Warum wir in Deutschland und Europa eine ökologische Steuerreform brauchen. Wie wir unsere Welt dadurch nachhaltig verändern könnten und warum das mehr Fairness für alle und mehr Umweltschutz bedeuten würde. Eine Idee mal Gedanklich durchgespielt.

Wie schon ich schon im anderen Beitrag abschließend geschrieben habe (könnt ihr hier nachlesen), bin ich dafür, unser Steuersystem nachhaltig zu verändern. Ich möchte ein System etablieren, in dem unternehmerische Verantwortung und Weitsicht belohnt wird und zwar in jeglicher Hinsicht. Ein Weg dorthin könnte eine nachhaltige ökologische Steuerreform sein, die mehr als eine einfache Besteuerung wäre, sondern gleichzeitig Entwicklungshilfe und Wertschätzung unseres Planeten – zunächst in Deutschland, besser noch gemeinschaftlich in ganz Europa! Wäre das nicht ein wegweisender Weg?

Status Quo

Es wird bei uns gerne als schlechtes Beispiel über die industrielle Revolution gesprochen und was wir als westliche Staaten damals alles falsch gemacht haben, da uns Umweltschutz nahezu nicht interessiert hat. Sprich, dass Abwässer in Flüsse geleitet wurden, Gifte einfach hinter der Halle ausgekippt wurden und so weiter.

Betrachtet man dies aber mal genauer, stelle ich mir tatsächlich die Frage, ob wir als aktuelle westliche Generation nicht viel schlimmer sind? Sind wir nicht schlichtweg scheinheilig, da wir unsere Umweltsünden kaschieren und alles durch eine rosarote Brille betrachten? Wir tun so, als würden wir recyceln (grüner Punkt), erstellen Umweltauflagen für unser Land / EU und tun in vielen anderen Dingen, als wären wir ökologisch und nachhaltig. Gleichzeitig wird aber bspw. mit Emissionsrechten Handel betrieben und Firmen kaufen sich entsprechende Zertifikate einfach. Darüber hinaus produzieren wir Unmengen an Müll (Plastik), konsumieren in jeglicher Beziehung zu viel und verpulvern für unsere Mobilität immer mehr fossile Brennstoffe. Wenn man an die morgendlichen und abendlichen Autokarawanen der Pendler, die täglichen Staus und ähnliches denkt, müsste eigentlich jedem schlecht werden. Ebenso stelle ich mir die Frage, brauchen wir 1-Euro-Läden, in denen häufig derart billiger Plastikkram angeboten wird, der nach kürzester Zeit kaputt im Müll landet? Brauchen wir Modediscounter, die T-Shirts für 3 Euro anbieten, damit man sich dann dank des günstigen Preises einfach direkt drei kauft? Am besten noch wöchentlich und wovon zwei dann dauerhaft ungenutzt im Schrank liegen? Wir sind eine Konsum- und Wegwerfgesellschaft, eine Gesellschaft, die ihr eigenes Tun nicht im Ansatz hinterfragt. Es scheint ja oberflächlich betrachtet alles in Ordnung zu sein! Wir haben ja ein Umweltministerium und hohe Umweltauflagen für alles! Alles ist doch gut, oder nicht?

Wir verdrängen dabei, dass viele Produkte unter katastrophalen Bedingungen in anderen Ländern produziert werden. Ländern, in den Umweltauflagen nicht viel bedeuten, da es ausschließlich um wirtschaftliches Wachstum geht. In Ländern, wo auch die Löhne einfach schlichtweg billig sein müssen, um das Konsumverlangen der westlichen Länder nach billigen Produkten zu befriedigen. Gleichzeitig vergessen wir, dass Ressourcen (insbesondere Fossile) endlich sind.

Wie schlimm wir als westliche Konsumgesellschaft teilweise sind, ist mir vor einiger Zeit in der Innenstadt aufgefallen, als ich einen Kaffee getrunken habe. Da kamen tatsächlich zwei junge Mädels mit Pri**** Taschen in den Laden und verschwanden auf der Toilette. Als sie wieder hervor kamen, hatten die Mädels sich einmal komplett umgestylt und marschierten wieder aus dem Laden heraus. Schräg, aber bis hierhin noch nicht verwerflich. Draußen an der öffentlichen Mülltonne entsorgten die beiden Mädels dann allerdings die beiden Taschen mit der alten Kleidung und gingen ihres Weges. Ja, ihr habt richtig gelesen, die Mädels haben die alte Kleidung einfach in die öffentliche Mülltonne geworfen! Diese Szene löste zum Glück nicht nur bei meiner Person Entrüstung aus, sondern auch noch an einigen anderen Tischen.

Es zeigt aber sehr anschaulich, wie gering unsere Wertschätzung gegenüber Produkten und der Arbeitsleistung anderer Menschen geworden ist. Zudem zeigt es anschaulich, dass unser Konsumverlangen in vielen Sparten rücksichtslos ausgelebt wird. Viele Produkte sind heute einfach zu billig – so billig, dass einige Menschen in ihrem Denken schon so weit sind, dass Wegwerfen sinnvoller erscheint als weiter Verkaufen oder Verschenken. Es zeigt eine Art von Verrohung unsere Gesellschaft, die meiner Meinung nach auch wenig mit Bildung und sozialen Unterschieden zu tun hat. Es fehlt schlichtweg an Aufklärung und für jeden Konsumenten nachvollziehbaren Kenngrößen. Das Hauptproblem unserer westlichen Gesellschaft ist eindeutig der immer weiter ausschweifende Konsum. Würde man anfangen, diesen nachhaltiger zu steuern, würde man gleichzeitig viele Probleme in der Welt automatisch mit verbessern!

Wie kann man Konsum nachhaltiger gestalten?

Wie also könnte man es schaffen, Konsum nachhaltiger und ökologischer zu gestalten? Hierzu habe ich mir lange Gedanken gemacht und ich glaube dies geht nur mit politischer Regulierung. Ich glaube, es wird Zeit für eine Reformation der Mehrwertsteuer und auch vieler anderer Steuern. Die Mehrwertsteuer ist am 1. Januar 1968 in Kraft getreten und bis heute im Kern unverändert geblieben. Wenn man bedenkt, wie sehr sich unsere Gesellschaft seitdem verändert und mehrfach neu erfunden hat, dann wäre es an der Zeit das aktuelle Modell einmal nachhaltig auf den Prüfstand zu stellen. Der Sinn der MwSt. hat sich meiner persönlichen Auffassung nach bereits selber überlebt. Ebenso wie viele andere Steuern. Die Sektsteuer / Schaumweinsteuer bspw. wurde 1902 vom Reichstag zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt und sollte nur vorübergehend gelten, wir zahlen diese heute noch!

Warum am System rütteln? Zunächst einmal wurde in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weniger konsumiert als heute. Unsere Gesellschaft war bei weiten nicht so schnelllebig und Produkte waren langlebiger konzipiert. Auch die Wertschätzung gegenüber Produkten war eine ganz andere. Bei meinen Großeltern gab es z.B. noch so etwas wie die Sonntagskleidung, den Sonntagsanzug, den Sonntagshut und man kam mit deutlich kleineren Kleiderschränken aus. Möbel wurden damals für Jahrzehnte angeschafft und nicht für ein / zwei Jahre oder bis zum nächsten Umzug. Selbstverständlich profitiert unser Staat vom veränderteren Konsumverhalten, aber das Steuersystem ist nicht nachhaltig oder fair. Im Gegenteil: Je mehr ein Unternehmen unseren Planeten ausbeutet, je günstiger es produziert und seine Produkte anbietet, umso mehr profitiert das Unternehmen vom dem starren System der Mehrwertsteuer. Fair, nachhaltig oder ökologisch produzierende Unternehmen haben bei diesem System schlichtweg das Nachsehen. Solche Unternehmen sind in der Regel gezwungen, aufgrund von fairen Löhnen, umweltgerechter Produktion und unternehmerische Verantwortung die eigenen Produkte deutlich teurer anzubieten. Auf diesen höheren Preis wird dann die starre MwSt. erhoben, die das Produkt noch zusätzlich verteuert. Überlegen wir doch an dieser Stelle einmal alle: Ist das fair?

Die Ökologiesteuer

Ich glaube daher, man sollte einen Schnitt machen und die Mehrwertsteuer und alle anderen angelehnten Steuern / Verbrauchssteuern (Mineralölsteuer, Flugbenzinsteuer, Stromsteuer, Tabaksteuer, Sektsteuer, Kaffeesteuer, Brandweinsteuer, Biersteuer, Zwischenerzeugnissteuer usw.) abschaffen! An deren Stelle sollte eine Ökologie- / Nachhaltigkeitsteuer entstehen, die mit flexiblen Steuersätzen agiert. Eine Steuer, die Nachhaltigkeit, Ökologie und unternehmerische Verantwortung belohnt. Eine Steuer, die vom Prinzip her wie die Mehrwertsteuer fungiert und auf den Endverkaufspreis aufgeschlagen wird. Der Steuersatz könnte bspw. von 0-200 Prozent reichen.

Faire und nachhaltig produzierte Produkte würden im Rahmen der neuen Besteuerung ihren Wettbewerbsnachteil verlieren und würden gegenüber anderen Produkten konkurrenzfähiger. Diese ÖkoSt. (Ökologiesteuer) wäre dann in 5 Prozent Schritten zu definieren und auf dem Preisschild ähnlich wie bspw. beim schon bekannten EU-Energielabel in Klassen (A-D) und Farben (Grün bis Rot) auszuweisen. Das würde sich schlichtweg anbieten, da diese Einteilungen dem Konsumenten bereits bekannt sind.

Warum so ein drastischer Schritt? Weil ich glaube, dass die freiwillige Selbstkontrolle der Unternehmen gescheitert ist. Der Konsum in den westlichen Ländern wird immer ausschweifender und andere Länder wie China, Indien und andere Regionen stehen uns da bald in nichts mehr nach. Nur eine drastische politische Regulierung kann hier noch etwas bewirken, nämlich ein wirkliches Umdenken! Wenn ein führender Staat (Deutschland) oder eine Staatengemeinschaft (Europa) beginnen würden, glaube ich, dass viele andere Länder das System aufgreifen würden.

Ich finde es daher absolut zielführend und klatsche laut in die Hände, wenn ich lese, dass Schwellenstaaten und Entwicklungsländer Einwegplastik, Plastiktüten oder Plastikflaschen (bspw. Indien, Costa Rica, Marokko, Kenia oder Vanuatu) verbieten. Gleichzeitig macht es mich traurig, bestürzt und beschämt, dass ähnliches in Europa dank Lobbyismus und schlichtweg wirtschaftlichen Interessen nicht möglich ist. Nicht einmal bei Mikroplastik! So gesehen freut es mich, dass es Ansätze bei Verpackungen gibt, diese bspw. aus Bioplastik (auf Maisbasis, Holzresten, …) oder mit Weizenkleien, Zuckerrohr oder Palmblättern herzustellen. Etwas, das man auf alle Einwegverpackungen übertragen könnte.

GeSTEUERTes Umdenken

Warum könnte eine solche Ökologiesteuer ein wirkliches Umdenken bedeuten? Weil ich in dem Fall tatsächlich an die freiwillige Selbstkontrolle der Industrie glauben kann. Gibt man dieser Steuer einen entsprechenden Namen – also bspw. ÖkoSt = Ökologiesteuer –  wird Nachhaltigkeit und Ökologie viel mehr in den Fokus des Konsumenten gerückt. Auch heute gibt es schon eine Ökologiesteuer in Deutschland, auch wenn vielen das gar nicht so bewusst ist. Viel bewirken tut diese aber nicht und ist meiner Auffassung nach nur Augenwischerei.

Ich persönlich kann im Fall einer wirklichen ÖkoSt. aber an einen entsprechenden Lerneffekt der Konsumenten und Hersteller glauben. Das heißt, dass der Verbraucher wieder anfängt, mehr über seinen Konsum nachzudenken und sich überlegt, zu welchem Produkt er greift, da er durch die Steuersätze direkt erkennt, wie nachhaltig oder ökologisch ein Produkt wirklich ist. Ich denke zudem, die Werbekraft die sich für Unternehmen ergibt, wenn auf einem Produkt groß „0,0 Prozent ÖkoSt.“ drauf steht, ist immens.

Der Anreiz der Firmen, einen möglichst geringen Steuersatz auszuweisen, dürfte mit Einführung einer solchen Steuer exorbitant steigen. Denn wenn der Steuersatz (wie bereits heute verpflichtend 7 bzw. 19% MwSt.) deutlich sichtbar dem Verbraucher kommuniziert wird, so sollte sich das schlechte Gewissen sowohl beim Hersteller als auch beim Konsumenten bemerkbar machen.

Um es bildlich zu kommunizieren

Ein einfaches Fast Fashion T-Shirt beim Modediscounter kostet aktuell etwa 3 Euro inkl. MwSt. und ein Fair Fashion T-Shirt etwa 10 Euro inkl. MwSt. Aktuell wird der faire Produzent durch die pauschale Besteuerung mit 19% wirtschaftlich und in der Außenwirkung gegenüber dem Modediscounter bestraft. Ebenso der Konsument, der durch seinen „fairen“ Einkauf durch die pauschale MwSt. auf den Verkaufspreis nochmal mehr bezahlt.

Da man es besser versteht, wenn man es mit Zahlen untermauert hier mal eine Rechnung:

  • 3 Euro – 19% = 0,57 Euro Mwst. = 2,43 Euro für Produktion + Wsk
  • 10 Euro – 19% = 1,90 Euro Mwst. = 8,10 Euro für Produktion + Wsk

(Wsk = Wertschöpfungskette)

Geht man nun hin und rechnet die obige Rechnung mal auf eine ökologische Besteuerung um, dann wird der faire Produzent für den Einsatz für Nachhaltigkeit und Ökologie belohnt.

Rechnen wir das obige Beispiel nun mal mit der ökologischen Betrachtung durch:

  • 2,43 Euro Produktion + Wsk + 200% ÖkoSt. = 6,39 Euro Verkaufspreis
  • 8,10 Euro Produktion + Wsk + 0,0% ÖkoSt. = 8,10 Euro Verkaufspreis

Der Vorteil des Fast Fashion T-Shirts gegenüber dem nachhaltig produzierten Fair Fashion reduziert sich durch eine fairere Besteuerung auf gerade einmal 1,71 Euro. Gleichzeitig hat der Kauf des günstigeren Produktes einen faden Beigeschmack, der dem Kunden durch entsprechende Kennzeichnung deutlich kommuniziert wird.

Dies war nun ein schwarz/weiß Beispiel, aber ich denke, es wird offensichtlich, worauf ich hinaus will. Sicherlich gibt es auch viele Grautöne, die entsprechend zu berücksichtigen sind. So wird es nicht auf 0 oder 200 Prozent hinaus laufen, sondern auf viele verschiedene Steuersätze, die dem Konsumenten aber klar die Augen öffnen, wie fair sein jeweiliger Einkauf gerade ist.

Das bestraft doch sozial benachteiligten Familien!

Einfach und für jeden Konsumenten nachvollziehbar formuliert: Faire und nachhaltige Produkte und Produktion sollten gefördert und nicht bestraft werden. Denn das ist in unserem eigenen Interesse, im Interesse zukünftiger Generationen, im Interesse unseres Planeten. Sicherlich aber nicht im Interesse skrupelloser Geschäftemacher, Shareholder oder auf die nächste Bilanz orientierter Aktiengesellschaften.

Wer dies nicht versteht, muss vor sich selber geschützt werden und zwar durch politische Regulierung und nicht durch freiwillige Selbstkontrolle. Unabhängig davon, ob es sich um Konzerne oder Konsumenten handelt.

Freiwillige Selbstkontrolle funktioniert in solchen Fällen nicht, darüber waren sich alle einig, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe. Gleichzeitig wird aber immer direkt der schmale Geldbeutel vieler Familien angeführt, dass ein solches System nicht solidarisch wäre und die sowieso sozial benachteiligten Familien bestrafen würden. Nachhaltige und ökologische Produkte würden hauptsächlich durch besser betuchte Konsumenten erworben, so gesehen wäre doch die Welt in Ordnung.

Betrachtet man dies genauer, so kann ich dem nur bedingt zustimmen. Werden Produkte des unteren Preissegments etwas teurer, so bedeutet dies einfach nur, das man etwas weniger konsumiert und seine Sachen mehr wertschätzt. Es geht bei der Sache auch nicht um die Frage „Bio oder kein Bio“ sondern um die Frage, müssen Äpfel aus Chile kommen oder fördern wir durch eine entsprechende Steuer heimische Produkte, was allen wieder zugute kommt. Aktuell werden viele Streuobstwiesen nicht bewirtschaftet, da es sich wirtschaftlich schlichtweg nicht lohnt.

Es ist die Frage, brauche ich vier billige oder tun es auch schlichtweg zwei etwas teurere T-Shirts, Pullover, …! Darüber hinaus sind gerade in der Mode viele sehr teure Labels alles andere als ökologisch und nachhaltig und produzieren keinen Deut besser als Discounter.

Auch wir würden gerne schlichtweg nur nachhaltige Fair Fashion Mode kaufen, ich kann euch aber sagen, zu viert (2EW + 2KI) ist uns das aktuell auch schlichtweg nicht möglich. Wenn wir aber Kleidung kaufen, dann tragen wir diese sehr lange. Ich habe Jeans, die sind bereits 10 Jahre alt und funktionieren immer noch. Gute Schuhe sind bei mir schon mehrere Male neu besohlt worden. Das hat nichts damit zu tun, dass man sich nichts neues leisten kann, das ist in unserer aktuellen Konsumgesellschaft nun wirklich nicht das Problem, denn es gibt alles und in jeder Preisklasse. Wir finden es einfach falsch, funktionierende Dinge zu entsorgen.

Ebenso ist das obige Beispiel (0% vs. 200%) eine schwarz / weiß Variante. Wie schon angemerkt ist viel grau dazwischen, so dass viele Produkte gar nicht unbedingt teurer werden, sondern sich weiterhin in dem aktuellen MwSt. Bereich bewegen werden. Es wird keine so großen Änderungen geben, die Gesellschaft an sich wird sich nur nachhaltiger und ökologischer entwickeln.

Wen es wirklich hart treffen würde:

Jeden Produzenten, der Produkte teuer verkauft aber nicht fair und nachhaltig produziert,  würde diese Umstellung zunächst hart treffen. So wären viele teure Markenprodukte ebenfalls von einer hohen Ökologiesteuer betroffen und diese Produkte würden entsprechend noch teurer, als diese sowieso schon sind.

Um bei Mode zu bleiben: Gerade bei vielen Markenherstellern würde meiner Meinung nach sehr schnell ein Umdenken stattfinden, denn wie soll man seiner gut betuchten Klientel vermitteln, dass man nicht nachhaltig und ökologisch fertigt oder produziert? Viele Konsumenten wissen gar nicht, wie, wo und unter welchen Bedingungen bspw. eine Markenhose oder ein Poloshirt produziert werden. Durch eine entsprechende Kennzeichnung würde sich das ändern und der Griff zu einem fairen Produkt würde deutlich leichter. Marken und Produkte würden durch eine ÖkoSt. schlichtweg transparenter.

Der tägliche Konsum im Supermarkt und der Einwegmüll

Welche Probleme ergeben sich bei einer flexiblen Steuer?

Das Hauptproblem bei der Umsetzung einer flexiblen Steuer wäre sicherlich die Festlegung des jeweiligen Steuersatzes. Das würde eine neue Behörde notwendig machen, auch wenn man vieles über eine entsprechende Software lösen könnte. Rein praktisch wäre es in unserer modernen Welt problemlos umsetzbar. Die bestehenden Institutionen könnten in dieser neuen Behörde aufgehen. Wie heißt es so schön, eine App gibt es für alles.

Ein Unternehmen würde entsprechend der Kriterien des jeweiligen Wirtschaftszweiges die Angaben per Software an die Behörde übermitteln und den entsprechenden Steuersatz zurück gemeldet bekommen. Vieles davon ließe sich in der heutigen Zeit automatisieren. Die Kontrolle der richtigen Angaben würde – wie es bereits in anderen Bereichen praktiziert wird – stichprobenartig durch Steuerfahnder / Finanzbeamte durchgeführt. Entsprechende Strafzölle bei Verstößen wären obligatorisch und würden Betrügereien entgegenwirken. Die Strafen müssten schlichtweg einfach nur hoch genug sein, bspw. Nachzahlung der wahren Steuer + gleicher Betrag als Strafe.

Ein weiteres Problem wäre die Gewichtung des jeweiligen Steuersatzes. Hier müssten je nach Wirtschaftszeig und Branchen unterschiedliche Kriterien gelten und das macht es schwierig. Was bspw. bei Mode funktioniert, wird bei technischen Produkten schlichtweg komplizierter bis unmöglich. Je komplexer ein Produkt und dessen Baugruppen werden, umso komplexer würde auch die Bewertung werden. Man wird also nicht umhin kommen, je nach Branche unterschiedliche Kriterien heranzuziehen und diese entsprechend zu gewichten. Übergeordnete Kriterien könnten die drei Säulen der Nachhaltigkeit zzgl. des Punktes Ressourcen (inkl. Mobilität, Fracht, …) und eventuell Gesundheit sein:

  • Ökologie (Umweltschutz)
  • Ökonomie (Wirtschaft)
  • Soziales
  • Ressourcen

Und eventuell noch

  • Gesundheit (Zuckeranteil, …)

Bewerten würde man also je nach Branche die Langlebigkeit von Produkten, ob diese fair produziert wurden, ob die Baugruppen und Bauteile und das Produkt nach verfolgbar sind, ob das Produkt umweltverträglich hergestellt wurde und wieviel Ressourcen einschließlich Transport aufgewendet werden mussten. Das klingt zunächst sehr kompliziert und wird es bei komplexen Produkten (Fahrzeuge, Kameras, …) auch sein. Dies kann nur funktionieren, wenn man jeden Zulieferer ebenso in die Pflicht nimmt und diesen seine Daten zuliefern lässt. Einfacher ist das Ganze dagegen bei Mode, Kosmetik, Lebensmitteln, Möbeln und ähnlichem.

Glücklicherweise gibt es heute schon verschiedene Gütesiegel, wie bspw. Bluesign, die eine solche Nachverfolgung schon versuchen umzusetzen und worauf man durchaus aufbauen könnte. Ebenso gibt es viele Siegel wie Fair Trade, Fair Wear, NaTrue, Ecocert, BDIH und viele andere, die hier unterstützend tätig werden könnten. Auch ist Corporate Social Responsibility (CSR) in vielen Unternehmen heute schon durchaus ein gelebter Begriff, der dann sehr schnell Einzug in nahezu jedes Unternehmen finden würde.

Man könnte statt der einzelnen Produkte gegebenfalls auch das ganze Unternehmen bewerten und einen Modediscounter / Fahrzeughersteller auch pauschal einen Steuersatz zuweisen, wenn bspw. über 60% aller produzierten Produkte denselben Kriterien entsprechen, wobei die restlichen 40% dann eben wie die 60% besteuert werden müssten. Ein Gegenrechnen von gut / schlecht sollte und dürfte es nicht geben. So würde das Ausweisen des Steuersatzes für den Hersteller wiederum einfacher. Diese Entscheidungsfreiheit könnte man dem Hersteller überlassen.

Festlegen des Steuersatzes

Nach und nach würde man die Kriterien für jede Branche festlegen und so irgendwann eine ganzheitliche Betrachtung entwickeln und die Produkte entsprechend nach all diesen Kriterien bewerten.

Einmal anhand von vereinfachten Beispielen:

T-Shirt: Anbau / Material (Bio Baumwolle, Polyester, …) -> Leder vorhanden (wie gewalkt, produziert?) -> Veredelung (Chemie, Naturfarben, …) -> Faire Löhne (ja / nein) -> Transportwege insgesamt (auch während der Produktion) -> Steuersatz

Äpfel: Erzeugerland (Regional in Deutschland, Europa, Rest der Welt) -> Qualität (Bio Zertifiziert, gespritzt, Genverändert, …) -> Transportwege insgesamt -> Verpackung (Plastik, Papier, keine) -> Steuersatz

Kosmetik: Inhaltsstoffe (Parabene, Silikone, Mikroplastik, …) -> Zertifizierung (Naturkosmetik, …) -> Transportwege insgesamt -> Verpackung (Kunststoff, bio-Kunststoff, nachwachsende Rohstoffe, …) -> Steuersatz

Handy: Recyclinganteil / Recyclingfähigkeit -> Herkunft der Rohstoffe (seltene Erden, …) -> Herkunft der Baugruppen (Dokumentation durch Zulieferer) -> Transportwege insgesamt -> Verpackung (Kunststoff, Bio-Kunststoff, nachwachsende Rohstoffe, …) -> Steuersatz

Fleisch: Erzeugerland (Regional in Deutschland, Europa, Rest der Welt) -> Qualität (Bio Zertifiziert, …) -> Tierhaltung (Massentierhaltung, Kleinbetriebe mit „Glücklichen Tieren“) -> Futtermittel (Qualität, …) -> Transportwege insgesamt -> Verpackung (Plastik, Papier, keine) -> Steuersatz

Lederschuhe: Leder kommt woher (Regional in Deutschland, Europa, Rest der Welt) -> Veredelung (Chemie, Naturfarben, Umweltauflagen eingehalten, …) -> Faire Löhne (ja / nein) -> Transportwege insgesamt (auch während der Produktion) -> Steuersatz

Erkennt ihr, was eine ÖkoSt. bedeuten würde, auch wenn die Beispiele jetzt bewusst stark vereinfacht dargestellt wurden? Sicherlich würden viele Produkte teurer, andere dagegen günstiger. Fleisch aus Massentierhaltung würde sich verteuern, doch wäre das schlimm? Kosmetik, die unsere Umwelt und Meere mit Plastikpartikeln verunreinigt würde teurer, doch wäre das schlimm? Gleichzeitig würden regionale Produkte deutlich günstiger und würden wieder wettbewerbsfähiger. Die deutschen Äpfel wären wieder konkurrenzfähig und ebenso viele andere Produkte. Die regionale Wirtschaft würde gestärkt aus einer ÖkoSt. hervorgehen. Produkte, egal ob Lebensmittel aus Übersee oder billig produzierte Mode hätten dagegen das Nachsehen. Würde man die ÖkoSt. europaweit einführen, so würden sich diesbezüglich noch ganz andere ökonomische Effekte einstellen. So würden viele Landstriche wieder konkurrenzfähig gegenüber ausländischen Großerzeugern, da sich regionaler Anbau wieder lohnen würde. Das käme bspw. auch unseren südeuropäischen Ländern sehr zugute, wo bspw. Landwirtschaft in den letzten Jahren stark zurückgefahren wurde, teilweise Monokulturen entstanden sind oder komplette Branchen einfach dicht gemacht wurden. Dauerhaft würde man dank der ÖkoSt. eventuell auch die Subventionen in vielen Branchen zurückfahren können.

Wie würden sich die Steuereinnahmen entwickeln?

Das Interessante an der ganzen Idee: Das Steueraufkommen für das Land würden sich zunächst deutlich erhöhen, denn die Masse der aktuell in Deutschland verkauften Produkte ist zum jetzigen Zeitpunkt werde nachhaltig noch ökologisch, sondern ausschließlich auf günstigen Konsum ausgelegt. Wenn alle diese Produkte, die die Masse der Konsumgüter ausmachen, durch eine Ökosteuer teurer werden, so steigen die Einnahmen für den Staat.

Vielleicht ist das aber auch ein Trugschluss, da sich der Konsum durch die Preiserhöhungen einfach reduziert. Das wäre aber sicherlich ein zusätzlich positiver Effekt, da wir dadurch Ressourcen schonen und überlegter einkaufen würden. Wir als Konsumenten würden unsere Sachen wieder mehr wertschätzen. Sprich, eine solche Steuer wäre zugleich auch eine politische gelenkte Steuerung weg von der absoluten Konsumgesellschaft, hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft.

ÖkoSt. Plus

Wer bis hierhin mitgedacht hat, dem dürfte aber bereits aufgefallen sein, dass man dennoch nicht komplett um eine Pauschale herum kommen wird. Während sich beim produzierenden Gewerbe ein Steuersatz noch recht einfach definieren lässt, gibt es auch Bereiche und Branchen, in denen man nahezu keine Kriterien für die ÖkoSt. ansetzen könnte, z.B. bei Grundstücksgeschäften. Das Grundstück ist ein starrer Gegenstand, der sich schwer bewerten lässt. Egal ob landwirtschaftlich genutzt, ob es sich um Wald handelt oder um Bauland. Das Grundstück ist zunächst neutral, die Produkte, die das Land abwirft, lassen sich dagegen bewerten. Das Grundstück selber aber eben nicht. Hierfür und für ähnliche Fälle bräuchte man nach wie vor eine pauschale Besteuerung, sofern der Verkauf nicht von Privat erfolgt. Hier könnte man sich am aktuellen Prozentsatz der MwSt. orientieren und pauschale 10-20% andenken.

Arbeitsleistung, Dienstleister und Kleinunternehmer

Die Ökosteuer kann zudem nur bei Produkten angewendet werden, nicht aber auf Arbeitsleistung. Die ÖkoSt. Plus müsste daher ebenso auf Dienstleistungen und auch bei Kleinunternehmer Verwendung finden. Eine Dienstleistung oder Arbeitsleistung lässt sich nicht auf die Kriterien eines produzierenden Gewerbes übertragen. Während der Maler die festgelegte ÖkoSt. der verwendeten Produkte noch an den Kunden durchreichen kann, ist das bei der Arbeitsleistung an sich nicht möglich. Auch hier sollte im Fall einer Ökosteuer für die Erbringung einer Leistung der pauschale Steuersatz gelten. Die reine Arbeitsleistung, also der Stundensatz, würde auf der Rechnung nach wie vor pauschal besteuert. Anders wird es nicht funktionieren. Gleiches bei reinen Dienstleistungsgeschäften wie in Beratungen, Agenturen usw.

Ebenso bringt die ÖkoSt. zunächst einen höheren Verwaltungsaufwand mit sich, der insbesondere für kleinere Produzenten einen Wettbewerbsnachteil bedeutet. Die ÖkoSt. soll allerdings nicht bestrafen, sondern beflügeln und auch den Gründergeist nicht abwürgen. Daher wäre es ebenso sinnvoll, für kleine Unternehmen ebenso die pauschale Besteuerung zu übernehmen. Auch heute ist es bereits so, das Kleinunternehmer im Rahmen der Kleinunternehmerregelung bis zu einem bestimmten Satz keinerlei MwSt. ausweisen müssen. Im Rahmen der ÖkoSt. sollte man diesen Ansatz weiter verfolgen und unabhängig vom Betriebsalter produzierendem Gewerbe ermöglichen, bis zu einem zu definierenden Umsatz (bspw. 200.000 Euro) ebenfalls die pauschale ÖkoSt. in Anspruch zu nehmen zu können.

Buchführung wird komplizierter?

Würde der sich der Verwaltungsaufwand innerhalb von Unternehmen erhöhen? Ja, ich glaube schon. Zunächst würde die Buchführung komplizierter. Mit einer guten Software / App würde sich das aber ziemlich schnell einspielen. Auch heute gibt es schon unterschiedliche Sätze bei der MwSt.! Auf Hotelübernachtungen, viele Lebensmittel und andere Dienstleistungen und Produkte gibt es einen reduzierten Satz von 7% statt 19%. Statt zwei würden eben drei / vier / fünf verschiedene Steuersätze auf einem Kassenzettel ausgewiesen. Wäre das tragisch? Ich glaube nein!

Entwicklungshilfe durch ÖkoSt.

Ohne die ÖkoSt. – also die Idee – an dieser Stelle bis ins kleinste weiter analysieren und ausarbeiten zu wollen, gibt es noch einen ganz wichtigen Punkt, auf den ich unbedingt eingehen will: Entwicklungshilfe durch die ÖkoSt.

Genau, eine Ökosteuer wäre schlichtweg eine Entwicklungshilfe für benachteiligte Landstriche, regionale Produzenten, nachhaltige Firmen und den gesamten Bereich der Schwellenländer. Was meine ich damit?

Zunächst müsse wir uns einmal deutlich machen, das aktuell tatsächlich noch Millionen von Menschen in moderner Sklaverei (Sklaverei 2.0, Global Estimates of Modern Slavery [PDF]) leben, ohne die Möglichkeit sich zu verwirklichen, ohne die Chance auf Bildung. Ein Leben am absoluten Existenzminimum oder noch schlimmer darunter und das, obwohl diese Menschen 12 Stunden und länger schuften. Man muss sich vor Augen führen, das verursachen insbesondere auch wir durch unser Konsumverhalten und dem Bedürfnis immer mehr und immer billiger einzukaufen.

Vielen Unternehmen wird durch die Einführung der ÖkoSt. schnell klar werden, dass es keinen Sinn mehr macht, andere Länder und Menschen durch Umweltverschmutzung oder Dumpinglöhne auszubeuten. Es wäre auf einmal genau anders herum. Es macht plötzlich Sinn, umweltfreundlich zu produzieren und faire Löhne zu bezahlen. Das bedeutet, es bringt den Unternehmen auf einmal keinen großen wirtschaftlichen Vorteil mehr, die Natur und die Menschen auszubeuten. Das beginnt beim Fördern von seltenen Erden und Metallen und zieht sich durch den gesamten Prozess bis hin zum fertigen Produkt.

Klar könnte man weiterhin wie heute produzieren und den Status Quo aufrechterhalten, aber Firmen sind sehr auf das persönliche Image bedacht und es wird viel Geld für entsprechende Außenwirkung ausgegeben. Wenn nun das Image weiterhin jung, hip, trendig sein soll und mit Natur, Strand und Party geworben wird, macht sich ein rotes Label (siehe oben zu Thema Kennzeichnung) mit einem großen D und 150 / 200 Prozent Ökologiesteuer nicht sonderlich gut in der Außenwirkung.

Was meint ihr, wie schnell bei den Konzernen ein Umdenken stattfinden würde, um das Image der Firma nicht zu schädigen? Wenn das Produkt mit oder ohne Ökologiesteuer nahezu denselben Verkaufspreis hätte, bin ich sicher, dass Firmen sehr schnell lernen werden, nachhaltig und ökologisch zu produzieren. Ein solch fair produziertes Produkt ließe sich schlichtweg besser vermarkten.

Das bedeutet für die Menschen in den Schwellenländern natürlich eine spürbare Verbesserung der Lebensbedingungen. Durch eine ÖkoSt. würden sich die Lebensbedingungen über einen langen Zeitraum immer mehr angleichen lassen. Zumindest verbessern lassen. Nicht sofort, aber doch spürbar. Die Löhne würden steigen, die Infrastruktur würde sich verbessern, die Umweltbelastungen zurück gehen und auch die Bildungschancen würden sich erhöhen. Wir würden durch unser Konsumverhalten dazu beitragen, dass viele Menschen ein besseres Leben führen könnten. Aktuell ist es doch so, dass wir durch unser Konsumverhalten diese Menschen ausbeuten. Eine Ökosteuer könnte also auch Fluchtursachen wie Armut, Hunger und Not bekämpfen. Ich denke, es wäre ein kleiner Preis dafür, wenn sich einige Produkte dadurch verteuern würden.

Im Übrigen gälte das nicht nur für Dritte Welt und Schwellenländern. Die Ökosteuer wäre auch gleichzeitig Entwicklungshilfe und Subvention in unsere heimische Wirtschaft. Regionale Erzeuger würden davon profitieren und würden wettbewerbsfähiger. Betrachtet man das europaweit, so würden auch die südlichen Länder stark davon profitieren und aussterbende Branchen hätten wieder eine Chance sich gegen Übersee durchzusetzen. Es würden hier bei uns neue Jobs entstehen, sowohl im produzierenden Gewerbe, als auch in der Landwirtschaft.

Ich könnte mir vorstellen, dass es nach einiger Zeit kaum mehr Gründe gäbe, die Globalisierung nach Einführung einer ÖkoSt. weiterhin zu verteufeln. Denn die gesamten Produktionsprozesse würden nachhaltig und ganzheitlich betrachtet. Sowohl Schwellenländer wie auch die heimische Wirtschaft und insbesondere unser Planet würden profitieren.

Technologischer Fortschritt durch die ÖkoSt.

Es wird aktuell immer gerne und viel von Digitalisierung geredet. Auch da wäre die ÖkoSt. wegweisend. Zum einen dadurch, dass wir Arbeitsleistung durch die ÖkoSt. Plus pauschal besteuern würden und Digitalisierung so in vielerlei Hinsicht gefördert würde. Gleichzeitig würde das gesamte Steuersystem digital, worin eine große Chance läge, das auf andere Bereiche zu übertragen. Im öffentlichen Bereich bspw. auch auf eine deutlich vereinfachte Steuererklärung für jedermann.

Ich könnte mir zudem vorstellen, dass die Ökosteuer eine technologische Revolution auslösen würde. Es würde auf einmal Sinn machen, sehr viel Geld in die Forschung und Umsetzung von umweltfreundlichen Technologien zu stecken.

Man würde noch schneller und intensiver an alternativen Energiequellen forschen, leistungsfähige und verschleißfreie Batterien entwickeln, Brennstoffzellen zur Marktreife führen, perfekte Recycling-Kreisläufe schaffen, alternative Verpackungen für Produkte, Lebensmittel, Kosmetik, … endlich markt- und wettbewerbsfähig machen, kompostierbare Kunststoffe branchenübergreifend einsetzen, alternative Transportmöglichkeiten für Ware aus Übersee entwickeln und eben vieles mehr.

Ich stelle mir tatsächlich die Frage, welche Innovationen könnte unsere Gesellschaft schaffen, wenn wir den gesamten Konsum, unser Leben und unsere Wirtschaft komplett an ökologischen Gesichtspunkten ausrichten würden? Eben damit wir nicht mehr das Krebsgeschwür dieses Planeten wären, sondern anfangen würden, so etwas wie eine Koexistenz oder gar Symbiose zu erlangen.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein Land, das eine solche Steuer umsetzen würde, in kürzester Zeit weltweit führend in solchen Technologien werden würde. Das wiederum würde zusätzliche Arbeitsplätze und Zukunftssicherheit schaffen.

Wertewandel durch eine ÖkoSt.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Wertewandel in der Gesellschaft selber, d.h. eine kontinuierliche Veränderung der moralischen Überzeugung innerhalb unserer Gesellschaft. Nicht sofort, aber nach einer gewissen Zeit dürfte eine solche Veränderung spürbar werden.

Wir würden anfangen, unsere Sachen insgesamt mehr wertzuschätzen. Wir würden viele Dinge viel intensiver hinterfragen, auch wenn wir das zunächst auf die harte Weise lernen müssten. Das heißt, wir würden zunächst zu einem ökologischen Steuersystem durch die Politik gezwungen. Das Umdenken würde erst nach und nach einsetzen, hätte aber einen nachhaltigen Faktor. Dafür wäre nicht nur die deutliche Kennzeichnung verantwortlich (wer kauft denn heute noch einen Kühlschrank, wenn da nicht mindestens A++ drauf steht??) sondern es würde irgendwann aus unserem Inneren heraus kommen.

Vielleicht würden wir anfangen, uns zu fragen: brauche ich die dritte Jacke tatsächlich? (wie warb Patagonia 2011 mal: „Kaufen Sie diese Jacke nicht!“) Würde es sich nicht lohnen, das Gerät zu reparieren? Brauche ich einen neuen Tisch oder lässt sich meiner nicht vielleicht mit einfachen Mitteln aufarbeiten? Gebe ich lieber ein wenig mehr für den Sessel aus und kann den dafür zwei Jahrzehnte nutzen? Oder würden wir nicht schlichtweg beim Einkauf auf den Steuersatz schauen, eben um uns zu vergewissern, wie fair der Einkauf gerade ist?

Wir als Konsumenten würden – das wäre meine Hoffnung – anfangen, über unser eigenes Konsumverhalten nachzudenken, sofern wir das nicht schon tun! Mit der Ökosteuer würde sich zudem das Konsumverhalten beim Kunden selbst verändern. Ich glaube, es würde nach einiger Zeit nicht mehr darum gehen, immer mehr und schneller zu konsumieren, sondern auch bewusster einzukaufen. Viele tun das ja heute schon, indem im Biomarkt oder auch Regional eingekauft wird.

Zudem glaube ich, dass das Glücksgefühl innerhalb der Gesellschaft steigen würde. Ich glaube nicht, dass man das nachhaltig spüren würde, aber man wüsste in seinem Inneren, das man mit dem Kauf eines nachhaltigen Produktes etwas für die Verbesserung des Planeten und der Lebensbedingungen in anderen Ländern beigetragen hätte.

Ich glaube zudem, dass regelmäßige Berichterstattung in den Medien auch zeigen würde, dass sich ein nachhaltiges Konsumverhalten tatsächlich auf andere Länder und Regionen überträgt, was den Prozess des Wertewandels noch beschleunigen würde.

Gleichzeitig wäre es eine interessante Frage, ob man durch mehr Wertschätzung gegenüber Produkten und durch geändertes Konsumverhalten nicht auch mehr Wertschätzung gegenüber anderen Menschen entwickelt und die Gesellschaft dadurch wieder stärker zusammen wachsen würde. Da müsste man mal mit jemanden drüber sprechen, der sich mit Ethik und Moral besser auskennt als ich. Ich könnte es mir aber durchaus vorstellen.

Wie schnell wäre eine ÖkoSt. umsetzbar? Fazit!

Ich glaube die Idee ist durchaus visionär, würde absolut Sinn ergeben, aber ich sehe auch viele Probleme. So wird aus der einfachen Sache einer pauschalen Mehrwertsteuer, die jeder kleine Händler einfach auf sein Produkt aufschlägt, eine Abstimmung mit Behörden. Wenn ich an den lokalen Bauernmarkt denke, auf dem Obst und Gemüse verkauft wird, oder die kleinen Läden, die tolle Produkte herstellen oder auch der Handwerker, so wird dieses Problem durchaus offensichtlich. Auch wenn dort die ÖkoSt. Plus durchaus ein Ansatz wäre, innovative bzw. kleine Betriebe nicht abzuwürgen.

Die Ökosteuer würde nach und nach ein Umdenken in den Köpfen von Managern bedeuten. Egal ob bei Produkten, Lebensmitteln oder auch Energie. Wie wäre Ökostrom ohne Abgaben? Klimaschädlicher Strom mit Abgaben? Was glaubt ihr, wie schnell sich Kraftwerke abschalten lassen würden? Es gäbe übergreifend auf alle Branchen ganz schnell ein Umdenken, eine Selbstregulierung hin zu umweltfreundlichen Technologien, umweltgerechtem Anbau und so weiter. Die Kriterien an ein Produkt würden sich ändern: Langlebigere Produkte, fair produzierte Produkte, nachverfolgbare Produkte, umweltverträgliche Produkte  und regionale Produkte würden viel stärker in den Fokus des Konsumenten rücken. Eine ÖkoSt. würde einen Wertewandel in der Gesellschaft bedeuten. Klar werden dabei einige Firmen das Nachsehen haben, aber im Kontext müsste dies zu verschmerzen sein, wenn man das große Ganze sieht: Unsere Zukunft, unsere Kinder, zukünftige Generationen und unseren kleinen zerbrechlichen blauen Planeten.

Ich persönlich würde ja für so eine Steuer plädieren. Das Ganze ist aber reine Utopie und leider in unserem Land und der EU nicht umsetzbar, da hier viel zu viele Interessen miteinander kollidieren. An die Möglichkeit einer Umsetzung dieser Idee wage ich nich so recht zu glauben, es hat aber Spaß gemacht, eine solche Idee einmal durchzudenken.

Eine solche Ökosteuer würde sich zudem in Deutschland und Europa wahrscheinlich niemals durchsetzen lassen, da eine Basis sowohl politisch als auch in der Bevölkerung schlichtweg nicht vorhanden wäre. Für eine ökologische Revolution müsste zunächst eine breite Basis geschaffen werden, damit ein erster Dominostein fallen kann. Zudem wäre die Einführung wahrscheinlich eine mittlere Katastrophe, da zunächst alle Produkte bewertet werden müssten oder man versucht es mit einer schrittweisen Umsetzung, welche man noch genau ausarbeiten müsste. Wer mal kurz an den Berliner Flughafen denkt, kann sich vorstellen, was meine Befürchtungen wären.

Dennoch glaube ich, dass sich unser Steuersystem und insbesondere die MwSt. überlebt haben. Die Mehrwertsteuer ist am 1. Januar 1968 in Kraft getreten und bis heute im Kern unverändert geblieben. Wenn man bedenkt, wie sehr sich unsere Gesellschaft seitdem verändert und mehrfach neu erfunden hat, dann wäre es in der Tat an der Zeit dieses Modell einmal nachhaltig auf den Prüfstand zu stellen. Ein Mindestmaß wäre, nachhaltige und ökologische Unternehmen zu fördern, zu zertifizieren, einen reduzierten Steuersatz anzubieten und so unternehmerische Weitsicht zu fördern.

Alle Unternehmen und Menschen die in dieser Hinsicht bereits etwas bewegen, denen spreche ich meinen tiefsten Dank aus. Die meisten machen es aus Überzeugung, um den Planeten und unsere Gesellschaft zu verbessern, auch wenn Sie selbstverständlich keine Philanthropen sind, sondern mit einem Unternehmen auch eine Gewinnerzielungsabsicht haben. Dagegen spricht aber auch nichts.

Was haltet ihr von der Idee einer ÖkoSt. und ÖkoSt. Plus? Wäre das ein Schritt zu einer nachhaltigeren Gesellschaft? Würde das einen Sinn machen oder habe ich mich mit dieser Idee schlicht verrannt? Ich bin an euren Meinungen interessiert.

6 KOMMENTARE

  1. Hallo Lars, danke für den tollen Artikel! Lustigerweise hatte ich ähnliche Ideen und seit etwa einem halben Jahr vorgehabt, zu eben diesem Thema was zu schreiben. Jetzt bin ich froh, dass du es schon gemacht hast, dann muss ich nicht mehr so viel recherchieren:)
    Das Konzept einer Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitssteuer ist mehr als nötig! Wie du schreibst, die freiwillige Selbstregulierung der Wirtschaft funktioniert ja meistens nicht. Wie auch, wenn Ausbeutung und Umweltverschmutzung sich rentieren? Eine Umweltsteuer hingegen würde Innovationen fördern und ein breites Umdenken ermöglichen. Als Einzelkämpfer kommt man doch nicht weit!
    Ich glaube schon, dass es umsetzbar wäre, wenn man denn nur wollte. Dadurch, dass unsere Politik der Wirtschaft zu sehr entgegenkommt, bremst sie Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit eher aus. Aber es ginge auch anders!
    Ich hoffe, diese Ideen lassen sich bald umsetzten.
    Viele Grüße,
    Amely

    • Danke. Ich glaube auch, das die Umsetzung möglich wäre, es fehlt aber der politische Wille zu so was. Die Angst vor einer solchen Steuer ist einfach zu groß. Die Angst dem Wähler vor den Kopf zu stoßen, wenn man mit so was Innovationen um die Ecke kommt. Die Angst, das man auch nur ein halbes Prozent beim Wirtschaftswachstum verlieren könnte. Daher glaube ich nicht daran, das es jemals so eine Steuer geben würde, denn politisch ist Konsum gewollt! Deswegen pumpt Dragi jeden Tag Milliarden in den Markt und um eben die Inflation hoch zu treiben. Das ist absolut schizophrenen! Die Kennzahl Wirtschaftswachstum und Export ist die einzige Kenngröße die Weltweit gilt. Im Interesse unserer Politik, der Regierung und allen wirtschaftlichen Institutionen ist es, das Deutschland weiterhin viel Konsumiert, viel Exportiert und der Motor auf keinen Fall kurz ins Stocken kommt. Das beste Beispiel ist doch die Dieselaffäre. Ein kurzes Stocken könnte Arbeitsplätze kosten und da ist eben noch ein Grund, warum es niemals eine Änderung geben wird. Die da oben sagen sich auch: „Never change a running system“, insbesondere wenn man die Auswirkungen nicht abschätzen kann. Aus meiner Sicht muss erst alles vor die Wand fahren, bevor sich etwa ändert. Dann wäre eine entrechende Steuer vielleicht möglich. Nur dann wird unsere Gesellschaft sich darauf einlassen. Nur dann wird es für unsere Gesellschaft, den Planeten und zukünftige Generationen wohl schon zu spät sein.

      • Hallo Lars, danke für die Antwort. Ich denke nicht, dass die Angst vor dem Unmut der Wähler entscheidend ist, sondern die ungesunde Nähe zur Wirtschaft. Wenn die Politik im vorauseilendem Gehorsam Entscheidungen trifft, die vermeintlich gut für die Wirtschaft sind, kann es sich auf diese aber auch negativ auswirken. Siehe Dieselskandal: Teslas und andere zukunftsfähigen Autos werden den Markt dominieren, da unsere Autohersteller von der Politik nicht zu nachhaltigen Mobililtätsforschung gezwungen wurden.
        Man bräuchte einige kompetente Steuerrechtler und Wirtschaftsökonomen, die das Modell mit der Ökosteuer mal durchrechnen. Heute entstehen durch die Billigproduktion ja durchaus Kosten, die aber weder der Käufer noch der Produzent trägt, sondern die Allgemeinheit, Menschen in anderen Ländern oder zukünftige Generationen (Bsp. Müllentsorgung, Abwasserreinigung, aber auch Schäden durch Klimakatastrophen usw.). Vielleicht könnte die Umsetzung klappen, wenn jemand ausrechnet, dass es letztendlich rentabler ist, nachhaltig zu produzieren. Es ist wirklich traurig, dass Menschenrechte und Umweltschutz weniger wichtig sind als der Profit. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich diese Einstellung nach und nach ändert. Demnächst werde ich auf meinem Blog auch über das Thema schreiben und auch auf deinen Beitrag verweisen. Vielleicht greifen dann immer mehr Leute das Thema auf. Man könnte das Modell auch ein paar EU-Politikern vorschlagen….
        LG Amely

  2. Danke für diesen informativen Artikel. Er spricht mir in vielen Punkten aus der Seele. Die Umsetzung ist aber tatsächlich durch eine Vielzahl von Hürden schlichtweg nicht machbar. Du bist im Übrigen nicht der Erste, der eine entsprechende Änderung des Steuergesetzes fordert, aber so ausführlich habe ich es bisher noch nicht gelesen. Deine Thesen sind in vielerlei Hinsicht wahrscheinlich absolut korrekt.

    Ich würde dank der höheren Produktsteuer tatsächlich zu einer deutlich geringeren Besteuerung von Arbeitsleistung (~10%) plädieren. Das würde unser Hochlohnland wahrscheinlich wettbewerbsfähiger machen. Durch das Mehr bei nicht nachhaltigen Produkten ließe sich das ausgleichen.

    Aktuell gibt es bei Campact übrigens eine Petition, die zumindest reduzierte Steuersätze für Bio-Lebensmittel und nachhaltige Produkte fordert. Der Ansatz ist aber nicht ganz meiner, weswegen ich das jetzt mal nicht verlinke.

    Bei Fairtrade gibt es seit Anfang ein Papier zu politischen Forderungen. Dort findet sich an einigen Stellen eine ähnliche Forderung zu einem Umdenken in steuerlichen Punkten. Interessant und ergänzend zu deinen Punkten: FairTrade fordert günstiger Zölle bei der Einfuhr von nachhaltigen Produkten, unabhängig davon, ob es sich um Lebensmittel oder andere Produkte handelt. Das wäre ergänzend zu deiner ÖkoSt. sicherlich noch ein guter weiterer Schritt. Nachzulesen hier: https://www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/DE/mediathek/pdf/fairtrade_politische_forderungen_transfair.pdf

    Liebe Grüße Gritte

    • Hallo Gritte,
      danke für deine ausführliche Meinung. Ich habe mir die Petition gerade mal angeschaut. Als erster Schritt gar keine so schlechte Idee, wenn ich aber auch wie du nicht in allen Ansätzen übereinstimme. Mir ist das in einigen Punkten nicht weit genug gedacht und in anderen Punkten nicht ganzheitlich sondern an persönlicher Überzeugung ausgerichtet. Ich vermute, das du das auch so meintest.

      Bei Zöllen bin ich Zwiespalten. Beim aktuellen Status Quo wäre das sicherlich kein schlechter Ansatz. Im Rahmen einer ÖkoSt. sähe ich das nicht als zielführend an. Ich erkläre das auch gerne: In dem Moment würden regionale Produkte wieder bestraft. Der Vorteil ergibt sich durch die ÖkoSt. ja automatisch auch für verzollte Produkte, nur das aufgrund von Ressourcen Verschwendung durch Transport eben doch ein geringer Aufschlag erfolgen würde. Ein Ziel sollte eben sein, nicht alles durch die Welt zu karren, sondern vieles auch wieder innerhalb der EU zu produzieren. Die Verzollung sollte im Rahmen der ÖkoSt. weiterhin pro Produktgruppe einheitlich erfolgen. Dadurch schützt man ja auch die regionale Wirtschaft. Nähme man ein Fair Trade T-Shirt genäht aus Portugal oder eine Fair Trade T-Shirt aus Bangladesch wird es deutlich. Man würde den europäischen Produzenten im Verhältnis zum globalen Markt wieder benachteiligen. Im Status Quo bin ich allerdings absolut bei FairTrades Forderung, da diese aktuell Sinn macht.

      Bezüglich 10% auf Arbeitsleistung: Das hatte ich bewusst nicht weiter ausgeführt (ich hatte noch viele Punkte au der Liste, aber dann wäre der Beitrag noch länger geworden), aber es macht Sinn das durchzurechnen, wenn man so eine Steuer jemals einführen würde. Wenn das eine das andere kompensiert, ist es zielführend und erhöht den Wettbewerbsvorteil. Zudem würde es sich lohnen, Produkte reparieren oder aufarbeiten zu lassen, da es gegenüber dem Neukauf durch geringere Aufschläge gefördert würde. Ebenso würden viele Branchen gefördert und das Sozialsystem bspw. entlastet. Ich denke da bspw. an Pflegeberufe und ähnlichem. Danke für den Aspekt.

  3. Sehr guter Ansatz! Das würde Europa und die Welt nachhaltig verändern und stärken. Schade das ich / du das wohl niemals erleben werden.

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