Überzeugung auf Mikroplastik verzichtet und nur sichere und hochwertige Inhaltsstoffe verwendet. Es stellt sich uns also die Frage, ob der Hersteller schlicht unwissend ist oder nur Unwissenheit vorschiebt, doch dazu gleich mehr.

Svenja Walberg: Auszüge aus der Diskussion bei Instagram

Was ist Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer

Wie man als Hersteller jedenfalls offen behaupten kann, dass es sich nicht um Mikroplastik handelt, ist schlichtweg nicht nachvollziehbar, wenn man selber von Polyacrylat schreibt. Jeder mit etwas Erinnerung an seinen vertieftem Chemie-Unterricht wird wissen, dass es sich dabei um Kunststoff bzw. synthetische Verbindungen handelt. Wer es nicht mehr weiß, kann gerne hier bei Wikipedia nochmal nachlesen. Ähnliches gilt für Copolymere (passend bei Wikipedia unter Kunststoffkunde abgelegt). Ganz so einfach scheint es aber doch nicht zu sein.

Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer ist, worauf svenja_walberg_official auch in der PN an uns nochmals hinweist, eine salzähnliche Substanz, die wasserlöslich ist, wodurch es sich nach Auffassung des Herstellers nicht um Mikroplastik handelt.  Per Definition gelten als Mikroplastik allgemein Kunststoffteilchen mit einer Grösse von unter fünf Millimetern. Allerdings stufen viele seriöse Quellen alle synthetischen Polymere ebenfalls als Mikroplastik ein, die löslich, unlöslich oder in Wasser quellbar sind. Einige Hersteller verweigern sich dieser Einstufung allerdings. Unter genau diese Einstufung fällt auch der Inhaltsstoff Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer.

Was ist Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer nun genau? Es ist ein Copolymer, das aus verschieden Inhaltsstoffen besteht. Polymere entstehen aus großen Monomer Ketten, die sich zu molekularen Netzen vereinigen können und bis auf ganz wenige Ausnahmen organisch sind. Hier bleibt anzumerken, dass auch unnatürlich wirkende Stoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle zu den organischen Verbindungen zählen, da diese aus Kohlestoffverbindungen (wie auch Lebewesen) bestehen. Viele synthetische Produkte wie eben auch Kunststoffe und Plastik sind also somit letztlich organischen Ursprung. Acrylat Crosspolymer entsteht nun, wenn man C10-30 Alkyl Acrylat mit Monomeren aus Acrylsäure oder Methacrylsäure verbindet, woraus ein wasserlösliches Pulver entsteht. Dieses Pulver wird in Europa als Carbopol, Copolymere oder Carbomer bezeichnet und wird international im Bereich der kosmetischen Inhaltsstoffe (INCI) als Acrylat Crosspolymere betitelt.

Acrylat Crosspolymere fungieren dabei häufig als Verdickungs- und Emulsionsmittel und sind in der Kosmetik bspw. für die Herstellung von flüssigen und klaren Gelen nützlich. Acrylat Crosspolymere sind nicht nur in dem Produkt von Svenja Walberg  enthalten, sondern werden in vielen Kosmetikprodukten verwendet (Naturkosmetik ausgenommen). Zu finden sind sie unter anderen in Feuchtigkeitscremes, Gesichtsmasken, Anti-Aging Produkte, Shampoos, Tönungen, Lotionen und auch in vielen Sonnencremes.

Wem Wikipedia und die vorstehende Erklärung noch nicht aussagekräftig genug ist, dem bleiben zudem weitere Quellen (bspw. Annemarie Börlind (PDF), BUND (PDF), Codecheck (PDF), UNEP (PDF), Leibniz Universität Hannover (siehe Bild) sowie Greenpeace und noch viele andere), die Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer ganz klar als Mikroplastik deklarieren. 

So schrieb bspw. ein anderer Hersteller in einer Stellungsnahme zu dem Thema bspw.:

[Auszug…] Im Frühjahr 2016 wurden vom Umweltbundesamt weitere Inhaltsstoffe (Styrene/Acrylates Copolymer, Polyquaternium-7, Acrylates/C10-30 alkyl acrylate crosspolymer und andere) als Mikroplastik definiert. Das ist neu und überraschend. Bisher fielen diese wasserlöslichen Stoffe nicht in die Kategorisierung der Kunststoff-Mikropartikel und man ging davon aus, dass sie die Kläranlagen nicht passieren. Doch natürlich nehmen wir diese jüngste Erkenntnis des Umweltbundesamtes sehr ernst. Um den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Dinge zu kennen und zu verstehen, sind wir bereits im intensiven Austausch mit der zuständigen Stelle und der Prüfung möglicher Optionen. 

Es ist auch unerheblich, wie groß oder klein die Bestandteile sind. Schön ist genau dies in der Studie zu Mikroplastik (PDF) im Interview (Seite 7) auf den Punkt gebracht worden. Wie schon vorstehend angemerkt, sprechen einige Hersteller aber nach wie vor gerne davon, dass flüssiges Plastik / Polymer eben kein Mikroplastik ist und erkennen es daher nicht als Mikroplastik an. Das ist natürlich sehr praktisch, wenn man den Inhaltstoff einsetzen will. Hierauf verweist bspw. auch das Regierungspräsidium Darmstadt (PDF, auf Seite 25) und auf genau diesen Punkt will sich scheinbar auch Svenja Walberg berufen. Zumindest wenn man die Aussagen des Herstellers wertet.

Eigentlich stellt sich eher die Frage, ob derart kleine und lösliche Polymere nicht noch viel schädlicher für die Umwelt sind, als größere Mikroplastik Teilchen. Es ändert aber nichts daran, dass die Größe der Teilchen unter 5mm liegt und es sich somit per Definition um Mikroplastik handelt. Auch Salz und andere Stoffe sind in Wasser löslich, deswegen aber schlichtweg nicht verschwunden. Derart kleine Teilchen bis in den Bereich der Nanopartikel können sich noch viel leichter in Organismen anreichern als größere Teilchen. Und dass Mikroplastik inzwischen in vielen Flüssen, Meeren und auch in Trinkwasser und Lebensmitteln nachgewiesen wurde, ist kein Geheimnis. Das kann schnell über Google recherchiert werden.

Es bleibt zudem anzumerken, dass Svenja Walberg auf Ökotest verweist und schreibt, dass Ökotest diesen Inhaltsstoff nicht abwertet. Das ist nachweislich eine Falschaussage. Ökotest wertet Acrylates Copolymer (AC) und auch Acrylate Crosspolymer (ACS) durchaus ab. Noch in der Ausgabe September 2017 bei Duschgel und –schaum der Fall. Einen langen Artikel zu Mikroplastik (über drei Seiten) und deren Einschätzung hat Ökotest zudem – zeitgleich mit einem Test über Köperpeelings – in der Ausgabe Februar 2017 veröffentlicht. Wir verstehen die gut recherchierte Zusammenfassung von Ökotest so, das auch Ökotest syntetische Polymere als Mikroplastik einstuft. Ebenso ist dort im Test in der Fußnote genau der Inhaltsstoff Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer aufgeführt und bewirkt beim Ergebnis eine Abwertung um volle zwei Noten.

Da stellt sich die Frage, wie ein Hersteller schlichtweg die Tendenzen der Wissenschaft und Berichterstattung ignorieren und weiterhin auf dem Standpunkt stehen kann, das es sich bei dem Inhaltsstoff nicht um Mikroplastik handelt und dies auch noch werbewirksam auf sein Produkt schreibt. Das ist schlichtweg unverständlich.

Blondblog: Auszüge aus der Diskussion bei Instagram

Blondblog hat Svenja Walberg nach den Statements unter dem Instagram Posting aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben, welche entsprechend nachweist, dass es sich nicht um Mikroplastik handelt. Sie wäre selbstverständlich bereit, diese auch entsprechend zu teilen, wenn sie sachlich formuliert wäre und wissenschaftliche Quellen enthielte, die nachweislich belegen, dass es sich nicht um Mikroplastik handelt. Das dürfte dem Hersteller aber schwer fallen. Dieser Aufruf ist bereits einige Stunden alt, allerdings hat Svenja Walberg Cosmetics hierauf bislang nicht reagiert. Sollte eine Stellungnahme noch erfolgen, werden wir diese selbstverständlich hier auch ergänzen. Auch wir lassen uns gerne vom Gegenteil überzeugen, auch wenn alle öffentlichen Quellen etwas anderes aussagen.

Unser Fazit

Wir bei Natürlich Schöner vertreten die Auffassung, dass aus Umweltgründen sämtliches Mikroplastik und synthetische Polymere in Form von Nanopartikeln politisch verboten werden sollten, da die freiwillige Selbstkontrolle der Hersteller diesbezüglich gescheitert ist. Auch was wir von Greenwashing halten, haben wir bereits an verschiedenen Stellen kund getan. Dieser Fall ist aus unserer Sicht eine neue Dimension und ebenfalls eine Art von Greenwashing! Das verhemmte Vertreten eines Standpunktes, wenn viele Quellen anderes aussagen, mutet seltsam an. Wie schon oben angemerkt, stellt sich da die Frage, ob der Hersteller schlichtweg unwissend ist oder oder nur Unwissenheit vorschiebt. Wir wissen es nicht.

Da direkt mit rechtlichen Konsequenzen gedroht wird, müssen wir uns an dieser Stelle allerdings fragen, ob mit der Drohung nicht schlichtweg mundtot gemacht werden soll um eine Schädigung der Marke zu verhindern. Versteht uns nicht falsch, vom rechtlichen Aspekt spricht überhaupt gar nichts gegen die Verwendung von Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer in kosmetischen Produkte. Viele konventionelle Hersteller setzen den Stoff nach wie vor ein. Die Hersteller werben aber nicht wie Svenja Walberg gleichzeitig damit, dass das Produkt „Frei von Mikroplastik“ wäre. Die Verwendung des Inhaltstoffes ist nach heutigem Stand also per se nicht verwerflich, um es deutlich zu formulieren. Eine entsprechende Werbeaussage ist aber zumindest vom moralischen Standpunkt bedenklich!

Wie ihr seht, haben wir uns gern auf Bitten von Svenja Walberg nochmals selber ein Bild gemacht. Wir stufen Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer wie auch viele andere Quellen weiterhin als Mikroplastik ein. Für uns ist die Werbung „Frei von Mikroplastik“ daher durchaus als Täuschung des Verbrauchers zu verstehen. Unserer persönlichen Auffassung nach, gehört dieses Produkt aufgrund des falschen Werbeversprechens daher aus dem Handel genommen. Wir vertreten die Auffassung, dass der Hersteller entweder sein Werbeversprechen auf der Verpackung ändern oder einen anderen Inhaltsstoff verwenden sollte.

Wie seht ihr das? Wir sind an eurer Meinung interessiert.

11 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    schön, dass ihr das Thema weiter diskutiert.
    Vielleicht ändert sich dadurch etwas!

    Ich muss aber auch sagen, dass für mich persönlich ist das Ganze wenig angenehm.
    Mir hat die Inhaberin der Marke direkt nachdem ich den Instagram-Post veröffentlicht habe mit rechtlichen und „sonstigen“ Konsequenzen gedroht. Dazu noch die Attacke ihrer „Fans“. Niveaulos und verletzend.

    Ich verbringe wirklich viel Zeit damit Inhaltsstoffe zu recherchieren und meine Leser zu informieren. Konstruktive Kritik ist für mich selbstverständlich, aber ich hätte nie damit gerechnet so angegriffen zu werden.
    Und da die rechtliche Lage in Bezug darauf „Was Mikroplastik ist, und was nicht“ entspricht leider nicht die Realität, mache ich mir Sorgen :(

    Liebe Grüße
    Kamila

  2. Super Artikel!
    Ich kannte die Marke bisher nicht; als Kundin werden sie mich nun sicher nicht gewinnen ;).
    Mir ist ja nicht ganz klar, was man da für rechtliche Schritte einleiten möchte. Den Tatbestand der Verleumdung führt man ja mit dem plakativen Aufdruck irgendwie ad absurdum. Als Konsumentin würde ich mich da mehr Ehrlichkeit wünschen; scheint aber nicht „en vogue“ zu sein. Michaela hatte ich mich vor ein paar Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass auch mein geliebtes Cremebad von Dresdner Essenz Mikroplastik enthält. Ich hatte bereits im Februar Kontakt zur Marke aufgenommen und mich beschwert. Bis heute aber nie eine Antwort erhalten. Nachdem DE nun einige neue Produkte gelauncht wurden, hatte ich auf einem Insta-Account, dem ich folge entsprechend kommentiert. Plötzlich reagierte die Marke darauf. Sie würden in neu entwickelten Produkten dieses vermeiden, desweiteren sei Styrene/Acrylates Copolymer eigentlich kein Mikroplastik. Ich verwies auf den Blauen Engel, der dieses schon länger als eben genau dieses einstuft. Aber auch darauf bekam ich dann keine Antwort mehr. Schade! Hier liegt der Fall natürlich etwas anders; die konventionellen Produkte werben nicht damit, dass sie kein Mikroplastik enthalten und können natürlich umweltrelevante Bestandteile enthalten. Wenn eine Marke dann aber zertifizierte NK-Produkte im Programm hat, dann frage ich mich schon wie ernst diese Umweltdenken ist…

  3. Vor ein paar Wochen bin ich in einem anderen Zusammenhang auch auf das Problem Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer gestoßen und habe lange Zeit recherchiert. Interessant ist, dass im deutschsprachigen Netz sofort auf den BUND verwiesen wird und der Stoff als Mikroplastik betitelt. Im englischsprachigen Netz sieht das allerdings anders aus.
    Frau Walbergs Stellungnahme bei Instagram hat bei mir sofort die Alarmglocken schrillen lassen. Allerdings deshalb, weil ich genau diese Begründung (wenn auch auf englisch) im Netz gelesen hatte!

    Die INCI-Bezeichnung für das Pulver Carbomer ist Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer. Carbomer bei Codecheck eingegeben liefert ein überraschendes Ergebnis, nämlich unbedenklich. https://www.codecheck.info/inhaltsstoff/Carbomer

    Auch bei Highdroxy, die großen Wert auf gute INCI legen, habe ich hierzu etwas gefunden: „CARBOMER:
    Gehört zur Gruppe der Filmbildner und Verdickungsmittel. Carbomer ist ein künstlich aus Polyacrylsäure hergestelltes Gel, das in seinem Gelgerüst Feuchtigkeit bindet. Wird auch in Tränenersatzmitteln verwendet und ist absolut unbedenklich. Polyacrylsäure hat trotz der begrifflichen Nähe („Poly“) nichts mit Mikroplastik und auch nichts mit Silikon zu tun.“

    Ich bin keine Chemikerin, aber ich bin wirklich unsicher, ob hier tatsächlich Mikroplastik vorliegt. Zumal immer und immer wieder BUND als Quelle genannt wird und ich es zweifelhaft finde, wenn sich alle Welt auf eine einzige Quelle beruft! Mit Begriffen wie „Verbrauchertäuschung“ oder gar „Betrug“ wäre ich aber sehr vorsichtig, solange das nicht eindeutig geklärt ist.

    LG Andrea

    • Hallo Andrea,
      nicht nur BUND spricht bei Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer von Mikroplastik. Auch im englischen Netz (soweit sich da per google.com von Deutschland aus recherchieren lässt) wird an mehreren Stellen von Microplastic gesprochen. Wie oben geschrieben, so ist es ein grenzwertiges Thema. Der Stoff per se ist ja nicht geächtet und darf eingesetzt werden. Wir stufen es für uns nach der Recherche weiterhin als Mikroplastik ein, da verschiedene Quellen – die ich durchaus als seriös ansehe – diese Auffassung vertreten. Umgekehrt ist es nahezu nicht möglich eine wissenschaftliche Quelle zu finden die Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer eben nicht als Mikorplastik einstuft. Carbomer ist im Übrigen nur eine mögliche Bezeichnung, wie oben auch geschrieben.

      Wenn dann konnten wir immer nur Hersteller recherchieren, die diese Auffassung vertreten, dass es kein Mikroplastik ist, wenn dieser Stoff dort eingesetzt wird. Umgekehrt aber eben auch Hersteller, die Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer ganz klar als Mikorplastik einstufen. In der einen Quelle (Regierungspräsidium Darmstadt) wird auch explizit drauf verwiesen, dass einige Hersteller den Inhaltsstoff eben nach wie vor nicht als Mikroplastik einstufen. Ein großer Kosmetikhersteller mit vielen großen und bunten Flaschen schreibt bei entsprechenden Fragen von Kunden regelmäßig das von mir zitierte Statement als Antwort unter die Frage der Kunden. Der Markt scheint sich da eben sehr uneinig zu sein, aber die Tendenz geht insgesamt dahin, dass es sich eben um Mikroplastik handelt.

      Auch wir sind keine Chemiker und solche Themen wurden bei mir im Studium nur angeschnitten. Wir lassen uns in der Sache daher gerne überzeugen, wie schon oben geschrieben. Das Wort Betrug haben wir nicht verwendet, aber ich sehe es bei einem derart Zweifelhafte Inhaltsstoff schon als Verbrauchertäuschung an, wenn man schreibt „Frei von Microplastik“. Da stelle ich mir die Frage, ob der Hersteller unwissend ist oder die Problematik um den Inhaltsstoff und der vorliegenden Informationslage schlichtweg ignoriert. Egal was zutrifft, so muss man sich bei der Datenlage eine solche Frage durchaus gefallen lassen. Im Zweifel hätte man auch einfach einen anderen Inhaltsstoff verwenden können oder noch einfacher, einfach auf den Hinweis „Frei von Mikroplastik“ verzichten können. Eben, wie es viele andere Hersteller auch tun. Dann wären in der Frage überhaupt keine Diskussionen aufgekommen. Das aber direkt mit rechtlichen Konsequenzen gedroht wird, wenn genau die Frage aufgeworfen wird, das lässt doch tief blicken.

      Dass es so eine Verbrauchertäuschung ist, das ist unsere persönliche Auffassung und beruht eben auf der frei verfügbaren Faktenlage im Netz. Eben auf unserer Auffassung, dass es sich bei Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer um Mikroplastik handelt. Ich nenne das auch Meinungsfreiheit und unsere Auffassung muss nicht unbedingt geteilt werden. Wie geschrieben, wir sind gerne bereit uns vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Der Hersteller hat ja explizit darum gebeten, dass wir hierzu recherchieren. Dem sind wir nachgekommen.

      Stutzig macht aber in dem Zusammenhang noch immer, dass man scheinbar versucht hat den Inhaltsstoff ein wenig im Text untergehen zu lassen. Vielleicht war das auch schlicht ein Fehler, doch normalerweise wird so was mehrfach gecheckt um Fehler vor dem Druck zu vermeiden. Es mutet schon seltsam an, das es genau an der Stelle zudem passiert.
      LG Lars

  4. Toller Artikel!
    Das mit den Acrylates / C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer ist immer so eine Sache. Ich hatte Kneipp deswegen angeschrieben, und sie sagten mir auch, dass es eigentlich kein Mikroplastik ist. Bei den neuen Produkten würen sie darauf verzichten. Aber jetzt sind neue Produkte auf dem Markt, wo es dann auch wieder drin ist.

  5. Grossartiger, gut recherchierter Beitrag, vielen Dank dafür. Für mich handelt es sich ganz klar um Mikroplastik und ich meide Produkte mit dem Stoff seit langem.
    Die Reaktion des Herstellers ist eine Katastrophe, gelinde ausgedrückt.
    Ich bin gespannt auf weitere Aussagen.
    Liebe Grüße, Viktoria

  6. Ich schließe mich Eurer Auffassung komplett an. Wie schon auf Instagram erwähnt, ist es ohnehin schwierig, sämtliche Begrifflichkeiten richtig zuzuordnen und wenn dann noch ein Komma fehlt, falsch gesetzt ist oder sonstiges, können Zusammenhänge schnell mal auseinander gerissen werden und einen anderen Sinn ergeben, in dem Fall ein Nichtvorhandensein von Mikroplastik. Ich hatte bisher geglaubt, da man Codecheck nicht als Maßstab nehmen kann, sondern lediglich als groben Überblick, dass der Blick auf ein Produkt reicht und es keine bessere Quelle gibt, wenn man sich über die INCIs informieren möchte. Für mich ist auch sekundär, welche Absicht dahinter steckt, wenn diese Inhaltsstoffe eben nicht ordnungsgemäß deklariert werden oder ob überhaupt eine Absicht dahinter steckt – ich kann das nicht beurteilen und ich denke, man wird es auch nicht erfahren, so oder so. Aber, was man daraus lernt, dass man einfach nicht vertrauen darf – und das finde ich hier wirklich am Schlimmsten. Als Verbraucher ist man auf eine korrekte, zweifelsfreie Kennzeichnung angewiesen, gerade jene Personen, die konsequent darauf achten möchten. Wie gut, dass es sich hier um kein Lebensmittel mit Nüssen handelt – da ist ein Verbraucher zwingend darauf angewiesen, dass er sich auf die Inhaltsangaben lassen muss oder seine Gesundheit gefährdet und das nicht gerade wenig. Danke für diesen wirklich sehr informativen und leider auch notwendigen Beitrag.

  7. Echt interessant, ich kenne die Marke ja überhaupt nicht, aber das finde ich schon echt interessant, ob nun Fehler oder nicht, dieser Stoff ist in vielen Cremen usw. drin, ich hab mir das mal näher angeschaut. Laut Codecheck wird es ja als Mikroplastik eingeteilt und da hat es mich echt gewundert, das sogar in Kindersonnencremen dieser Stoff enthalten ist. Da wurde ich hellhörig. Ich selbst kaufe mir jedenfalls kein Produkt mehr, wo dieser Stoff enthalten ist.
    Aber bei manchen Produkten die ich zugeschickt bekomme und die mal näher unter die Lupe (Codecheck) genommen habe, ist dieser Stoff doch immer wieder mal wo drin.

    Höchsten Respekt vor eurer Arbeit und das ihr so genau und gut recherchiert – das ist ja nicht gerade wenig Arbeit. Vielen dank für die Aufklärung!!!

    LG babsi

  8. Erst heute habe ich das Produkt gekauft… ich habe den Inhaltsstoff gelesen, aber da kein mikroplastik dabei stand ging ich davon aus dass es stimmen muss! Wie dumm von mir. :| Mir ist das sehr wichtig kein Mikroplastik mir auf die Haut zu schmieren und 15€ tun gerade meinem Geldbeutel sehr weh als Studentin. Ich bin echt sauer und enttäuscht. Ich hoffe sehr dass das eher Konsequenzen für Ihre Firma haben wird, da sie die Jenige im Unrecht ist! Ich denke ich Probier es mal mit umtauschen… für Lügner ohne Einsicht möchte man nicht zahlen..

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